Nach Unfällen

25. März 2020 19:36; Akt: 25.03.2020 19:36 Print

SBB geht Türproblem mit weicheren Gummis an

Die SBB will Probleme mit Zugtüren in den Griff kriegen. Nachdem sie kürzlich Gummiprofile bei Türen ersetzte, werden diese bereits wieder ausgetauscht.

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Die SBB sollen zusätzliche Massnahmen ergreifen, damit sich Passagiere nicht mehr die Hand in der Zugtür einklemmen können. Das empfiehlt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). Bei 150 Türen sollen kürzlich ersetzte Gummiprofile bereits wieder ersetzt werden. An den Türen werden weichere Gummis angebracht. Dies, nachdem es bei der SBB zu Vorfällen mit eingeklemmten Personen gekommen war. Anfang März hat im Bahnhof Bern hat ein SBB-Passagier seine Hand in einer schliessenden Zugtür eingeklemmt. Danach rannte er laut Angaben des Bahnunternehmens rund 45 Meter mit dem losfahrenden Zug mit, ehe er seine Finger aus der Türe befreien konnte. Der Mann erlitt eine Prellung an den Fingern. Anfang August 2019 war ein Zugbegleiter der SBB bei einem Unfall mit einer defekten Wagentür ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich am Bahnhof Baden. Der Mann wurde bei der Abfertigung eines Interregios tödlich verletzt. SBB-Sprecher Raffael Hirt sagte damals zu 20 Minuten: «Der Vorfall trifft die gesamte SBB sehr und verpflichtet uns weiter, bei der Sicherheit keine Kompromisse einzugehen. Wir sprechen der Trauerfamilie unser tief empfundenes Beileid aus und wünschen den Angehörigen viel Kraft in diesen schweren Stunden.» Die SBB hatte unabhängig von den kommenden Untersuchungsergebnissen entschieden, die Abfertigungsprozesse sofort zu überprüfen. Nach dem tödlichen Zugunfall hatte die Sust den Einklemmschutz am betroffenen Zug überprüft. Dabei stellte sie eine lose Verbindung beim Einklemmschutz fest. Die Sust kritisierte eine Parallelschaltung von zwei Türendschaltern.

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Die SBB soll zusätzliche Massnahmen ergreifen, damit sich Passagiere nicht mehr die Hand in der Zugtür einklemmen können. Das empfiehlt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust).

Zum einen soll der bereits laufende Ersatz des Türsystems nicht nur die Einheitswagen IV betreffen; auch Eurocity- und Intercity-Wagen bräuchten ein besseres System. Zum anderen sollen bei 150 Türen die kürzlich eingesetzten Gummis schon wieder ersetzt werden: Sie sind zu hart, was das Herausziehen einer eingeklemmten Hand erschwert.

Austausch läuft bereits

Die SBB will den Sicherheitsempfehlungen nachkommen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Der Austausch der Gummiprofile sei bereits im Gang. Zudem werde geprüft, wie sich der Ersatz des Türsystems auf die betroffenen Eurocity- und Intercity-Wagen ausweiten lasse. Bei den Einheitswagen IV wird das System bekanntlich bis 2023 ersetzt.

Das Problem beschäftigt die SBB seit Monaten. Anfang August 2019 war ein Zugbegleiter bei einem Unfall mit einer defekten Wagentür ums Leben gekommen. Die SBB hat die damals vom Bund verfügten Auflagen inzwischen erfüllt und arbeitet nach eigenen Angaben noch an weiteren Massnahmen.

Mann rannte 45 Meter neben Zug mit

Am 1. März kam es zu einem weiteren Vorfall im Bahnhof Bern. Kurz nach 1 Uhr früh wollte ein Mann noch in den Intercity nach Interlaken einsteigen. Er versuchte, nach dem Achtungspfiff des Kundenbegleiters eine sich schliessende Türe mit der Hand aufzuhalten.

Doch die Türe öffnete sich nicht mehr. Die Türkontrolllampe zeigte dem Lokführer an, dass alle Einstiegstüren geschlossen seien. Als sich der Zug in Bewegung setzte, rannte der Reisende rund 45 Meter neben dem Zug her, ehe er sich selber befreien konnte. Der Mann erlitt eine Prellung an den Fingern.

Den Zwischenbericht zu diesem Vorfall veröffentlichte die Sust am Mittwoch. Bei der betroffenen Einstiegstür habe der Einklemmschutz nicht vorschriftsgemäss funktioniert. Laut Sust ist das Einklemmen einer Hand bei älteren Wagentypen konstruktionsbedingt bei jedem Schliessvorgang möglich. Deshalb empfiehlt sie ein anderes System.

Pfiff beachten

Die SBB prüft eine geeignete Lösung. Zugleich rief sie Reisende am Mittwoch erneut auf, keinesfalls nach dem Pfiff des Zugbegleiters eine sich schliessende Türe aufzuhalten.

Nachbesserungen braucht es zudem bei den Einklemmschutzgummis. Nach dem Unfall von Baden hatten 150 Türen bei den IC-Steuerwagen und Eurocity-Wagen ein neues Gummiprofil erhalten – auch die Türe, die am 1. März dem Reisenden in Bern zum Verhängnis wurde. Die 150 Türen erhalten nun wieder weichere Gummis.

Von den Sicherheitsempfehlungen der Sust sind insgesamt hunderte von Wagen betroffen. Nach Angaben eines SBB-Sprechers geht es um 493 Einheitswagen IV, 232 Eurocity EC und 90 Steuerwagen IC-Bt4.

(sda)