Gebühren

27. Februar 2017 05:35; Akt: 27.02.2017 05:35 Print

Roaming soll auch für Schweizer Kunden fallen

Ab Juni zahlen Telekomkunden in der EU kein Roaming mehr. Politiker wollen dies auch in der Schweiz durchsetzen. Ein Schlupfloch gibt es aber bereits.

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In der EU bald Geschichte: Ab Juni zahlen Telekomkunden in ganz Europa keine Roamingkosten mehr fürs Telefonieren oder Surfen. CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter will nun auch den Roaminggebühren, die bei Schweizern im Ausland anfallen, ein Ende setzen, weil sonst durch die neue EU-Regelung «ab Juni Schweizer Mobilfunknutzer diskriminiert werden». Eine Minute telefonieren in Europa ohne Abo kostet bei der Swisscom 45 Rappen, bei Sunrise gar 1,45 Franken. Und wer bei Salt in Europa surft, zahlt ohne Abo 2 Franken pro Megabyte. Bei der Swisscom heisst es, dass eine komplette Abschaffung der Roaminggebühren heute nicht möglich sei, da man für die Netznutzung ihrer Kunden auf dem ausländischen Netz bezahlen müsse. Weil in der EU regulierte Tarife herrschen, verrechnen die Anbieter Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz höhere Kosten. Diesen Einwand lässt CVP-Nationalrätin Schneider-Schneiter nicht gelten: «Wenn die EU das Roaming stoppen kann, muss das auch für die Schweiz möglich sein.» Jean-Claude Frick von Comparis sagt: «Das Roaming ist für die Schweizer Anbieter immer noch ein Geschäft mit grosszügigen Margen. Darum haben sie kaum ein Interesse daran, in den Verhandlungen mit den europäischen Anbietern tiefe Preise durchzusetzen.» Laut Frick könnte ein Roamingverbot dies ändern. Auch wenn Kunden ohne ein solches Abo weiterhin nicht um die Gebühren herumkommen, eröffnet sich für sie bald ein Schlupfloch: Sie könnten sich ab Juni eine europäische SIM-Karte besorgen und dank Gratisroaming in ganz Europa ohne Aufschlag surfen und telefonieren. Laut Zadori wäre dies besonders für Grenzgänger interessant. Für den Gebrauch im Inland seien jedoch Schweizer Angebote günstiger. Um dort ein Abo zu lösen, das dann in der Schweiz genutzt werden kann, braucht es laut Oliver Zadori zwar eine Wohnadresse. «Aber da kann man ja auch jene eines deutschen Bekannten angeben.»

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Eine Minute telefonieren in Europa ohne Abo kostet bei der Swisscom 45 Rappen, bei Sunrise gar 1,45 Franken. Und wer bei Salt in Europa surft, zahlt ohne Abo 2 Franken pro Megabyte.

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Während die Preise für solche Roaminggebühren für Schweizer Kunden zwar sinken, schafft die EU sie ab kommendem Juni ganz ab und verbietet den Telekomanbietern, die Netzkosten auf ihre Kunden abzuwälzen.

Schweizer Kunden würden diskriminiert

CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter will nun auch den Roaminggebühren, die bei Schweizern im Ausland anfallen, ein Ende setzen, weil sonst durch die neue EU-Regelung «ab Juni Schweizer Mobilfunknutzer diskriminiert werden». Da der Bundesrat das Thema erst mit der Revision des Fernmeldegesetzes im Herbst zu diskutieren plant, will Schneider-Schneiter nun den «Druck verstärken», nachdem sie bereits Vorstösse dazu eingereicht hat.

Sie fordert darum in der Fragestunde der Frühlingssession vom Bundesrat eine Antwort darauf, wie diese Gebühren in der Schweiz so rasch als möglich abgeschafft werden könnten.

Die Schweizer Anbieter begründen ihr Festhalten am Roaming damit, dass sie nicht von den EU-Tarifen profitieren können. Denn während Anbieter innerhalb der EU sich gegenseitig nur festgelegte Tarife berechnen dürfen, gelten diese für die Schweiz nicht. Firmen wie etwa die Deutsche Telekom können daher Swisscom, Salt und Sunrise für die Benützung ihres Netzes mehr verrechnen als einer österreichischen Telekomfirma.

«Roaming ist für Schweizer Anbieter immer noch ein gutes Geschäft»

Diesen Einwand lässt CVP-Nationalrätin Schneider-Schneiter nicht gelten: «Wenn die EU das Roaming stoppen kann, muss das auch für die Schweiz möglich sein.» Auch Jean-Claude Frick von Comparis sagt: «Das Roaming ist für die Schweizer Anbieter immer noch ein Geschäft mit grosszügigen Margen. Darum haben sie kaum ein Interesse, in den Verhandlungen mit den europäischen Anbietern tiefe Preise durchzusetzen.» Laut Frick könnte ein Roamingverbot dies ändern.

