Einheitswagen IV

19. August 2019 10:00; Akt: 19.08.2019 11:33 Print

SBB lagert Sanierung an Deutsche Bahn aus

von Stefan Ehrbar - Ab 2020 lässt die SBB knapp 100 ihrer Personenzugwagen in Deutschland erneuern. Politiker fordern nun strengere Regeln.

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Die Einheitswagen IV sind das Rückgrat des Fernverkehrs der SBB. Zum Teil sollen sie noch bis in die 2030er-Jahre im Einsatz stehen. 496 Stück stehen zurzeit im Einsatz. Seit 2017 wird knapp die Hälfte davon komplett überholt. 93 Wagen modernisiert die SBB aber nicht selbst. Den Auftrag dafür vergibt sie ins Ausland.

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Er geht an die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH, eine Tochter der Deutschen Bahn. Diese wird in ihren Werken in Wittenberge und Neumünster ab 2020 an 93 EW-IV-Wagen Arbeiten durchführen. Dabei geht es gemäss der Ausschreibung um die Beseitigung von Korrosionsschäden, die Erneuerung der Schutzbeschichtung, den Ersatz von Bodenbelägen und die Sanierung des Innenraums. Die Wagen erhalten neue Teppiche, teilweise werden auch Ablagetische und Sitzpolster ausgetauscht.

«Muss Ausnahme bleiben»

Die SBB begründet die Vergabe der Arbeiten ins Ausland damit, dass in der Schweiz nicht genügend Kapazität vorhanden sei. In der Politik sorgt die Vergabe für rote Köpfe. CVP-Nationalrat Martin Candinas sagt: «Staatsnahe Betriebe haben eine besondere Verpflichtung, in der Schweiz Leistungen einzukaufen und die Industrie zu unterstützen.»

Dass die SBB Leistungen ins Ausland vergebe, sehe er sehr kritisch. «Das muss eine Ausnahme bleiben. Es darf keine Strategie dahinterstehen, und es darf auch nicht aus Preisgründen geschehen.» Vergebe die SBB aus Sicherheitsgründen einen einzelnen Auftrag ins Ausland, könne das aber akzeptiert werden.

Verkennt die SBB das Risiko?

SP-Nationalrat Philipp Hadorn sagt, Vergaben ins Ausland seien eine Folge der bürgerlichen Mehrheit im Parlament. «Sie verweigert sich gesetzlichen Grundlagen, um ökologische und soziale Kriterien im Rahmen der Ausschreibungen fair zu berücksichtigen.» Gleichzeitig verkenne die SBB, dass inländische Anbieter oder eine Sanierung durch die SBB selbst bei Themen wie Qualität, Verfügbarkeit und Risiko besser abschneiden würden.

Es brauche nun neue Regeln, so Hadorn. Diese müssten allerdings berücksichtigen, dass keine internationalen Regelungen verletzt würden. «Der Bund hat als Eigner die Pflicht, nicht nur betriebswirtschaftliche Interessen, sondern auch Interessen der Volkswirtschaft, Beschäftigung sowie soziale, ökologische und Service-public-Interessen zu berücksichtigen.»

Ausschreibung ist Pflicht

SVP-Nationalrat Thomas Hurter sagt, so lange es sich um sicherheitsrelevante Arbeiten handle, sehe er kein Problem bei einer Vergabe ins Ausland – auch wenn es besser wäre, diese würden in der Schweiz durchgeführt. «Wir schreiben solche Ausschreibungen immer sehr korrekt gemäss den WTO-Richtlinien aus», sagt er. «Es macht Sinn, diese Arbeiten so in Lose aufzuteilen, dass sie in die Schweiz vergeben werden können. Andere Länder machen das auch.»

Den grössten Teil der Sanierungsarbeiten an den EW IV führt die SBB selbst durch, 15 Wagen werden von der Firma Josef Meyer Rail AG in Rheinfelden saniert. Die externe Vergabe sei notwendig, weil bei der SBB die eigenen Werke und Anlagen aufgrund der vielen gleichzeitig laufenden Modernisierungen und Revisionen bereits stark ausgelastet seien, sagt Sprecherin Ottavia Masserini.

