Nach Zwischenfällen

09. Januar 2020 10:01; Akt: 09.01.2020 10:01 Print

SBB-Mitarbeiter können fiktive Namen tragen

Zugbegleiter fordern die Abschaffung der Namensschilder. Immer wieder soll es zu brenzligen Situationen gekommen sein. Die SBB bietet zum Schutz falsche Namen an.

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«Es kommt schweizweit immer wieder zu verbalen Angriffen gegen das Zugpersonal. Uns wurden mehrere Aussagen wie ‹Ich kenne deinen Namen. Ich weiss, wo du wohnst›, gemeldet», sagt Werner Rüegg, Regionalsekretär der Service-public-Gewerkschaft Transfair. Diese will die Namensschilder nun abschaffen. «Es ist ein Leichtes, online den Namen zu googeln und so an private Informationen zu kommen», so Rüegg. Seine Kollegin Gerardina Furlani kennt bereits solche Fälle: «Mir sind mehrere Vorfälle bekannt, in denen Zugbegleiter von wütenden Kunden über Social Media gestalkt wurden. Einmal stand sogar ein Kunde vor der Haustür der Mitarbeiterin.»

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Was halten Sie von den Namensschildern des SBB-Zugpersonals?

Doch nicht nur Zugbegleiterinnen werden durch das Namensschild angreifbar. Furlani berichtet auch von einem Zugchef, der deswegen schon mehrmals negative Erfahrungen gemacht habe. «Wenn er Betrunkene am Perron sieht, nimmt er sein Namensschild ab. Zu gross ist die Angst, im Zug deswegen angegangen oder nachher belästigt zu werden.»

Personalnummer mit Berufsbezeichnung statt Namen

Gefordert wird nun, dass die persönlichen Namensschilder durch neutrale ersetzt werden. In der Realität heisst das: «Die Zugbegleiter wollen statt ihres Namens nur noch ihre Personalnummer mit ihrer genaue Berufsbezeichnung auf der Tafel haben», erklärt Rüegg. Laut ihm wäre durch die Personalnummer eine Beschwerde genauso möglich wie mit dem vollem Namen.

Die SBB lehnt die Forderung ab: «Die SBB ist überzeugt, dass eine persönliche Betreuung der Fahrgäste einen wichtigen Beitrag zur positiven Kundenwahrnehmung leistet. Dazu gehört auch ein persönliches Namensschild mit Initiale, Nachnamen und Berufsbezeichnung», so Mediensprecher Raffael Hirt. Deswegen habe man besagte Petition abschlägig beantwortet.

Der Zugbegleiter heisst vielleicht anders als auf dem Schild

«Im Schnitt ereignen sich auf dem Netz der SBB alle zwei bis drei Tage ein Übergriff auf das Personal – dies bei täglich 1,26 Millionen Reisenden», so Hirt. Transfair befürchtet jedoch, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. «Viele glauben nicht an den Gang zur Meldestelle und behalten den Vorfall für sich», sagt Rüegg.

Obwohl die Sicherheitslage in den letzten Jahren laut Hirt stabil blieb, sind einzelne Fälle «tendenziell gröber» geworden. «Seit einigen Jahren können Mitarbeitende, die negative Erfahrungen gemacht haben, ein Namensschild mit einem fiktiven Namen beantragen», erklärt Hirt. So würde das Unternehmen den Schutz der Mitarbeiter sichern.

Die SBB verurteilt jede Art von Übergriffen: «Jeder Übergriff wird wird konsequent zur Anzeige gebracht. Die einzige Ausnahme ist, wenn die betroffene Person das nicht möchte.» Hirt betont jedoch, dass SBB-Bahnhöfe und -Züge seit jeher zu den sichersten Bereichen im öffentlichen Raum gehören würden.


Tragen Sie im Job ebenfalls ein Namensschild? Haben Sie in Ihrem Beruf deshalb auch schon schwierige Situationen erlebt? Wurden Sie von Kunden gestalkt oder gar bedroht? Was halten Sie von den neutralen Ansteckern? Berichten Sie uns davon.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CS am 09.01.2020 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich...

    was die Zugbegleiter alles ertragen müssen, nur weil sie ihren Job machen. Was ist das für eine Gesellschaft!!!

    einklappen einklappen
  • Brumm Bär am 09.01.2020 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Schützt unser Zugpersonal im heute leider respektlosen Zeitalter!

    einklappen einklappen
  • der Mann, der einen Hut trägt am 09.01.2020 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    Finde ich gar keine schlechte Idee!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Janika am 29.01.2020 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kompromisse

    Eine Personalnummer ist nicht so einfach zu merken wie ein Name, darum finde ich das nicht gut. Ich verstehe aber hingegen auch, dass sich das Personal unwohl fühlt. Finde darum fiktive INDIVIDUELLE Namensschilder passend. So kann man das Personal direkt ansprechen und ggf. auch darüber beschwehren jedoch sind sie dann vor privaten Angriffen geschützt.

  • Fahrgast am 10.01.2020 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Trickbetrüger

    Bei Kontrollen will ich immer den Ausweis sehen. Die Typen sehen manchmal aus wie abgehalfterte Türsteher und Trickbetrüger. Dann wird da etwas am Billet gemäkelt und zack ein paar Scheine auf die Hand?

  • Thomas am 10.01.2020 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    SBB kundenunfreundlich

    Eine bessere Schulung des Personals würde sicher viel helfen. Oft sind die Kontrolleure unfreundlich oder wie schon beobachtet schikanös gegenüber Bahnkunden. Im Grunde ist das Ticketsystem mit Kontrolleuren veraltet und abzuschaffen.

  • Bähnler am 10.01.2020 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Die SBB hört nicht...

    ...auf das Personal. Macht oft das Gegenteil was das Personal möchte. Der Chef befiehlt. Lokführer A darf nicht wissen, was Lokführer B arbeitet, Datenschutz. Nur wer am gleichen Zug arbeitet, darf das beteiligte Personal kennen. SBB oft stur. Mit der Zeit, den Jahren kommt Erkenntnis. Träge. Zugbegleiter Schild: Vorname, Anfangsbuchstaben. Name, in der Regel ganzer Name. Zugbegleiter Bruno musste sterben, weil SBB nicht auf Spezialisten hörte. Meyers Spar Fit Programm hatte Vorrang. Die Führung muss dann bei ihrem sturen Verhalten, Versagen auch den eigenen Kopf hinhalten. Bombardier usw.

  • Nicht viel Zugfahrer am 10.01.2020 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schulter-Kamera

    Die Zugskontolleure sollten Schulterkameras tragen, die im Notfall mit einem Knopfdruck die Kamera eingeschaltet werden kann und direkt in die Zentrale der Bahnpolizei oder Polizei gesendet wird, weil dann wenn diese Leute könnten ja die Kamera von der Schulter reissen und so hat man das Gesicht und kann so ermittelt werden. Der Respekt wäre grösser.