SBB-Infrastruktur

20. März 2019 18:18; Akt: 20.03.2019 19:06 Print

Pendler müssen häufiger im Ersatzbus fahren

von Stefan Ehrbar - Weil der Rückstand bei der Infrastruktur weiter wächst, müssen Pendler mit mehr Bahnersatz, Umleitungen und Sperrungen rechnen.

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Pendler müssen sich auf mehr Fahrten im Ersatzbus und längere Fahrzeiten gefasst machen. Die SBB muss immer mehr Bau- und Erhaltungsarbeiten vornehmen und dafür Strecken sperren oder Umleitungen einrichten. Im Vergleich zum Jahr 2017 rechnet die SBB bis 2020 mit einer Zunahme von 25 Prozent solcher Arbeiten.

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Bereits letztes Jahr testete die SBB ein Konzept, das Totalsperrungen von verschiedenen Strecken während der Dauer der Bauarbeiten vorsieht. «Sommerfahrplan» lautete der Euphemismus, mit dem die Bahn dieses Konzept kommunikativ veredelte. Die Auswirkungen des Sommerfahrplans seien für die Kunden spürbar gewesen und die Information sei noch «verbesserungswürdig», räumt die Bahn ein.

«Es kommt zu mehr Bahnersatz»

Mit dem Konzept könne die Bahn effizienter und schneller bauen, argumentierten die Verantwortlichen. Deshalb wird das Konzept «mit längeren Sperren und Totalsperrungen auch auf hochbelasteten Strecken» weitergeführt, wie es im Jahresbericht der SBB-Infrastruktur zur Leistungsvereinbarung mit dem Bund heisst.

«Dadurch kommt es zu verstärktem Bahnersatz», steht es im Dokument. In diesem Jahr rechnet die SBB mit mehr zurückgelegten Kilometern, die wegen Sperrungen auf einer Umleitung oder im Ersatzbus gefahren werden müssen. Der entsprechende Wert dürfte in diesem Jahr drei Prozent höher liegen als im vergangenen Jahr, im nächsten Jahr ist nochmals eine Steigerung in Sicht.

Noch jahrelange Konsequenzen

Das liegt auch am Rückstand bei der Infrastruktur, den die SBB seit Jahren vor sich herschiebt und der auch im letzten Jahr wieder anwuchs. Ende 2018 betrug der Rückstand 5,5 Milliarden Franken – noch einmal 200 Millionen Franken mehr als im Jahr zuvor. Erst im Jahr 2020 rechnet die SBB mit einer Stagnation beim Rückstand, in den Jahren darauf könnte der Rückstand abgebaut werden.

«Die Konsequenzen des jahrelang vernachlässigten Unterhalts werden aber noch Jahre spürbar sein», heisst es im Lagebericht der Infrastruktur-Abteilung. Die Kategorie Fahrbahn erhält zurzeit nur die Note 3,3, wobei eine 1 die schlechteste und eine 5 die beste Note wäre. Die Gleise werden mit der Note 3,4 bewertet, weil seit 1995 zu wenig Substanzerhalt durchgeführt worden sei.

Totalsperrungen als Kompromiss

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagt, die Auswirkungen davon spüre insbesondere die SBB, weil sie erhöhten Bedarf an Erhaltungsarbeiten habe. Der Gesamtzustand der Infrastrukturanlagen sei im Vergleich zu 2017 stabil.

Bauarbeiten könnten kaum ohne Auswirkungen auf Reisende getätigt werden. Totalsperren seien ein Kompromiss, der zu ihren Gunsten ausfalle. Arbeiten könnten schneller ausgeführt werden, was den Baulärm minimiere, Reisende seien weniger lang beeinträchtigt, das Risiko für Störungen werde kleiner gehalten und solche Bauarbeiten seien in der Regel deutlich günstiger.

Projekte für bessere Information

Dieses Jahr seien solche etwa am Zugersee, zwischen Busswil und Büren und zwischen Wald und Rüti geplant. Letztes Jahr mussten 80'000 Trassen, also Fahrten zwischen zwei Orten, im Personen- und Gütverkehr durch Busse oder Umleitungen ersetzt werden. Dieses Jahr bewege sich die SBB ungefähr im gleichen Umfang, so Pallecchi.

Um die Kundeninformation zu verbessern, liefen zurzeit mehrere Projekte. Es gehe vor allem darum, die einheitliche, frühzeitige und proaktive Information auf allen Kanälen zu verbessern. Das betreffe etwa den Online-Fahrplan, die App, die Anzeiger oder die Lautsprecherdurchsagen im Zug und am Bahnhof.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.B. am 20.03.2019 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Ich versehe die Logik der SBB nicht, immer mehr Ausbauen, aber den Unterhalt vernachlässigen. Aber es passt zu der Billig-Mentalität unserer Bundesbahn. Immer weniger Service, wenn möglich, die Strecke nicht unterhalten, aber jedes Jahr die Ticketpreise erhöhen und in den Chefetagen die Differenz einsacken. Einfach eine schwache Leistung.

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  • Berner am 20.03.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Horror

    Ersatzbus - DER Pendlerhorror! Da stehe ich doch lieber im Stau.

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  • Ramona am 20.03.2019 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Die SBB macht Mobbing Man hat kein Personal und bittet um Überstunden Es ist tragisch Der Bund muss reagieren jetzt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Was wollen wir? Alles. am 21.03.2019 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wollen wir es ? Jetzt.

    Dank der Mentalität - alles oder nichts und zwar subito - kann jeder und jede seinen Frust auf die SBB umpolen. Selbst die Tatsache, dass Unterhaltsarbeiten 'nicht vom Himmel fallen', sondern noch - zu jeder Tageszeit - von Menschen durchgeführt werden, wird ignoriert. Wer sich ernsthaft über die tagtäglich erbrachten Leistungen der SBB nur aufregen kann+ muss, hat vermutlich das Glück nur innerhalb der CH pendeln zu müssen. Notabene auf Distanzen, die für andere einem Katzensprung gleichkommen.

  • MMSj am 21.03.2019 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Manche erhalten ein gratis retour ticket . "Schlepper von 26 Flüchtlingen gefasst" das Wochenende fängt gut an

  • Auro am 21.03.2019 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logij

    Was für eine Logik. Autofahrer stehen mehr im Stau.

  • Verantwortung wahrnehmen = Fehlanzeige am 21.03.2019 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Aufsichtsbehörde hat anderes zu tun

    Könnten diese Missstände nicht auch davon herrühren, dass es bei der Aufsichtsbehörde suboptimal läuft. Vielleicht ist beim entsprechenden Chefbeamten die Bahn ja nicht an erster Stelle?

    • Grischun am 21.03.2019 21:21 Report Diesen Beitrag melden

      Könnte sein

      Sie meinen das BAV? Tja, da hat der Chef schon eine Ader für Fernbusse und die BLS. Vielleicht sind aber die Gleise verlottert, weil er seinerzeit als Finanzchef bei SBB Infrastruktur zu viel gespart oder "geklemmt" hat?

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  • bischu busch am 21.03.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    probleme?

    In Hong Kong fahren einhundert jährige trams. Ohne probleme.

    • Tja am 21.03.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bischu busch

      Wartung ist das ein und oh.

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