Zocken verboten

26. Oktober 2010 17:37; Akt: 26.10.2010 17:41 Print

Rückschlag für die Pokerer

von Joel Bedetti - Die Rechtskommission des Ständerats lehnt private Pokerturniere ab. Doch die Casinos tun sich schwer damit, die Nachfrage zu decken.

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Weiterhin verboten: Pokerturnier ausserhalb von Casinos. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Die Rechtskommission des Ständerats lehnt die Motion von SVP-Nationalrat Lukas Reimann zur Entkriminalisierung des Pokerspiels ab, wie sie in einer heute Nachmittag veröffentlichten Stellungnahme bekannt gibt. Die Abstimmung verlief mit 9 zu 1 Stimmen bei 3 Enthaltungen relativ deutlich. Da der Rat meist der Empfehlung der Kommission folgt, wird die Motion in der Abstimmung im Ständerat wohl unterliegen.

In ihrer Begründung folgt die Kommission der Argumentation des Bundesrats, welcher die Motion ebenfalls abgelehnt hat: Die Motion wolle etwas erlauben, das gar nicht verboten sei.

Auf den ersten Blick geht es in der Motion Reimann tatsächlich darum, das Zocken «im privaten Rahmen mit Freunden und Bekannten» zu erlauben. Das ist auch nach dem Verbot von Pokerturnieren durch die Eidgenössische Spielbankenkommission legal.

Durcheinander mit Vorstössen

Nur: Eigentlich geht es Reimann um etwas anderes. Reimann fordert, Poker als Geschicklichkeits- und nicht als Glücksspiel aufzufassen. Bei einer Annahme der Motion würde das Spielbankengesetz zur Diskussion gestellt. «Durch Einzelanträge könnten wir erreichen, dass Pokerturniere mit niedrigen Einsätzen auch in der Öffentlichkeit wieder stattfinden könnten», sagt Lukas Reimann gegenüber 20 Minuten Online.

Diese Undeutlichkeit bemängelt die Rechtskommission des Ständerats in ihrer Stellungnahme: «Auf die Frage ob Pokerturniere Geschicklichkeits- oder Glücksspiele seien und ob deren Organisation im öffentlichen Rahmen weiterhin den Casinos überlassen sein soll, wird nicht eingegangen.» Zudem verweisen die Räte auf weitere Vorstösse im Parlament, welche diese Fragen stellen, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden.

Pokersets und Gespräche

Lukas Reimann ist von der Niederlage enttäuscht, die Hoffnung hat er aber nicht aufgegeben - nicht zuletzt, weil die Rechtskommission des Nationalrats die Motion zur Annahme empfohlen hat. «Ich hoffe, dass ich die Abstimmung durch Gespräche mit einzelnen Ständeräten noch kehren kann.»

Vielleicht hilft ihm auch die Aktion von Marc Horisberger, der als Veranstalter von Pokerturnieren vom Verbot der Spielbankenkommission betroffen war: Er schenkte sämtlichen Ständeräten ein Poker-Set, das sie dazu animieren sollte, sich mit dem Spiel auseinanderzusetzen.

Desaster auf dem Poker-Boot

Ausserhalb der Bundeskuppel stellt sich nach Ansicht der Zocker immer mehr heraus, dass die Casinos die grosse Nachfrage nach Pokerturnieren mit Einsätzen unter 100 Franken nicht decken können. «Nur das Casino Baden, bald auch das Casino Schaffhausen bieten das an - aber das ist zu wenig», sagt Marc Horisberger. Deshalb müssten viele Zocker im Internet spielen oder an Turniere ins Ausland reisen.

Den Casinos scheint es auch an Know-How zu fehlen: Ein vom Casino Bern organisiertes Poker-Turnier endete vor kurzem wegen organisatorischer Mängel in einem Desaster.

Kein Nachgeben

Marc Friedrich, Geschäftsführer des Schweizer Casino-Verbands, will das Turnier in Bern nicht kommentieren. Er sagt aber: «Wir sind daran, ein genügendes grösseres Poker-Angebot aufzubauen. Das braucht auch wegen den Bewilligungsverfahren seine Zeit.»

Ein Nachgeben kommt für Friedrich aber nicht in Frage: «Eine erneute Öffnung des Marktes für nichtkonzessionierte Pokerturnierveranstalter lehnen wir ab.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pokerfreak am 26.10.2010 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    anti casino

    nur schon der letzte Abschnitt macht mich sauer! Warum kann man so etwas in der Schweiz nur verbieten.

