Preise und Abbau

20. Mai 2019 04:50; Akt: 20.05.2019 10:36 Print

SBB verliert Passagiere auf Ausland-Strecken

von Stefan Ehrbar - Die SBB hat 2018 auf internationalen Strecken Passagiere verloren. Nun hofft sie auf das grüne Gewissen – bis jetzt vergebens.

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Die SBB baut ihr internationales Angebot aus. TGV-Züge fahren ab Dezember häufiger nach Paris, ein Jahr später soll es neue Direktzüge nach Bologna und Genua geben. Die Offensive ist dringend nötig. Trotz den Diskussionen um den Klimawandel und der Bevölkerung, die immer häufiger verreist, hat die SBB im letzten Jahr Passagiere auf Zügen ins Ausland verloren.

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Die Verkehrsleistung im internationalen Personenverkehr nahm 2018 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent ab. Das zeigen neue Zahlen des Bundes. Einen deutlichen Rückgang gab es auf den Verbindungen nach Frankreich – nicht zuletzt wegen vieler Streiks. An 39 Tagen hatten die französischen Eisenbahner ihre Arbeit niedergelegt.

«Tickets sind zu teuer»

Auch auf Strecken nach Deutschland und Italien stagnierte die Bahn – im Gegensatz zum Flugverkehr. 2018 wurden ab Schweizer Flughäfen 0,7 Prozent mehr Deutschland-Reisende und 6,5 Prozent mehr Passagiere auf Flügen nach Italien gezählt. Ein Plus verzeichnete die Bahn auf Verbindungen nach Österreich, nachdem Baustellen aufgehoben wurden.

Babette Sigg, die Präsidentin des Konsumentenforums, sagt, internationale Zugreisen seien zu teuer. «Als Familie kann man sich das häufig gar nicht leisten.» Hinzu komme, dass die Buchungssysteme einfacher werden müssten. «Es kommt vor, dass sich internationale Tickets online gar nicht kaufen lassen. Man muss dann zum Schalter – und dort wird erst noch eine happige Pauschale erhoben.» Diese Pauschale wurde im September 2018 abgeschafft, wie die SBB mitteilte.

Fliegen ist tief verankert

Hinzu komme, dass das Fliegen bei vielen tief verankert sei, so Sigg. «Jeder Einzelne soll für sich überlegen, ob er nicht den Zug nehmen will, auch wenn es auf den ersten Blick nicht am besten passt. So entdeckt man neue Vorteile, die man vom Fliegen nicht kennt.» Ihr selbst käme es nicht in den Sinn, für nahe europäische Städte oder gar im Inland das Flugzeug zu nehmen, so Sigg. «Der Zug bietet Platz und fährt mitten in die Städte. Das gibt es beim Flugzeug nicht.»

SBB-Sprecher Raffael Hirt sagt, seit 2016 sei der internationale Personenverkehr der SBB insgesamt gewachsen, etwa wegen der Eröffnung des Gotthard-Basistunnel, Ausbauten und Marketingmassnahmen. Nachdem die TGV-Preise auf der Strecke Genf-Paris an die Flugpreise angepasst worden seien, sei der Marktanteil der Züge gewachsen. Die Streiks hätten dieses Wachstum aber wieder zunichte gemacht.

Passagiere nutzen Fernbusse

Auf der Strecke Zürich-München sei das Angebot reduziert worden, so Hirt. Weil die Strecke auf dem deutschen Teil elektrifiziert wird, fahren zurzeit weniger Züge. Nach der Elektrifizierung werde das Bahnangebot wieder ausgebaut, so Hirt.

Ob das Erfolg verspricht, ist aber selbst intern umstritten. «Die Elektrifizierung kommt mindestens zehn Jahre zu spät», sagte Armin Weber, der Leiter internationaler Fernverkehr der SBB, kürzlich dem «St. Galler Tagblatt». Hätte man den ursprünglichen Zeitplan eingehalten, wäre die Strecke bis zur Liberalisierung des deutschen Fernbusmarkt 2013 fertiggestellt und konkurrenzfähig gewesen, so Weber. In den letzten sieben Jahren hat die Bahn laut der Zeitung auf dieser Strecke rund 30 Prozent der Bahnkunden verloren.

