Personalmangel

04. Juni 2019 10:43; Akt: 04.06.2019 10:43 Print

Weil Lokführer fehlen, lässt SBB Züge ausfallen

Bei der SBB soll akuter Personalmangel herrschen. Laut Lokführer Hubert Giger muss der Beruf wieder attraktiver werden.

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Die SBB soll mit einem akuten Personalmangel zu kämpfen haben. Deswegen seien letzte Woche zahlreiche Züge ausgefallen. Laut SBB-Sprecher Reto Schärli seien für die Situation am letzten Mittwoch die vielen Baustellen sowie Zusatzzüge verantwortlich gewesen. Er räumt aber auch Fehler ein: «Der daraus entstandene Mehrbedarf an Lokführern war bei der Planung unterschätzt worden.» Zurzeit habe man die Situation wieder im Griff. Schärli ist sich sicher: «Die Zusatzzüge an Pfingsten sind gesichert.» Auf der Nord-Süd-Achse erwartet die SBB am Pfingstwochenende ein erhöhtes Passagieraufkommen. Wer sein Velo mitnehmen will, braucht gegebenenfalls eine Reservation. Auch das Verladen der Velos ist möglich. Sie werden jeweils zwischen der Lok und der 1. Klasse im Wagen verstaut. Nicht nur an Feiertagen, auch an Werktagen kann es auf der Nord-Süd-Achse eng werden im Zug. So etwa im Juli 2017: Am Bahnhof Arth-Goldau mussten Dutzende Passagiere den überfüllten Zug wieder verlassen. Da habe es mehr und weniger Verständnis gegeben, sagt ein 20-Minuten-Leser: «Von Emotionslosigkeit bis Wut habe ich alles gesehen.» Gegen 11.30 Uhr habe die Fahrt in den Süden dann losgehen können. Der Leser selber wartete auf die nächste Verbindung um 11.50 Uhr: «Dort konnten dann alle einsteigen, Sitzplätze gab es aber auch da keine mehr.» Weitere Beispiele: Der Zug von Lugano nach Zürich war am Montag, 1. Mai 2017, um 19.40 Uhr komplett überfüllt. Die Leute sassen in den Gängen. Selbst in der ersten Klasse war alles voll. Die SBB entschuldigte sich und verwies auf alternative Verbindungen. Seit der Inbetriebnahme des neuen Gotthardtunnels hat das Passagieraufkommen um 30 Prozent zugenommen. Auch an Ostern 2017 gab es Platznot, wie dieses Leserbild zeigt. Der Zugbegleiter musste über die Köpfe der Passagiere hinwegsteigen. Einige Passagiere hatten zum Glück eigene Sitzgelegenheiten dabei. Auch auf der Strasse besteht Staugefahr, insbesondere vor dem Gotthard. Viasuisse veranschaulicht in einer Tabelle, wann mit dem meisten Verkehr gerechnet wird. Eine Karte zeigt, wo es zu Engpässen kommen kann.

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Verspätete und überfüllte Züge sowie zahlreiche Zugausfälle ärgern seit Wochen die Pendler. So auch letzten Mittwoch in der Region Zürich/Aargau: Wie der «Blick» schreibt, fuhren morgens und abends Züge der S-Bahn-Linien S19 und S42 nicht. Insgesamt seien 25 Verbindungen betroffen gewesen. Dafür verantwortlich soll ein akuter Lokführer-Mangel bei der SBB sein.

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Baustellen und Zusatzzüge verantwortlich

Laut SBB-Sprecher Reto Schärli seien für diese Situation die vielen Baustellen sowie Zusatzzüge vor Auffahrt schuld gewesen. Er räumt aber auch Fehler ein: «Der daraus entstandene Mehrbedarf an Lokführern war bei der Planung unterschätzt worden.» Zurzeit habe man die Situation wieder im Griff. Schärli ist sich sicher: «Die Zusatzzüge an Pfingsten sind gesichert.»