  • casinolobby am 26.10.2010 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    politiker nur marionetetn

    das sind nicht die politiker, die das entscheiden, die sind nur die handlanger der casino/wirtschaftslobby.

  • Andreas am 26.10.2010 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Makes me angry

    Sowas macht micht aggresiv....Da hält sich ja eh keine Sau dran und niemand geht ins Kasino um Poker zu spielen, gute Lobbyarbeit und wiedermal keine Ahnung unserer Politiker...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • joe poker am 11.11.2010 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    glück spielt immer mit...

    Ich spiele seid über 3 Jahren auf sämtliche Plattformen (Live, Online, bei Kollegen, Spielcasino etc) Wer hier behauptet, dass Poker ein reines Geschicklichkeitsspielt ist, der liegt natürlich falsch.Beim pokern spielt Glück mit und ist ein Bestandteil von der Strategie. Es gibt immer wieder die sogenannten "Coin-Flip" Situationen (50-50% Chancen) wo man entscheiden soll ob man spielen will oder nicht. Die Coinflip sind reine Glücksache! Auf die Dauer gesehen gewinnt jedoch derjenige der die richtige Entscheidungen und Spielzüge im richtigen Moment macht.Erfahrung muss man dabei haben.

  • Sven am 27.10.2010 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    POKER IST EIN GLÜCKSSPIEL!

    Bei Pokerturnieren hängt der Gewinn nicht nur vom Glück ab das stimmt. Er hängt auch von der Geschicklichkeit ab. Bei gleich guten Spielern entscheidet aber das Glück. Jeder Amateurspieler kann einen sogenannten Profispieler schlagen wenn er Glück hat.. Bei "echten" Geschicklichkeitsspielen ist dies nie der Fall.. Nehme man Golf, Tennis, Schach, etc.. Die Spannweite von guten und schlechten Spielern ist im Poker sehr dünn, deswegen können bei Weltmeisterschaften sogeannte Banananspieler Weltmeister werden.. Man könnte die WSOP auch Lotto Series of Poker taufen: Der Glückliche gewinnt!

    • Paul am 27.10.2010 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      Sven du Vogel 2

      Du hälst es für Glück. Dabei ist dieses Spiel dermassen komplex, dass es deinen Horizont wahrscheinlich schlicht übersteigt. Selbst nach Jahren kann man noch dazu lernen! Mir eigentlich egal was du glaubst, aber uns,die die wissen was geht, die Freude daran wegnehmen zu wollen ist einfach nur traurig. In einem einzigen Punkt geb ich dir Recht mit Schach kann man's nicht vergleichen, weil da zu 100% immer der Bessere gewinnt. Beim Poker ist's weniger, aber man muss es auf die Dauer betrachten und da gewinnt der Bessere.

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  • Anja am 27.10.2010 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch vollkommen egal...

    wenn man das zu Hause in den eigenen vier Wänden veranstaltet kann das sowieso niemand kontrollieren! Also was solls!

    • Paul am 27.10.2010 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nei ist nicht egal

      Sorry, wir sind oder leider waren eine supergeile Community. Leute jeden Alters und Nationalität die sich regelmässig getroffen haben um ihre Leidenschafft fürs Pokern auszuleben, man hat gespielt, geschwatzt, 1 getrunken, diskutiert..Superstimmung jedesmal. Von heute auf morgen wurde uns das einfach weggenommen. Klar spiel ich mit Freunden im Privaten aber das ist halt nicht das gleiche als z.B. in ner Bar mit 50 Andern mit dem gleichen Hobby! Macht mich EXTREM hässig sowas!!! Der Gipfel an der ganzen Sache ist die fadenscheinige Begründung mit der Suchtprävention!

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  • Mike am 27.10.2010 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin auch gegen

    ein verbot, aber die behauptung das pokern nichts mit glück zu tun hat stimmt so einfach nicht. wieso sitzen am final tabel des main events in las vegas regelmässig 80% amateure? spiel gegen den weltmeister im poker ein partie und mit GLÜCK gewinnst du, spiel gegen roger federer tennis, und du siehst keinen ball

  • Marcel John am 26.10.2010 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen

    Liebe Regierung zeigt doch endlich einmal das ihr taugt. Verbietet Konsekquenter Weise alle Jassturniere oder lasst endlich die Pokerspiele zu.

    • Paul am 27.10.2010 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      als Konsequenz

      gleich alles verbieten zu wollen ist fast noch dämlicher

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