13. April 2005 07:31; Akt: 13.04.2005 07:42 Print

Röschenz bietet Bischof die Stirn

Die römisch-katholische Kirchgemeinde Röschenz steht hinter ihrem aufmüpfigen Pfarradministrator Franz Sabo.

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Von der vom Bischof von Basel angeordneten Kündigung des beliebten Seelsorgers will die Kirchgemeinde nichts wissen. Klarer hätte der Entscheid der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom Dienstagabend nicht aufallen können: Einstimmig wurde beschlossen, dass die von Bischof Kurt Koch angeordnete Kündigung von Pfarradministrator Sabo vorläufig nicht ausgesprochen wird.

415 oder rund die Hälfte der Röschenzer Kathloliken nahmen an der 75 Minuten dauernden Versammlung teil. Die Abstimmung hat konsultativen Charakter. Sie ist rechtlich nicht bindend.

Lösung suchen

Sabo soll nach dem Willen der Kirchgemeinde weiterhin in der Laufentaler Gemeinde wirken können. Der Kirchgemeinderat soll nun unter Einbezug der verantwortlichen Stellen in Staat und Kirche eine endgültige Lösung für den Verbleib Sabos als Seelsorger suchen. Der Priester habe sich nichts zuschulden kommen lassen, wurde an der Versammlung betont.

Kirchgemeindepräsident Holger Wahl würdigte Sabo als einen hervorragenden Prediger, der Jung und Alt in die Kirche hole. Der unbequeme Priester habe jedoch auch Ecken und Kanten, mit denen der Bischof von Basel offensichtlich nicht umgehen könne. Statt zum Wohl der Kirche integriert, solle Sabo nun einfach in die Wüste geschickt werden. Das wolle man nicht akzeptieren.

Wahl warf Kurt Koch vor, die bischöfliche Pflicht, für den Frieden zwischen den Kirchen und den Gemeinden zu sorgen, nicht erfüllt zu haben. Auch sein Versprechen, mit der Gemeinde im Gespräch zu bleiben, habe er nicht eingehalten.

Konflikt begann 2003

Der aus Deutschland stammende Sabo mit Jahrgang 1953 ist seit 1998 als Pfarradministrator in Röschenz tätig. Der Konflikt mit dem Bistum Basel begann 2003, als der Priester in einem Zeitungsartikel Bischof Koch scharf attackierte.

Nach einem weiteren kritischen Artikel Sabos im Februar 2005 kündigte das Bistum Basel im März an, dass dem Priester per Ende September 2005 die für die Ausübung seines Amtes nötige Missio Canonica entzogen werde. Die Kirchgemeinde Röschenz wurde angewiesen, ihren von Gläubigen aller Generationen geschätzen Seelsorger auf diesen Termin hin zu entlassen.

In seiner Predigt vom vergangenen Sonntag griff Sabo Bischof Koch erneut an. Der nach einer kurzfristigen Medienkonferenz des Bistums Basel vermutete sofortige Entzug der kirchlichen Sendung Sabos ist bisher nicht erfolgt. Vor neuen Entscheiden warte man die Kirchgemeindeversammlung in Röschenz ab, sagte am Dienstag ein Sprecher des Bistums auf Anfrage.

(sda)