Erfolg für Preisüberwacher

20. Juli 2011 09:22; Akt: 20.07.2011 12:26 Print

SBB verzichten teilweise auf Preiserhöhung

Das 2.-Klasse-GA wird für Senioren, Junioren und Lernende doch nicht um 50 Franken teurer. Insgesamt bezahlen Bahnreisende 7,5 Millionen weniger als vorgesehen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Bahnfahren wird ab Dezember 2011 vor allem in der 1. Klasse definitiv teurer. Der Preisüberwacher hat die geplanten Preiserhöhungen grösstenteils abgesegnet. Keine Erhöhung akzeptiert er einzig bei den Generalabonnementen der 2. Klasse für Junge und Senioren.

Bei den GA-Kategorien «Junior/Studierende», «Senioren» sowie «Lernende» bleibt deshalb entgegen dem Wunsch des Verbands für öffentlicher Verkehr (VöV) alles beim Alten. Sie alle hätten um 50 Franken teurer werden sollen. Die übrigen 2.-Klasse-GA und die GA für die 1. Klasse schlagen dagegen ab dem 11. Dezember 2011 auf, wie der VöV und der Preisüberwacher am Mittwoch mitteilten.

Die 1.-Klasse-GA werden damit in den meisten Kategorien zwischen 50 und 200 Franken teurer. Das reguläre 1.-Klasse-GA für Erwachsene wird neu 5350 Franken kosten, was einer Erhöhung um 3,9 Prozent entspricht.

In der 1. Klasse werden die Tickets zudem um rund 3 Prozent teurer, und die Tageskarten schlagen durchschnittlich um 3,7 Prozent auf. Die Erträge deckten die Kosten nicht genügend in diesen Kategorien, begründeten der VöV und die SBB die Erhöhung.

1. Klasse schlechter ausgelastet

Die Auslastung in der 1. Klasse sei insgesamt schlechter als in der 2. Klasse, sagte Preisüberwacher Stefan Meierhans dazu auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Da dies für die Bahnbetriebe eine schlechtere Kostendeckung bedeute, halte die Preisüberwachung die Erhöhung nach einer Überprüfung für gerechtfertigt.

Von Anfang an nicht angetastet wurden die Billette und Tageskarten für die 2. Klasse: Dort bleiben die Preise gleich. Eine Ausnahme bildet die happige Preiserhöhung von 30 Prozent beim Gleis 7 (neu 120 Franken), das für Junge bis 25 Jahren die freie Fahrt zwischen 19 Uhr und 5 Uhr ermöglicht. Diese Erhöhung wird Tatsache.

Bahnkunden zahlen 7,5 Millionen weniger

Nach der Einigung zwischen VöV und Preisüberwacher kommt die Preiserhöhung im Dezember 2011 auf durchschnittlich 1,2 Prozent statt wie im Mai angekündigt auf 1,5 Prozent. Die Bahnkunden bezahlen wegen der Intervention des Preisüberwachers 7,5 Millionen Franken weniger. Bei den Verkehrsbetrieben fehlt dieser Betrag bei den Erträgen.

Das sei eine grosse Herausforderung, hält der VöV fest. Wegen steigender Betriebskosten und Investitionen in Züge und Infrastruktur dürften in den nächsten Jahren die Billettpreise weiter steigen. Alle müssten dazu beitragen, dass die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz garantiert bleibe - auch die Kunden.

Der VöV skizzierte dazu vor einer Woche ein Szenario, das 27 Prozent höhere Billettpreise bis 2018 vorsieht. Der Verband berechnete, wie viel mehr die Kunden bezahlen müssten, wenn die Bundesratsvorlage zur Finanzierung der Bahninfrastruktur umgesetzt würde. Der Bund beziffert die Erhöhung aufgrund der Vorlage auf 10 Prozent.

Preisüberwacher Meierhans will sich nicht zu diesen Szenarien äussern. Für die zukünftige Entwicklung seien noch viele Fragen offen, die zum Teil politisch gelöst werden müssten, sagte er. «Sicher ist, dass es kein Generalabo für Preiserhöhungen gibt.» Der Preisüberwacher werde sich zu einzelnen Preisanpassungen äussern.

