Gedenk-Gottesdienst

08. Januar 2016 12:25; Akt: 08.01.2016 14:34 Print

Rupperswiler weinen um die Mordopfer

Heute findet in Rupperswil AG die Trauerfeier für drei der vier Opfer statt, die kurz vor Weihnachten brutal ermordet und verbrannt wurden. Der Andrang ist gross.

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Trauernde auf dem Weg zum Gedenkgottesdienst für die Opfer des vierfachen Mordes am Freitag, 8. Januar 2016, in Rupperswil. Unter den Trauergästen befinden sich viele Kollegen von Davin (13) und Dion (19), den beiden getöteten Söhnen von Carla S. Mehrere Trauerkränze stehen vor der Kirche. Trauergäste beim Betreten der Kirche Rupperswil. «In unseren Herzen wirst du weiterleben»: Dieser Kranz stammt von den Lehrern und Schülern der Schule, die Dion S. von 2009 bis 2012 besucht hat. Der Kranz mit dem blau-weissen Band stammt vom FC Rupperswil. Dion S. (19) spielte für den Club. Die reformierte Kirche von Rupperswil: Hier wird der Gedenk-Gottesdienst am 8. Januar um 14 Uhr abgehalten. Kerzenmeer am 8. Januar 2016 am Wohnort der Familie S. Viele Menschen begeben sich dorthin, um zu trauern. Carla und ihre Kinder pflegten ein inniges Verhältnis. Auch Nachbarn beschreiben die Familie als sehr sympathisch und supernett. Der oder die Täter sind noch nicht gefasst. Mit diesem Bild einer Überwachungskamera sucht die Polizei nach Zeugen: Wer hat Carla S. am Montagmorgen, 21. Dezember 2015 gesehen? Sie hob am Vormittag in Rupperswil und Wildegg Geld ab. «Kann sein, dass sich die Opfer wehrten»: Der Tatort in Rupperswil AG. (24.12.2015) Diese Wohlener Apotheke sollen am Tag der Tat zwei Unbekannte mit Schnittwunden betreten haben: Screenshot Tele Züri. Mithilfe der Bevölkerung gesucht: Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, hält das Flugblatt mit dem Zeugenaufruf in der Hand. (24. Dezember 2015) Kantonspolizisten befragen an Weihnachten die Bevölkerung von Rupperswil. Die Dorfidylle ist nach der Bluttat vorbei. Über Nacht ist Rupperswil landesweit bekannt geworden. Dorfbewohner hinterlegen Kerzen und Karten an der Stätte des Verbrechens. Am Freitag bekommen sie die Gelegenheit, von der Familie S. Abschied zu nehmen. Zum einen von der 48-jährigen Carla S. ... ...und zum anderen von ihren beiden Söhnen, dem 19-jährigen Dion S. ... ...und dem 13-jährigen Davin S. Beim vierten Opfer soll es sich um Simona F. handeln. Die 21-jährige war die Freundin von Dion S.. Ihre Gedenkfeier findet am Samstag, dem 09. Januar 2016, in Hunzenschwil AG statt. Im Ort ist die Anteilnahme gross. Viele kommen vorbei, legen Kerzen nieder oder selbst geschriebene Briefe und Blumen. Auch das Interesse am Trauergottesdienst ist enorm. Besonders die Klassenkameraden von Davin sind entsetzt und verzweifelt über dessen Tod. Am Montag, 21. Dezember kurz nach elf Uhr meldeten Nachbarn, dicker Rauch trete aus einem Einfamilienhaus aus. Die vier Opfer wurden im Innern des Hauses gefunden. Sie waren offenbar alle vier stark verkohlt. Die Identifikation gestaltete sich als schwierig. Die vier Personen weisen Stichwunden auf. Alle vier seien zudem Opfer. Der Täter befinde sich nicht unter den vier, hiess es vonseiten der Staatsanwaltschaft. In dem Haus wohnte die Mutter mit ihren zwei Söhnen. Gemäss Bekannten der Familie lebte sie getrennt von ihrem Ehemann. Ihr Freund G.M. war jedoch auch an der Adresse gemeldet. Polizisten in einem Feld nahe des Hauses: Offenbar suchen sie etwas. Laut der Polizei gehört die Suche nach Beweismitteln zur routinemässigen Untersuchung dazu. Feuerwehrleute und Polizisten vor der mobilen Einsatzzentrale auf der Lenzhardstrasse in Rupperswil. Die Feuerwehrleute mussten psychologisch betreut werden. Sie sagen, schreckliche Szenen hätten sich ihnen im Innern des Hauses geboten. Die Feuerwehrleute drangen mit Atemschutztrupps ins Zweifamilienhaus ein. Als diese das stark verrauchte Haus durchsuchten, stiessen sie auf die toten Personen. Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt: Eine Kriminaltechnikerin im Einsatz beim Tatort. Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft ermitteln vor Ort auf Hochtouren.

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Das Tötungsdelikt hat die Schweiz erschüttert wie kaum ein anderes: Carla S.* (48), ihre beiden Söhne Dion (19) und Davin (13) und die Freundin des älteren Sohnes, Simona F.* (21) wurden brutal ermordet. Am 21. Dezember wurden ihre Leichen im Haus der Familie S. in Rupperswil AG entdeckt, nachdem dort ein Brand ausgebrochen war. Es stellte sich heraus: Die vier Opfer waren erstochen und dann angezündet worden.

Noch ermittelt die Polizei fieberhaft, um den oder die Täter dingfest zu machen – bisher kam es zu keiner einzigen Festnahme. Die Angehörigen nehmen währenddessen am Freitag um 14 Uhr endgültig Abschied von Carla, Dion und Davin. Ein separater Gottesdienst findet am Samstag in Hunzenschwil zum Gedenken an Simona F. statt.

Es herrscht eine bedrückende Stille

Während die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis stattfindet, ist der Trauergottesdienst in der reformierten Kirche in Rupperswil öffentlich. Und der Andrang ist gross. Vor der Kirche wurden mehrere grosse Kränze aufgestellt – sie stammen unter anderem von der Schule, die die Söhne der Familie S. besuchten, und von ihrem Fussballclub.

Vor Ort sind die Sicherheitsvorkehrungen gross. Verbotsschilder wurden angebracht, Platzanweiser sorgen dafür, dass die Autos der Trauergäste kein Verkehrschaos verursachen. Trotz des Menschenauflaufs herrscht eine bedrückende Stille, kaum jemand spricht ein Wort. Die Angehörigen treffen in Begleitung von uniformierten Polizisten ein.

Regeln zum Schutz der Angehörigen

Laut Tele M1 haben sich 200 Freunde und Bekannte für die Feier angemeldet. Darunter seien mehrere Schulklassen aus Rupperswil. Auch der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann (SP) wolle beim Gottesdienst dabei sein.

Damit möglichst viele Menschen den Gottesdienst mitverfolgen können, wird er von der Kirche ins angrenzende Kirchgemeindehaus übertragen. In der Kirche haben lediglich 250 Personen Platz. Um 13.30 Uhr ist sie schon voll – danach werden Leute ins Kirchgemeindehaus geschickt.

Auch das Medieninteresse ist gewaltig. Im Vorfeld wurden strikte Regeln aufgestellt, damit die Angehörigen in Ruhe trauern können: Ton- und Bildaufnahmen während des Gottesdienstes sind nicht gestattet. Einen Bericht über die Trauerfeier wird 20 Minuten im Lauf des Nachmittags veröffentlichen.

*Namen der Redaktion bekannt.

(vro)