Interne Weisung

13. August 2019 02:35; Akt: 13.08.2019 07:17 Print

SBB lassen defekte Züge weiterfahren

Sicherheitsmängel bei Zügen sind für die Bundesbahnen kein Grund, die Wagen von der Schiene zu nehmen. Das zeigen neue Dokumente.

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Eine Woche ist vergangen, seit ein Zugbegleiter in Baden tödlich verunglückt ist. Eine Türe war defekt. Die Betroffenheit unter den Bähnlern ist gross. Und sie erheben Vorwürfe, dass die Türen der betroffenen Einheitswagen IV immer wieder Probleme machen. Die Gewerkschaft fordert, dass die Züge von den Schienen genommen werden. Davon wollen die SBB nichts wissen.

Im Gegenteil: Erst kürzlich haben die Bundesbahnen eine neue interne Weisung herausgegeben, die der Redaktion Tamedia vorliegt. Darin heisst es, dass auch Fahrzeuge mit Schäden «an sicherheitsrelevanten Komponenten aus der Instandhaltung dem Betrieb übergeben werden». Die SBB lassen also wissentlich defekte Züge fahren.

Einklemmschutz versagt in Video

Das bedeutet im konkreten Fall vom Unfallzug in Baden: Hätte man im Vorfeld einen Defekt festgestellt, wäre die Türe verriegelt und ein Zettel mit einem Hinweis draufgeklebt worden. Im Einsatz wäre die Komposition aber trotzdem gestanden.

Bei den SBB heisst es, dies sei gängige Praxis, und diese habe man nun auch noch schriftlich festgehalten. Zudem: Das Vorgehen sei nur erlaubt, wenn der Mangel mittels anderweitiger Vorkehrungen nicht sicherheitsrelevant wird. Bedeutet etwa, dass der an sich defekte Zug langsamer fährt oder eine kaputte Scheibe mit einer Folie gesichert worden ist.

Derweil verbreitet sich in Bähnlerkreisen ein Video, das den SBB-Chefs nicht gefallen wird. Es zeigt, wie der Einklemmschutz beim Einheitswagen IV versagt. Ein Mitarbeiter testet die Türe am eigenen Leib. Er kann seinen eingeklemmten Arm erst befreien, als er die Türe manuell wieder öffnet.

(chk)