Dass es schwierig sei, neue Lokführer zu rekrutieren, sei aber nicht neu: «Ja, wir machen die Erfahrung, dass jüngere Generationen weniger motiviert sind, den Beruf des Lokführers zu erlernen.» Dabei habe der Beruf durchaus Zukunft. «Es ist nicht geplant, Lokführer durch Computer zu ersetzen.»

«Das schreckt viele ab»

Für Hubert Giger (50), seit 29 Jahren Lokführer bei der SBB und Präsident des Verbandes Schweizer Lokomotivführer, liegt das Problem in der immer grösser werdenden Belastung sowie den strengen Arbeitszeiten. «Der Dienstplan wechselt öfter und sehr kurzfristig.»

Kurzeinsätze mitten in der Nacht, die erst am Vortag kommuniziert werden, seien dabei keine Seltenheit. Laut Giger schrecke das viele ab. Er fordert deshalb: «Unser Beruf muss wieder attraktiver werden. Dann gibt es auch wieder mehr Junge, die Lokführer werden wollen.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lokführer SBB am 04.06.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Akuter Lokführermangel

    Man weiss ja erst seit gestern dass hunderte Lokführer vor der Pension stehen oder bereits pensioniert sind. Der riesige Wasserkopf der SBB hat es schlicht verpennt rechtzeitig Leute zu suchen und auszubilden. Lieber ein paar hundert Büroplätze neu erschaffen...

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  • Basler am 04.06.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ehrlich

    Egal was die Ausrede ist, wirklich verantwortlich ist das SBB Management!

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  • Lokführer SBB am 04.06.2019 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld...

    ...der LF geht alle 5 Jahre an seine Abschlussprüfung, und diese ist sehr happig. Fällt er durch gibts die Kündigung! Vorbereitung gibts von den SBB keine. Lernt alles in der Freizeit. Auch werden alle Fehler zuerst beim LP gesucht. Die Wertschätzung geht dahin, "der LF hat ein easy Job, ist unterfordert, darum können wir ja locker vom LP noch mehr fordern!"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 04.06.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manager?

    Die gebeutelte SBB tut mir richtig leid. Zuerst Werbung gegen Autos und für Bahn. Wenn die Kunden kommen, vermag man sie nicht zu handeln nd das Rollmaterial ist plötzlich marode. Obs wohl eher an Mgmt nd Planung liegt, resp am Fehlen derselben?

  • Nationless am 04.06.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lokführerausbildung für Pendler

    Wie wäre es GA Besitzer als Lokführer auszubilden, welche dann bei ausfallenden Zügen sich als einspringende Kraft mit der Lokführer Ausbildung melden können um seine Mitpendler zur Arbeit oder nach Hause fahren könnte. Immerhin ist man bei der SBB etwas weiter wo kein Dresscode wie bei städtischen Verkehrsbetrieben herrscht und auch der Stress durch den Stadtverkehr wegfällt.

  • Andy Honegger am 04.06.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Der Spruch ist auch in den Chefetagen angekommen, und beim "Fussvolk" kann man ja sparen in dem man die Truppe klein und den Lohn tief hält. Hauptsache die Chefposten werden nicht abgebaut und ihre Löhne steigen weiterhin überproportional.

  • Schnägg am 04.06.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer wieder

    für das rumstehen & weiterrennen von Perron zu Perron, wird desshalb mal wieder der preis erhöht! immer wieder die gleiche Leier, mal das Schienennetz, dann die Züge, und wieder das Personal. mich nimmt ja schon wunder wer da die Verantwortung trägt!

  • Löwe aus Winti am 04.06.2019 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern auf hohem Niveau

    Viele Lokführer ersticken fast vor lauter Selbstmitleid. Sie jammern wie Lehrer oder Bauern und sehen nicht, dass andere Leute auch streng arbeiten. Andere wiederum haben Freude an ihrem Job und erfüllen ihren Dienst auf dem Führerstand mit Stolz. Welchen von beiden hätten Sie lieber vorne auf der Loki?