Zugunglück in Rafz

27. Februar 2015 09:23; Akt: 27.02.2015 10:51 Print

S-Bahn überfuhr Signal

Eine Woche nach dem Zugunglück von Rafz ZH ist klar, wie es zur Kollision einer S-Bahn und eines Interregio-Zuges kommen konnte. Sechs Personen wurden dabei verletzt.

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Nach dem Zugsunglück in Rafz ZH wird die Lokomotive abtransportiert. Auch die Waggons rollen über die Schweizer Strassen. «Ich kam gerade vom Training, und plötzlich hatte ich die Lok vor mir», sagt eine erstaunte Leser-Reporterin, die den Konvoy bei Eglisau geknipst hat. Der Schwertransport verursachte offenbar Stau. Noch sind die Aufräum- und Instandstellungsarbeiten nicht beendet. Die Aufräumarbeiten dauern länger als zuerst angenommen. Gegen 16.00 Uhr begannen am Freitag die Bergungsarbeiten. Ein Kran versuchte die Wagen aufzurichten. In Rafz ZH sind am Freitagmorgen zwei Züge kollidiert. Gemäss der Kantonspolizei Zürich wurden beim Unglück sechs Personen verletzt, eine davon schwer. Beim Schwerverletzen handelt es sich laut der Kantonspolizei um den Lokführer des Schnellzugs. Er musste von der Feuerwehr aus der Führerkabine geschnitten werden. Die Kollision ereignete sich um 6.45 Uhr im Bahnhof Rafz. Ein Schnellzug rammte die S-Bahn an der Seite. Eine Zugskomposition entgleiste durch den Zusammenstoss. Einer der Züge kam auf einer Brücke zum Stehen. Die Strasse musste zwischenzeitlich grossräumig abgesperrt werden, da der Zug drohte von der Überführung zu kippen. Wie es zum Unglück kam, ist bisher noch unklar. Gemäss der SBB sind auf der viel befahrenen Strecke modernste Signalanlagen installiert. Mehrere Polizei- und Krankenwagen waren im Einsatz. Auch die Feuerwehr war mit einem grossen Aufgebot vor Ort. Ambulanzen aus der ganzen Region wurden aufgeboten. Mehrere Rettungshelikopter waren im Einsatz. Auf der Strecke muss mit Verspätungen, Zugausfällen und Umleitungen gerechnet werden, wie die SBB mitteilt. Die Störung dürfte bis Betriebsschluss anhalten.

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Das Zugunglück in Rafz ZH vor einer Woche ist auf das Überfahren eines Signals zurückzuführen. Das gab die SBB am Freitag bekannt. Beim Unglück waren sechs Personen verletzt worden, eine davon schwer.

Die S-Bahn in Richtung Schaffhausen fuhr vergangenen Freitag um 6.40 Uhr trotz geschlossenem Signal los, wie die SBB schreibt. Zwar wurde eine Zwangsbremsung am Signal ausgelöst, doch die S-Bahn war zu diesem Zeitpunkt bereits mit 59 km/h unterwegs und kam erst knapp 100 Meter nach dem Signal zum Stillstand. Sie ragte leicht ins Lichtprofil des benachbarten Gleises, wie die SBB schreibt.

Auf diesem Gleis nahte Sekunden später ein Interregio von Zürich her mit Tempo 110 km/h. Es kam zu einer seitlichen Kollision zwischen den beiden Zügen, bei welcher der Interregio entgleiste. Auch die S-Bahn wurde beschädigt.

Auf durchfahrende Züge ausgerichtet

Der Bahnhof Rafz verfüge über moderne Sicherungsanlagen, schreibt die SBB. Nach ersten Erkenntnissen hätten die Sicherheitseinrichtungen auch einwandfrei funktioniert. Die Abfahrverhinderung sei jedoch auf durchfahrende Züge ausgerichtet - die S-Bahn aber hatte gewendet und sei deshalb von der Zugbeeinflussung nicht gebremst worden.

Zusätzliche Sicherungskomponenten seien nur vorgesehen, wenn im Wochendurchschnitt mindestens ein Zug pro Tag wende, schreibt die SBB. Das sei in Rafz Richtung Schaffhausen jedoch nicht der Fall.