VCS: Schmerzhaft

Die Preiserhöhung von 1,2 Prozent sei vertretbar, hielt der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) fest. Schmerzhaft sei aber vor allem die Preissteigerung beim «überaus beliebten» GA der 2. Klasse: Innerhalb von zwei Jahren sei das Abo um 250 Franken oder 8 Prozent teurer geworden. Das sei umweltpolitisch problematisch.

(bee/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 20.07.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Aufräumen

    Mich würde interessieren welche Prozesse bei der SBB selber verbessert werden könnten. Ich bin überzeugt, dass wie in jedem Grosskonzern, sehr viele Entscheidungen gefällt werden welche absolut sinnlos sind und Kosten generieren. Wir Steuerzahler können dies dann wieder berappen. Räumt doch mal zuerst bei euch auf und ich rede hier nicht von Lohnkürzungen und Entlassungen, bevor die hohle Hand bei den Konsumenten gemacht wird.

    einklappen einklappen
  • Bill G am 20.07.2011 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ikea prinzip?

    Ich versteh ja das auch die sbb immer mehr geld braucht (wie in jeder anderen branche)...doch,war der eigentliche plan nicht,die leute von der strasse zu bringen um die ÖV zu benutzen???um den verkehr zu reduzieren und die "umwelt" zu schützen???machts doch wie ikea: je billiger,desto mehr leute=MEHR geld...und nicht je teurer,desto weniger leute=wütende passagiere...!

    einklappen einklappen
  • Karl Hugentobler am 20.07.2011 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Riesentheater wegen CHF50 pro Jahr

    Auf CHF50 pro Jahr kommt es jetzt aber wirklich nicht draufan. Das wären dann CHF4 pro Monat. Also wer mit solchen Beträgen schon Schwierigkeiten hat, muss sich wirklich einen anderen Job suchen. Oder überhaupt sich mit der Idee anfreunden, dass Arbeit vor dem Vergnügen kommt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • C. Alani am 21.07.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    ...ÖV = Öfters verärgert

    was heisst hier ab Dezember 2011 erhöhung der Preise? Habe letzte Woche mein Halbtax erneuert und es ist einfach so 15.- teurer als letztes Jahr...komisch...

  • Hmm.. am 21.07.2011 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlkalkulationen?

    Die 1. Klass Wagen sind also halb leer und die 2. Klass Wagen ueberfuellt? Dann muss halt ein Wagen ausgetauscht werden. Oder hat die SBB gar zu wenige 2. Klass-Wagen? Vielleicht hat man sogar damit gerechnet, dass 2. Klassfahrer auf 1. Klasse umsteigen, damit sie sitzen duerfen?

  • Karl Hugentobler am 20.07.2011 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Riesentheater wegen CHF50 pro Jahr

    Auf CHF50 pro Jahr kommt es jetzt aber wirklich nicht draufan. Das wären dann CHF4 pro Monat. Also wer mit solchen Beträgen schon Schwierigkeiten hat, muss sich wirklich einen anderen Job suchen. Oder überhaupt sich mit der Idee anfreunden, dass Arbeit vor dem Vergnügen kommt.

  • marsupilami am 20.07.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wann 1. Klasse nicht ausgelastet?

    Ah Ja 1. Klasse nicht ausgelastet??? WANN DENN? Also am Morgen zwischen 6-8 und Nachmittags 5-7 ist es Zwischen Basel-Zürich sehr gut ausgelastet! In den anderen Zeite ist die 2. Klasse genauso leer...

    • Hans am 20.07.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      @marsupilami

      Ich könnte Ihnen da spontan einige Strecken nennen, auf denen selbst in Stosszeiten, wenn in der 2. Klasse gestanden wird, längst nicht alle Plätze in der 1. Klasse belegt sind. Und dies ist die Regel.

    einklappen einklappen
  • Eule am 20.07.2011 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gratis ÖV

    Das ist nur Schau: Ob der Schweizer Bürger als Steuerzahler oder als Fahrgast bezahlt ist egal. Bei einer Unternehmung, die zu 70% vom Bund finanziert werden muss, hilft nur die Abschaffung Billet-Infrastruktur (Automaten, Kondukteure, Administration usw.). Der Preisüberwacher würde besser was gegen die Preise im Gesundheitsbereich tun. Dann fliesst das Geld an in Massen an zwielichtige Herren.