Zugpersonal

22. Mai 2018 05:46; Akt: 08.06.2018 10:39 Print

Trotz mehr Gewalt kürzt SBB bei Zugbegleitern

von Stefan Ehrbar - Fernverkehrszüge sollen teilweise wieder mit nur einem Zugbegleiter unterwegs sein. Das sei falsch angesichts der zunehmenden Aggressivität in Zügen, kritisiert das Personal.

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Alle zwei bis drei Tage wird ein Zugbegleiter in der Schweiz angegriffen, beschimpft oder bespuckt. Vorfälle ereignen sich meist bei Billettkontrollen, so der «Zürcher Oberländer». Vor acht Jahren entschied die SBB, dass auf Fernverkehrszügen grundsätzlich zwei Zugbegleiter mit dabei sein sollen.

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Braucht es zwei Zugbegleiter pro Fernverkehrszug?

Nun will die SBB den Entscheid wieder zurücknehmen. Im Rahmen des Projekts «Kundenbegleitung 2020» soll die sogenannte integrale Zweierbegleitung abgeschafft werden – dies schon ab dem Fahrplanwechsel. Dieser Entscheid des SBB-Managements löse bei den Zugbegleitern grosse Ängste aus, sagt Jürg Hurni, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). Denn es werde die Grundlage dafür geschaffen, dass Fernverkehrszüge nur noch mit einer Person begleitet würden. Auch dass am Ende Stellen eingespart würden, sei nicht auszuschliessen.

«Die Hälfte der Kunden bekommt keinen Zugbegleiter zu Gesicht»

«Eine Zweierbegleitung ist aus Gründen der Sicherheit von Kunden, aber auch des Personals, nötig», sagt Hurni. Die Aggressionen seien nicht weniger geworden, gerade bei gewissen Verbindungen am Abend oder frühmorgens am Wochenende sei das Gewaltpotential gross. Die Zahl der Vorfälle stagniere auf hohem Niveau, die Aggressionen seien gar noch heftiger geworden.

Die Gewerkschaft fordert nun, dass die SBB an der Zweierbegleitung festhält, insbesondere für kritische Züge, auf denen sich viele Vorfälle ereignen, Züge nach 22 Uhr und solche mit mehr als sechs Wagen. «Diese Forderungen decken sich mit einer Umfrage, die der Zugpersonalverband durchgeführt hat. Sie bestätigt klar, dass das Personal keine Einerbegleitung will», sagt Hurni.

Auch Karin Blättler von Pro Bahn fordert die SBB auf, über die Bücher zu gehen: «Wenn nur ein Zugbegleiter auf dem Zug ist, bekommt die Hälfte der Kunden keinen Begleiter zu Gesicht. Das ist schlecht in Notfällen, oder wenn man eine Auskunft vom Zugpersonal benötigt.» Zudem entgingen zu viele Passagiere einer Kontrolle. «So wird das Schwarzfahren begünstigt. Das kann es nicht sein.» Und: Ziehe die SBB wie geplant ganze Teams zusammen, um schnelle Grosskontrollen durchzuführen, verunsichere dies die Kunden eher. Dagegen steigere eine Zweierbegleitung das Sicherheitsgefühl.

«Bei der Sicherheit macht die SBB keine Kompromisse»

Die neuen Pläne der SBB sehen vor, dass Fernverkehrszüge in drei Kategorien aufgeteilt werden. Auf Zügen der ersten Kategorie müssen wegen regulatorischer Vorgaben des Bundes auch weiterhin zwei Zugbegleiter dabei sein. Auf Zügen der zweiten Kategorie sollen in der Regel zwei Zugbegleiter dabei sein, in Ausnahmefällen aber nur einer. Auf Zügen der dritten Kategorie soll nur bei Bedarf mehr als ein Zugbegleiter eingesetzt werden.