Gemäss SBB würde das moderne ETCS-System Level 2 sicherstellen, dass irrtümliche Abfahrten nach dem Wenden technisch unmöglich sind. Die netzweite Einführung dieses Systems ist für 2025 geplant. Derzeit werde geprüft, ob diese beschleunigt werden könne, teilte die SBB mit.

Als kurzfristige Vorsichtsmassnahme müssen Züge, die gewendet haben, bis auf weiteres langsamer fahren: Sie dürfen bis zum ersten Signal höchstens 40 km/h erreichen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, «dass bei Situationen wie in Rafz der Zug noch vor dem Gefahrenpunkt gestoppt werden kann», wie die SBB schreibt.

Lokführer ausser Lebensgefahr

Beim Unglück in Rafz war der 49-jährige Lokführer des Interregio schwer verletzt worden. Wie die SBB am Freitag mitteilte, ist er nach einer Operation ausser Lebensgefahr.

Der Lokführeranwärter, der ebenfalls im Interregio gewesen war, kann das Spital voraussichtlich in den nächsten Tagen verlassen. Auch vier Passagiere waren bei der Kollision leicht verletzt worden. Der Sachschaden an den beiden Zügen beträgt nach Angaben der SBB gemäss ersten Schätzungen «mehrere Millionen Franken».

In beiden Zügen waren zum Zeitpunkt des Unfalls gerade Lokführer-Aspiranten ausgebildet worden. Die SBB machte in ihrer Medienmitteilung vom Freitag keine Angaben dazu, ob in den beiden Zügen gerade die Aspiranten am Steuer waren oder die Ausbildungslokführer.

(num/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon am 27.02.2015 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Experten

    Und schon kommen die ganzen Experten hier in den Kommentatoren wieder hervorgekrochen. Man könnte meinen die Schweiz besteht nur noch aus Besserwissern und Motzern. Traurig.

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  • motzer am 27.02.2015 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer mehr

    Immer schneller, immer bequemer, immer mehr. Entweder wollen wir das und leben mit den Folgen ohne zu motzen oder wir fahren unsere Wünsche einmal etwas zurück und leben etwas einfacher und geben uns mit etwas weniger zufrieden.

  • zugfahrer am 27.02.2015 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wie meistens

    Und? Menschliches Versagen wie meistens. Signal überfahen .... Ende der Durchsage!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beni78 am 01.03.2015 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entzug der Lizenz einen Zug führen zu dürfen

    Diesen Beteiligten Lokführern sollte die Lizenz einen Zug zu führen für immer entzogen werden, denn hier geht es um Menschenleben!!! Und leider gottes haben Sie gröber versagt. Ende und Punkt kein wenn und aber

  • K.D. am 28.02.2015 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    häuchlerei.....

    Aus eigener Erfahrung weis ich das der Rückhalt der SBB gegenüber dem Lokführer, nur in den Medien proklamiert wird. Der arme Mann wird ganz alleine für sein Handeln zur Verantwortung gezogen.

    • ein Lokführer am 28.02.2015 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      auf den Punkt

      traurig aber wahr...

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  • ZSS/ZUB am 28.02.2015 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt verstehe ich wieder

    SBB lockert Sicherheitsvorschriften September 2010 Was nützt ein ZUB, wenn es vom Lokführer manuel deaktiviert werden kann? Das vorhandene ZUB kann bei Störungsmeldungen einfach deaktiviert werden, und der Lokführer darf auf eigene Verantwortung den Zug , in Anbetracht der Visuellen Wahrnehmung, der Signale ( bei Nebel wirds schwierig),noch 12 Std. lang bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h weiterfahren. Für alle Laien und "Blinden Passgiere"empfehle ich zu googeln;SBB lockert Vorschriften!!!!!!! Zum Glück bei der Swiss nicht möglich, danke dem Pilot BK-ZH7.02.15. Flug 181/4hVerspätung

  • Richard am 28.02.2015 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ampel

    Das Problem ist doch, dass die rote Ampel auf der falschen Seite steht!! Schaut euch doch mal die Situation an! Zum Glück hoffe ich nur in Rafz? Da muss der Lokführer gut sein!

  • NemeCro am 28.02.2015 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pffff

    aber Hauptsache jedes Jahr teurer werden. Abzockerverein SBB