SBB-Putzpersonal

09. April 2019 06:51; Akt: 09.04.2019 06:54 Print

«Manche müssen während der Arbeit erbrechen»

von S. Strittmatter - Mitarbeiter der SBB-Reinigung sind sauer, weil ein Lohnzuschlag für schwere Arbeiten wegfällt.

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Es geht um 1.45 Franken pro Stunde. Diesen Betrag bekamen Reinigungsmitarbeiter der SBB bis anhin zusätzlich zu ihrem Stundenlohn, wenn sie hässliche Zug-WCs reinigen oder Graffitis im Innern eines Wagen entfernen mussten. Seit Anfang Jahr wird diese «Arbeitserschwerniszulage» jedoch nicht mehr ausbezahlt.

Für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) ist das nicht tolerierbar: «Das Reinigungspersonal verdient ohnehin von allen Mitarbeitern am wenigsten. Die SBB spart hier also bei den tiefsten Einkommen», sagt Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni. Gemäss einem Bericht der SEV sparen die SBB mit dieser Neuregelung 200’000 Franken im Jahr. Betroffen seien 510 Personen mit einem Jahreseinkommen zwischen 42’000 und 62’000 Franken.

Der Gestank ist am schlimmsten

Eine davon ist C.L.*. Der 42-Jährige arbeitet seit bald zehn Jahren bei der SBB. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört das Putzen der Zugs-WCs. Diese seien in der Regel nicht arg verschmutzt, doch gebe es immer wieder Einzelfälle, die «krass» seien: «Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber manchmal ist alles voll Scheisse.» Insbesondere an Wochenenden finde er auch Kabinen voller Erbrochenem vor.

Die Putzarbeit erfolgt ohne Hilfsgeräte, «mit Handschuhen, Lumpen und viel Willensstärke», wie C.L. sagt. Das Schlimmste an dieser Arbeit sei der Gestank, es komme aber auch vor, dass ihn nach Feierabend Bilder von Fäkalien und Erbrochenem verfolgten. «Ich fühle mich dann nicht dreckig, aber irgendwie unwohl.» Er habe aber auch Kollegen, die weniger abgehärtet seien: «Manche müssen während der Putzarbeit selber erbrechen.»

«Ich weiss, dass das zu unserer Arbeit gehört», sagt C.L. Aber seit die kleine Zulage weggefallen sei, spüre er weniger Motivation im Team. Sein Kollege A.G.*, der seit drei Jahrzehnten bei der SBB angestellt ist, spricht von einer «Sauerei». Bei vielen seiner Kollegen entfallen nun rund 50 Franken pro Monat: «Für uns ist das ein grosser Betrag.»

Übergangslösung vorgesehen

Die SBB betont, dass per 1. 1. 2018 für die Funktion Cleaning das Lohnband angehoben wurde. Die Mitarbeiter in der untersten Lohngruppe seien dadurch in die nächsthöhere gerutscht. Zudem sei für das laufende Jahr eine Übergangslösung vorgesehen, für die mit den Sozialpartnern Gespräche geführt würden. Die Toiletten in den Zügen sauber zu halten, sei eine «Sisyphus-Aufgabe», die von den Cleaning-Mitarbeiter professionell erledigt werde.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G-Zero am 09.04.2019 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochachtung

    Ich habe grossen Respekt für diese Jobs. Gerade als regelmässiger ÖV-Fahrer sehe ich was für Schweinereien hinterlassen werden. Da wird definitiv beim falschen Personal gespart!

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  • Typhoeus am 09.04.2019 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dafür verschwendet

    die SBB lieber Geld für Kadermeetingausflüge nach Fernost.

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  • Hyradonis Vega am 09.04.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB geits no?!

    Die obersten sollten mal ein Jahr Züge putzen und man sollte vielleicht mal bei den Obersten ein Lohnkürzung durchziehen. Aber wir wissen alle, dass das nie geschehen wird...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kentaur am 14.04.2019 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zugsreinigung

    Dem kann ich nur zustimmen. Was würde wohl passieren, wenn sie die eh schon tiefen Löhne noch mehr senken? Dann würde wohl niemand mehr diese Arbeit erledigen wollen und die feinen Herren in Nadelstreifen-Anzügen müssten plötzlich die Arbeit selber erledigen. Wäre sicher ein guter Lern-Effekt

  • U.St am 10.04.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Zum ko...

    Da wird definitiv falschen Ort gespart! Mein Vorschlag ist dass die Chefeequippe der SBB mal eine Woche putzt und dann nochmals überlegt ob der Entscheid richtig war...

  • Oje Mi e am 10.04.2019 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Toilettenzugang nur mit Swisspass

    Das ist nun wirklich ein Armutszeugnis der SBB. Aber man sollte auch die Kunden zur Verantwortung ziehen und das geht nur übers Portemonnaie. Zugang zu den Toiletten nur mit SwissPass/Ticket. Und dann büssen.....

    • Fröschli am 11.04.2019 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Oje Mi e

      Ach ja, dann dürfen also nur diejenigen aufs Klo, die viel Zug fahren. Wir fahren nicht oft Zug und benötigen deshalb für die paar Fahrten im Jahr keinen Swisspass -> Pech gehabt, keine Klobenutzung erlaubt! Yeah.

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  • A.T. am 10.04.2019 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht normal

    Hallo... die SBB(Mitarbeiter) sind nicht die einzigen Mitarbeiter die ihre Angestellten zum " Erbrechen " bringt! Bei uns stinkt es auch gewaltig und es wird in die Duschen gek.....! Wir bekommen keine 50.- Fr. im Monat noch dazu

  • Sepp der 2. Klass - Fahrer am 10.04.2019 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt wäre Bahnchef Meyer gefragt

    Jetzt wäre Bahnchef Meyer gefragt um endlich Ordnung zu schaffen gegen diese Ungerechtigkeit!! Wo ist er?? Auf einer Weltreise oder an einem Chefbeamtenmeeting mit Kaviar etc.??