Zu wenig Techniker

06. Juli 2015 11:35; Akt: 07.07.2015 15:55 Print

SBB-Störungen – Pendler müssen sich weiter ärgern

Aufgrund des Spardrucks fehlen den SBB kompetente Techniker. Deshalb dauert es oft lange, bis Störungen behoben werden können. Jetzt wird Kritik laut.

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Für Pendler ist die rote Anzeige oft schon wie ein rotes Tuch. Nun zeigt sich: Störungen könnten mit mehr Personal viel schneller behoben werden. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Stellwerkstörungen, Fahrleitungsstörungen, Stromausfall – bei solchen Stichwörtern beginnen die Köpfe der Pendler meist schon zu rauchen. Sie verheissen meist langes Warten und umständliches Reisen. Nun zeigt sich, dass der Personalmangel das Problem noch verschärft. Die SBB haben schlicht zu wenig kompetente Techniker, die im Fall einer Störung rasch vor Ort sein und das Problem innert kürzester Frist beheben können.

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) hat nun genug. Auslöser ihrer Kritik ist die Panne in der Westschweiz vom vergangenen Freitag. Auf der Linie Lausanne–Genf kam es zu einer Fahrleitungsstörung, die den Zugbetrieb bis nach Zürich über mehrere Stunden beeinträchtigte.

Die SBB schieben die Ursache für solche Probleme auf die Verkehrsdichte im Schienennetz, die in der Schweiz höher ist als je zuvor. Doch der SEV sieht den Kern woanders: Die SBB hätten ihr technisches Personal zentralisiert, weshalb sie nicht schnell genug reagieren könnten. «Vor dem Jahr 2000 war das Wartungspersonal viel näher an den Bahnhöfen stationiert», sagt SEV-Sprecher Peter Moor-Trevisan zum «Matin Dimanche». Dem sei heute nicht mehr so. Doch mit der zusätzlichen Wegzeit zur Störung verlängere sich auch die Wartezeit für die Bahnkunden.

Hinzu komme, dass ein Spezialist bei einem Einsatz erst die Erklärung abgeben müsse, dass die Strecke nicht mehr unter Hochspannung stehe. Und diese Spezialisten sind ebenfalls Mangelware. «Für die Genferseeregion gibt es etwa zwei oder drei, die eine solche Erlaubnis erteilen können», so Moor-Trevisan. Deshalb daure die Behebung einer Störung manchmal ausserordentlich lange.

Die SEV habe bereits «wiederholt» versucht, die SBB dazu zu bewegen, personaltechnisch eine andere Richtung einzuschlagen. Ohne Erfolg. Die SBB würden in dieser Sache wirtschaftlich denken. Moor-Trevisan: «Es ist klar erkennbar, dass sie überhaupt keine Absicht haben, etwas zu ändern.»


(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani D am 06.07.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Egal. Hauptsache der Chefohn stimmt

    Aber der Chef hat mehr Lohn. Man muss Prioritäten setzen. (Achtung: Ironie gesichtet)

  • Na toll am 06.07.2015 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    Klar, aber gabz oben verdient der Herr 1 Million (und dann eh mehr), aber weil die SBB sich dies halt leisten kann und dann noch von den Autofahrern Zahlungen bekommen, muss man sich nicht um solche Dinge kümmern. Ist mal an der Zeit...

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  • Tldr am 06.07.2015 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenfassend

    SBB muss sparen, Service verschlechtert und Ticketpreise erhöhen sich. Jo super..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ton ton am 07.07.2015 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftliches Denken?

    1 Meyer == 10 Spezialisten = 20 Gleisarbeiter. Wenn die SBB wirtschaftlich denken würde, würde sie nicht so viel Geld einer einzigen Person zuschieben, die im Ernstfall nur reden kann, aber nichts weiter ausrichtet.

  • Zweifler am 07.07.2015 01:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guet Nacht

    Aufgrund des Spardruckes?? Die SBB haben die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres um 5,7 % erhöht, von 30977 auf 32730 Mitarbeiter! Im Konzernbereich von 2871 auf 4279 MA! Eine Erhöhung um 49%! Und in der Konzernleitung sind keine Niedriglöhne! Ergo: Muss man bei den MA sparen, die den Betrieb aufrecht erhalten. Und alle Politiker schauen zu, solange sie an diesem System partizipieren können! Guet Nacht Schweiz !!

    • Seher am 07.07.2015 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      That's it - deutliche Zahlen

      Dies trifft den Nagel auf den Kopf, sogar den Wasserkopf, der laufend noch mehr aufgebläht wird und letztendlich die Arbeitenden mit ihrem administrativen Quatsch noch zusätzlich in ihrer Arbeit behindern.

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  • N.J. am 06.07.2015 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle mal an die eigene Nase fassen

    Bei den meisten Kommentaren wird mir einfach nur schlecht.Ich arbeite bei der SBB, und hab 1 Woche/Monat interventionsbereitschaft. In Maximum 45 Minuten bin ich in unserem Gebiet am Einsatzort. Von Mega grossen Löhnen weiss ich nichts und diese Löhne gibt es nicht!!! Klar das in Chefetagen die Löhne hoch sind und das ist wohl in jeder Firma so... Wenn in anderen Firmen Fehler passieren die ihr macht egal ob technisch oder nicht hat die Auswirkungen..alles was bei der Sbb passiert landet in den Medien und wird diskutiert. Wie wäre das für euch in eurer Firma ständig so was zu lesen Nachdenken!

  • Ehemaliger SBB-Ingenieur am 06.07.2015 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Welter

    Ich habe in der SBB als Ingenieur gearbeitet. Ich kenne also den Laden sehr gut. Der Grad an fachlicher Inkompetenz in den Führungsetagen ist schlicht erschreckend. Die ganze Steuerung des Unternehmens basiert auf Kennzahlen, an die auch die Boni gekoppelt sind. Andreas Meyer erhält zum Beispiel fast 0.5 Mio als variablen Bonus. Da die Boni an die Kennzahlen gekoppelt sind, werden die Kennzahlen entsprechend zurechtgebogen. Nun versucht die SBB bei der Bevölkerung besser anzukommen und startet eine Charme-Offensive. Im letzten Jahr war die Kundenzufriedenheit besser, darum gab es mehr Bonus...

    • AKR Bern am 07.07.2015 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geschäftsleitung hat keine Ahnung

      Dieses Problem ist nicht nur bei der SBB. Bei den heutigen Grossfirmen ist die Geschäftsleitung nicht vom Fach. Das Fussfolk muss es richten.

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  • Tom am 06.07.2015 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor 20 Jahren 10 Techniker für 12 Bahnhöfen, heute

    Wie im Titel beschrieben, betreut ein Innenanlageteam für,die Sicherheitsanlagen viel mehr Stellwerke, dies gibt auch Flächenmässig ein viel grösseres Betreuungsfeld mit viel längeren Anfahrzeiten. Was vor 20 Jahren in 30 Min zu erreichen ist, kann heute über eine Stunde dauern. Die vielfalt der Technik bei 40 Stationen ist zudem wesentlich komplexer als nur bei 10 Stationen. Sie können sich selber ihrem Meinung bilden und sich bewerben als Techniker. Lieben sie Nacht-, Pikett-, Sonntag- und Schichtdienst zu einem normalen Elektrikerlohn sind sie genau unser Mann.