Keine Verbindung zu defekten Türen

Zwischen 2014 und 2024 investiere die SBB rund 1,5 Milliarden Franken in die Modernisierung ihrer Flotte. Diese Arbeiten würden zu 97 Prozent durch die SBB oder Firmen in der Schweiz durchgeführt. Über das finanzielle Volumen des EW-IV-Auftrags an die DB schweigt sich die SBB aus. Die Sanierung der 203 Wagen kostet insgesamt 90 Millionen Franken, der Auftrag dürfte sich deshalb in der Grössenordnung von etwa 40 Millionen Franken bewegen.

Die Sanierungsarbeiten stehen laut der SBB in keinem Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen, als ein Einklemmschutz versagte und den Zugbegleiter Bruno R. am 14. August tödlich verletzte.

Nach der Modernisierung in Deutschland führe die SBB in ihrem Werk in Olten eine plangemässe Revision der Drehgestelle und Klimaanlagen durch, so Masserini. Dabei würden auch die Türen nochmals überprüft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thesi am 19.08.2019 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sanierung SBB in Deutschland

    Der Normalverdiener sollte nicht im Ausland billiger einkaufen, aber bei der SBB geht das... Für mich unverständlich!!

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  • Jörg Frei am 19.08.2019 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    bravo aber wenn wir im ausland einkaufen wird ein riesen gschrei gemacht!!!

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  • T.R. am 19.08.2019 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Entscheidung

    Super ! Gerade an die deutsche Bahn !! Bei den funktioniert ja fast nix. Das ist als ob ein Lahmer von einem Blinden geführt werde. Generell sollten die Aufträge an Schweizer Firmen gehen. Es sind vor Allem die Einheimischen und die Schweizer Bevölkerung, die den Umsatz der SBB generieren. So nicht SBB !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H. Melzer am 20.08.2019 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem sagt SVP Nationalrat

    "SVP-Nationalrat Thomas Hurter sagt, so lange es sich um sicherheitsrelevante Arbeiten handle, sehe er kein Problem bei einer Vergabe ins Ausland..." Das sagt ein SVP Nationalrat!! Die Partei die immer behauptet die Schweiz würde bedroht aus dem Ausland (EU). Schon bemerkenswert wie europäisch die SVP sein kann, wenn es ums Geld geht. Die eigenen Arbeitsplätze scheinen hier nicht so wichtig zu sein. Irgendwie stimmt bei dieser Partei einiges nicht.

  • Beat Bachmann am 20.08.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    depots wurden geschlossen, nun das mit db.......

    ja, ja. ein depot nach dem anderen wurde von der sbb zwangsgeschlossen. viele arbeiter entlassen oder 100erte von kms umplatziert. nun sagt die sbb es fehle an kapazität. kapazität hatte es einmal genug; nur hat sich die sbb diese selber wegrationalisiert.

  • sbb abonementler am 20.08.2019 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen, wein trinken.

    Fantastisch! Jetzt gehen die Unterhaltskosten nach unten und die Billetts werden im Dezember billiger. Win-win!!

  • Hilft am 20.08.2019 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sooo

    Die SBB ihren Arbeitern..sie müssten sonst Überstunden machen..und das nächste herrjemine ist geboren?

  • Anna am 20.08.2019 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    wie bitte?

    "Da es sich um SICHERHEITSRELEVANTE Arbeiten handelt, ist die Vergabe ins Ausland kein Problem". Aha, die Sicherheit der eigenen Bevölkerung in ausländische Hände zu geben ist also kein Problem? Dann lese ich, der ganze Auftrag kostet 90Mio der Auftrag der DB 40Mio für 15 Wagons?

    • H.P.L am 20.08.2019 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Artikel Lesen

      Nein nicht 15 Wagons sondern 90 Wagons gehen an die DB 15 Wagons werden bei Josef Meier in Rheinfelden Revidiert

    • Anna am 20.08.2019 19:56 Report Diesen Beitrag melden

      @H.P.L

      ja sorry richtig. aber 90 von 248 und kostet trotzdem über die hälfte und das in einem land mit niedrigeren löhnen. geht doch auch nicht wirklich auf, oder?

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