Nach Tod von Bruno R.

23. August 2019 08:42; Akt: 23.08.2019 11:07 Print

«Fehlerquote ist hoch», Bund rügt die SBB

Weil der Einklemmschutz eines Wagen defekt war, starb Zugbegleiter Bruno R. Nun reagiert der Bund. Er kritisiert die Abläufe der SBB.

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Zugbegleiter Bruno R. (54) starb, als er bei der Abfahrt eines Interregios am 4. August in Baden AG in einer Türe eines Wagen vom Typ EW IV eingeklemmt wurde. Er wurde mehrere hundert Meter mitgeschleift. Ein erster Zwischenbericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zeigt: Der sogenannte Einklemmschutz, der die Türe wieder hätte öffnen sollen, war defekt. Dem Lokführer wurde zudem fälschlicherweise angezeigt, die Türen seien geschlossen.

Die Sust stellte nach dem Unfall fest, dass eine lose Verbindung bei einem Druckwellenschalter zur Folge hatte, dass der Einklemmschutz nicht funktionierte. Mehr noch: Das System an sich sei nicht zuverlässig, so die Sust. Weil Sensoren nicht bei allen Türen am gleichen Ort angebracht seien, könne der Einklemmschutz seine Funktion gar nicht sicherstellen. Die Sust fordert, dass die SBB das System durch ein zuverlässiges ersetzt. Zudem müsse es so angepasst werden, dass der Lokführer den korrekten Zustand der Türen sieht. Fast 500 Wagen des Typs hat die SBB im Einsatz.

Erste Massnahmen bis Ende Oktober

Nun reagiert das Bundesamt für Verkehr (BAV). Es verlangt von der SBB, Massnahmen zu ergreifen, um die sichere Funktionsweise der Türen zu gewährleisten. Die Anzeige im Führerstand müsse bis Ende Oktober so angepasst werden, dass sie den korrekten Zustand anzeige. Mittelfristig müsse die SBB die Türsteuerung ersetzen. Bis Ende Oktober muss die SBB aufzeigen, wie sie das umzusetzen gedenkt. Zudem ordnet das BAV ein «umfassendes externes Audit» zu den Prozessen rund um die Prozesse bei der Instandhaltung an.

Die SBB hat nach Bekanntwerden des Zwischenberichts der Sust am Mittwoch bekanntgegeben, sie arbeite bereits an Massnahmen. Die Wagen des Typ EW IV könnten weiter sicher betrieben werden. Alle Wagen des Typs würden einer zusätzlichen Kontrolle unterzogen, zudem sei der Abfertigungsprozess überprüft und mit den Sozialpartnern diskutiert worden.

«Hohe Fehlerquote»

Die Fehlerquote bei den Sonderkontrollen der SBB sei hoch, hält das BAV fest. Das lasse den Schluss zu, dass in den Prozessen und bei der Arbeitsausführung Lücken bestehen könnten. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass diese auch in anderen Bereichen als der Instandhaltung der Türen bestehen.

«Es stellt sich die Frage, warum die SBB diese Mängel nicht im Rahmen der ordentlichen Instandhaltung und Kontrollen entdeckt hat», schreibt das BAV. Es verlangt deshalb, dass die Organisation und Abläufe beim Fahrzeugunterhalt durch ein externes Unternehmen überprüft werden. Zudem muss die SBB überprüfen, ob bei vergleichbaren Flotten, etwa den Eurocity-Wagen, ähnliche Risiken bestehen.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theo am 23.08.2019 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ergebnis jahrelangen Missmanagements

    Alles kein Problem, man hat ja mit Meyer den richtigen Mann an der Spitze. Da sind solche Dinge nur Randerscheinungen, was zählt ist sein Bonus.

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  • Cat Woman am 23.08.2019 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tut mir so leid

    Es tut mir unendlich leid um den Verstorbenen und seine Angehörigen. Leider ist nicht nur die SBB von Sparmassnahmen betroffen und das nur weil sich die kleine Spitze inkl. VR eine goldene Nase verdienen wollen... Da immer mehr Studierte direkt eingesetzt werden und nicht mehr von der Pike auf gelernt haben und dann auch nicht auf ihre Untergebenen hören, lässt sich so etwas nicht vermeiden... In der heutigen Welt geht es leider nur noch um das schnelle Geld und selten noch um die Menschlichkeit. Gegen einander ist wichtiger als miteinander. Die Arbeiter/Innen sind einfach nur noch Nummern.

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  • Konfrontator am 23.08.2019 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat ist Eigentümer

    Die Mängel und Sicherheitsbedenken sind seit den 90er Jahren bekannt-nur wurden dazumal Maulkörbe verpasst... Schon dazumal fehlte es an Zeit und Personal für die Sicherheit und die oberen Etagen wussten bestens Bescheid...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus48 am 23.08.2019 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar

    Waren diese Waggons schon in DE"testservice?

  • Goldi am 23.08.2019 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fehler auch beim Personal

    Der Schliessbefehl für die Türe kommt vom Zugbegleiter selber. Wenn er die Türe schliesst, solange er noch ausserhalb des Zuges steht, und dann z.B. versucht, die Türe mit der Hand offen zu halten, so entspricht das nicht den Sicherheitsvorgaben, welche er eigentlich zu beachten hätte. Der Unfall ist nicht alleine auf einen defekten Klemmschutz zurück zu führen, sondern dürfte mindestens zu gleichen Teilen auch die Folge von Handlungsfehlern des Personals sein. Für alles und jedes die SBB-Technik und Herr Meyer verantwortlich machen zu wollen, ist zu einfach! Das sage ich als Lokführer...

  • Malino am 23.08.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsbetriebe

    Alles was Gut war und auch funktionierte wurde Verkauft privatisiert. Diese Lobbysten könnten doch mal abklären. Wieviel mehr verdient wird wen mann das Bundeshaus auch verkauft

  • TEAM Toll ein anderer machts am 23.08.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selbst UNTERSUCHEN

    wieso durch externe Unternehmung untersuchen? Für was gibt es dieses Amt? Nur Bürokraten am Werk?

  • Captain Hindsight am 23.08.2019 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts vielleicht noch billiger?

    Das kommt davon, wenn man Bahnfahren zu billig anbietet und die finanziellen Lücken mit Subventionen stopft. Würde Bahnfahren den Benutzer so viel kosten, wie es kostet, wären 50% weniger Züge unterwegs und diese wären nicht überfüllt und in gutem Zustand.