Auch Oliver Zadori vom Vergleichsdienst Dschungelkompass glaubt zwar, dass die Kunden bei einem Roamingverbot profitieren könnten. Er äussert aber auch Bedenken: «Auch wenn mit der EU tiefere Roaminggebühren verhandelt würden, fallen Kosten an, die überwälzt würden.» Laut Zadori könnten die Schweizer Anbieter diese Kosten einfach andernorts – etwa bei den Abos – draufschlagen, wenn sie kein Roaming mehr verrechnen dürften.

Bei der Swisscom heisst es, dass eine komplette Abschaffung der Roaminggebühren heute nicht möglich sei, da man für die Netznutzung ihrer Kunden auf dem ausländischen Netz bezahlen müsse. «Durch die hohen Inklusivvolumen in den Abos ist es für viele Swisscom-Kunden aber praktisch kein Thema mehr», sagt Sprecherin Annina Merk.

Auch Schweizer können profitieren – dank einem Schlupfloch

Auch wenn Kunden ohne ein solches Abo weiterhin nicht um die Gebühren herumkommen, eröffnet sich für sie bald ein Schlupfloch: Sie könnten sich ab Juni eine europäische SIM-Karte besorgen und dank Gratisroaming in ganz Europa ohne Aufschlag surfen und telefonieren. Bei deutschen Telekomanbietern gilt das Gratisroaming neben der EU auch für die Schweiz.

Laut Zadori wäre dies besonders für Grenzgänger interessant. Für den Gebrauch im Inland seien jedoch Schweizer Angebote günstiger als etwa deutsche. Um im Ausland ein Abo zu lösen, braucht es laut Zadori zwar eine Wohnadresse. «Aber da kann man ja auch jene eines deutschen Bekannten angeben.»

Wenn sich die Schweiz ab Juni in der Roamingdebatte nicht bewegt, rechnet Jean-Claude Frick von Comparis damit, dass folgender Trick Auftrieb erhält: «In Frankreich gibt es Abos mit Datenvolumen von 50 Gigabyte für 35 Euro im Monat, was auch für Schweizer ein attraktives Angebot wäre.» Ob die ausländischen Anbieter diesen Trick tolerieren, bleibt abzuwarten: Denn sie hätten laut Gesetz die Möglichkeit, bei übermässiger Nutzung Zusatzgebühren zu erheben.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani77 am 27.02.2017 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Deutsche in der Schweiz kein Roaming

    Wenn Deutsche mit ihrem deutschen Abo in der Schweiz kein Roaming mehr zahlen müssen, wieso kann das dann nicht auch andersrum funktionieren? Hier scheint Swisscom seine horrenden Margen einfach nicht hergeben zu wollen.

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  • Verfasser am 27.02.2017 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roaming Gebühren

    Irgendwie habe ich das Gefühl im falschen Film zu sein. Wir sollen als Schweizer, EU Recht übernehmen und an den bilateralen Verträgen festhalten, aber sobald es darum geht Roaming Gebühren abzuschaffen, dann bleibt die Schweiz sehr schweizerisch. Das ist EU Recht à la carte.

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  • Galimero am 27.02.2017 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU-Recht

    witzig, für alle Sachen muss die Schweiz umgehend EU-Recht übernehmen, nur da wo der Kunde profitieren könnte nicht...Wo bleiben da die EU- Sanktionen und Drohungen wie bei MEI und USR III ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Geissenpeter am 27.02.2017 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der EU beitreten

    wenn ihr wollt können wir der EU beitreten dann sinken die Gebühren. Wollt ihr das?

  • Wolf67 am 27.02.2017 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und ich bin kein Schweizer

    Ich bin nicht mal Schweizer. Egal was ich war.Aber die Schweiz war mal ein "Vorbild " an Sauberkeit und Korrektheit. Wünschte Sie würde wieder zu Ihren Wurzeln finden.

  • Pajero am 27.02.2017 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    tja sind ja selber schuld wenn ihr zuviel zahlt kauft doch eine sim ausem ausland da hat man alles schon drinnen

  • Gerry41 am 27.02.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abo

    Bezüglich der Umfrage. Leider sind die Telekomfirmen nicht fit genug das Entgelt such von einem Schweizer Konto abzubuchen.... also nein :(

  • Dave H am 27.02.2017 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso erst ab Juni?

    Wieso sollten Schweizer sich erst ab Juni eine europäische SIM-Karte besorgen? Ich habe seit Jahren in meinem Dual-SIM-Handy eine europäische SIM-Karte, die ich jeweils ausserhalb der Schweiz nutze. Es gibt mehrere Anbieter, die das bequem in der Schweiz anbieten - man muss dazu also nicht mal vor Ort sein.