SBB gibt Gegensteuer

Die SBB ist optimistisch, dass sie Gegensteuer geben kann. Dank einem neuen Buchungssystem seien internationale Sparangebote ab 2020 auf der Website besser ersichtlich und über mehrere Tage vergleichbar, so Sprecher Hirt. Ausserdem habe die SBB neues Rollmaterial beschafft. Damit könne in Richtung Deutschland, Frankreich und Italien der Service, der Komfort und das Platzangebot erhöht werden. Weil die neuen Züge mehr Sitzplätze hätten, könnten zudem mehr Sparbillette angeboten werden.

Die SBB hofft auch auf das grüne Gewissen. «Überlegungen zur Nachhaltigkeit haben in den letzten zwölf Monaten an Bedeutung zugenommen», sagt Hirt. Das wisse die SBB aus Kundenbefragungen. Zahlenmässig schlage sich das noch nicht in einer Verschiebung des Marktanteils nieder. «Mittelfristig gehen wir aber klar davon aus, dass sich der Trend fortsetzt und noch viel stärker auf die Verkehrsmittelwahl auswirken wird.» Wer auf Strecken mit einer Reisezeit von vier bis fünf Stunden fliege, werde künftig viel häufiger Zug fahren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jake am 20.05.2019 05:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Wenn der Flug nach Rom günstiger ist als der Zug braucht man sich echt nicht zu wundern, warum man den Flug nimmt

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  • Greeni1 am 20.05.2019 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auslandsbahnen günstiger

    Nicht zu vergessen, dass wenn man nah an der Grenze wohnt, ein Zug Ticket wie zum Beispiel der Deutschen Bahn viel Günstiger ist.

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  • Cel Lo am 20.05.2019 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hohe Kosten

    Vergleicht doch mal die Kosten im Ausland. Da ist unsere SBB leider viel zu teuer. Die Pünktlichkeit ist auch nicht mehr das was sie einmal war.... leider

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max K am 21.05.2019 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zugfahren mit dem Velo ist Horror

    Kein Wunder. Auf der SBB Website kann man gar keine Reisen buchen, wenn man das Velo mitnehmen will. Die SBB Website weiss naemlich bei auslaendischen Zuegen nicht, ob man das Velo mitnehmen kann. Zudem muss man tausend Mal umsteigen, weil die schnellen Zuege keine Velos mitnehmen. Nachtzuege mit Velo gibt's auch nicht. Und dann muss man noch alle Veloreservationen von Hand machen und gegebenfalls sogar umplanen, wenn's kein Platz mehr hat. Mit dem Flugi geht alles ganz einfach und schnell - auch mit Velo.

  • Beppi am 21.05.2019 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    logischer Passagierverlust

    logischer Passagierverlust, da die Bahnpassagiere (im Gegensatz zu de Flugpassagieren und Automobilisten) nicht angeschnallt sind, können sie verlustig gehen...

    • LLLL am 21.05.2019 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beppi

      Und ab 2021 wird sie noch weniger Passagiere befördern, da die Wenigsten fast 4500.00 bezahlen werden für ein GA. Man hat es nicht im Griff. Weniger wäre mehr. Das GA mind. 10% günstiger machen, dafür 20% mehr Passagiere. Gut, die SBB fährt schon am Limit und könnte die Personen gar nicht transportieren, deshalb die Preiserhöhung, somit gibt es wieder mehr Sitzplätze. Zum Glück brauch ich die SBB nicht.

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  • Pp am 21.05.2019 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so

    Nicht nur im Ausland. Wenn sie so weitermachen, dann auch im Inland!

  • Captain Hindsight am 21.05.2019 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grünes Gewissen

    Ist das grüne Gewissen so in etwa Flixbus-Grün?

  • Christian Laurin am 21.05.2019 04:11 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bahn taugt nichts für lang Strecken

    Nein die Bahn tut sich das selbst an. Ein Beispiel. Zurich -> Bordeaux. 7.5 Stunden geht noch wenn man denkt wie früh man am Flughagen, und und. Aber hier ist das echtes Problem. Ich muss mit Gepaeck von ein Bahnhof zum andre. Spinne ich? Das ist recht muehsam. Das ist Fliegen 100 mal einfacher und bequemer.