Laut SBB-Sprecher Reto Schärli ist es noch nicht im Detail festgelegt, bei welchen Zügen es Änderungen gibt. Aber: «Auch künftig werden die Kundenbegleiter zu einem grossen Teil mindestens zu zweit im Zug präsent sein.» Die Befürchtungen, die Einerbegleitung gefährde die Sicherheit des Personals oder der Kunden, weist er zurück: «Bei der Sicherheit macht die SBB keine Kompromisse. Die Bedürfnisse des Personals und der Kunden sind zentral. Die zuständigen Sicherheitsgremien tauschen sich regelmässig aus und besprechen die Begleitstrategie der Züge.»

Schärli sagt, das veränderte Umfeld mit der Digitalisierung verändere auch die Bedürfnisse der Kunden und die Anforderungen ans Zugpersonal. Das Berufsbild des Zugbegleiters werde deshalb weiterentwickelt – künftig heissen sie «Kundenbegleiter»: «Das Personal wird noch stärker dort präsent sein, wo es den Kundinnen und Kunden den grössten Nutzen bringt – im Zug, am Bahnhof und auf dem Perron.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ella am 22.05.2018 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen, sparen, sparen

    Am besten lässt man die Geschäftsleitung der SBB die Züge begleiten - und zwar allein.

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  • Mimi am 22.05.2018 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht fair

    Hauptsache Herr Meier muss nicht auf den Bonus verzichten!

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  • TOBI am 22.05.2018 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Okay dann halt...

    Da muss ich wohl künftig anderweitig zum Arbeitsplatz kommen, da die SBB die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr Schützen kann oder will. Mehrkosten hierfür braucht man offenbar um die Bonis der Oberen zu bezahlen. Okay nehm ich halt das Auto oder bei schönem Wetter das Motorrad.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tell III am 22.05.2018 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur Profitgier

    Bis die ersten Verletzen vorliegen. Arbeitgeber SBB kümmert sich nicht um die Sicherheit der Mitarbeiter

  • Plata am 22.05.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    was der Normalo-Kunde wirklich braucht..

    ...sind nur stichprobenmässige Bilett-Kontrollen während des Pendlerverkehrs, dh. während dieser Phase weniger Personal und mehr Sicherheits-Personal ausserhalb der Pendler-Zeiten, dh. in den Nachtzügen. Ich brauche im Zug normalerweise keine Begleitung, weiss ja, wo ich hin will...

  • Daisydream am 22.05.2018 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir merken das doch

    Bei der Sicherheit macht die SBB keine Kompromisse, steht im Bericht. Aber genau das tut sie. Sie verringert sie sogar, nur um der Teppichetage ihre Gehälter und Boni zu erhalten. Denken die, wir merken das nicht. Das Zeitalter, in dem die Leute einfach glaubten, was man sagte und nie hinterfragten, nennt man Mittelalter und ist bekanntlich Vergangenheit.

  • urschweizer am 22.05.2018 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wo schaut denn die SBB hin ...

    Erstens stagniert die Gewalt nicht, sie nimmt extrem zu, auch verbale Gewalt kann krank machen - und zweitens: Es braucht nicht auf den internationalen Fernverkehrszügen mehr Kontrolle, sondern IN DEN S-Bahnen im Regionalverkehr. Da ist GEWALT und das SCHWARZFAHREN an der Tagesordnung. Alkohol trägt das seine dazu bei und macht die "Sünder" erst recht gewaltbereit. Warum zwei Frauen? Gegen die Nachtschwärmer ohne Billett oder Nachtzuschlag haben die keine Chance und lassen oftmals die Kontrolle nur schon deswegen ganz sein.

  • Gabi am 22.05.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    So unfreundlich wie Gewissse Zugbegleiter sind fragr ich mich ob sie mit der SBB auch zufriden sind.Die SBB ist zurzeit Wöchentlich in der Kritik.Da muss mann sie Fragen was ist bei disem Laden los....