Brunners Mikrofon

19. Dezember 2008 15:57; Akt: 19.12.2008 17:28 Print

SF sieht keinen Fehler bei Tonaufzeichnung

von Lukas Mäder - Die Affäre um Toni Brunners Knopfmikrofon wird beim Fernsehen Chefsache. Richtig entschuldigen will sich SF aber nicht. Man prüfe, ob gegen das Hausrecht im Bundeshaus verstossen wurde. Ursula Wyss fordert eine Entschuldigung beim ganzen Parlament.

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Ein vertrauliches Gespräch im Nationalratssaal? Das Schweizer Fernsehen hört mit: Knopfmikrofon an Toni Brunners Jacket während der Bundesratswahl am 10. Dezember im Nationalratssaal. (Bild: Keystone/Pool/Pascal Lauener)

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Fehler gesehen?

Der Chef schaltet sich ein: In der Affäre um unbewilligte Tonaufnahmen des Schweizer Fernsehens im Nationalratssaal hat sich nun Chefredaktor Ueli Haldimann zu Wort gemeldet. Einsichtig zeigt er sich nicht. Den einzigen Fehler sieht er darin, Ursula Wyss nicht darüber informiert zu haben, dass ein Zitat von ihr ausgestrahlt wird. Die vermutlich unerlaubte Art und Weise findet er nicht problematisch, wie aus einer schriftlichen Stellungnahme Haldimanns hervorgeht.

SF-Chefredaktor Haldimann rechtfertigt die Aufzeichnungen mit den Gewohnheiten von Dokumentarfilmern: «Die Verkabelung des Protagonisten eines dokumentarischen Films ist eine absolut gängige Methode.» Das Ansteckmikrofon sei «prima sichtbar, wie auf Photos erkennbar ist», schreibt Haldimann. Rechtlich ist dieses Argument kaum relevant. Zudem dürften Parlamentarier in der Hektik der Bundesratswahl kaum darauf geachtet haben.

Möglicherweise Dutzende Parlamentarier betroffen

Wenig Achtung scheint Haldimann vor der Hausordnung im Bundeshaus zu haben. So spricht er von «angeblichen» Übertretungen und davon, dass audiovisuelle Aufnahmen «verboten sein sollen». Dabei schreibt die Parlamentsverwaltungsverordnung klar vor, dass für alle audiovisuellen Aufnahmen im Ratssaal eine Bewilligung des Ratsbüros vorliegen muss (Art. 15). Ausgenommen sind die protokollähnlichen Aufzeichnungen der Debatte, die die Parlamentsdienste vornehmen. Davon habe der Regisseur Roland Huber nichts gewusst, nimmt Haldimann seinen Mitarbeiter in Schutz.

Doch nicht die ausgestrahlten Passagen seien das Problem, sagt SP-Fraktionschefin Ursula Wyss, sondern dass das Fernsehen möglicherweise Aussagen von Dutzenden Parlamentariern mitgeschnitten hat. «Viele andere sind davon auch betroffen», sagt Wyss. Sie macht sich auch Sorgen, was mit dem Material passiert: «Es könnte auch erst in einigen Monaten noch verwendet werden.» Laut SF wird das unveröffentlichte Material nicht mehr weiter verwendet und nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von vier Monaten gelöscht.

SF schützt «Interna» vor

Zu diesem Material gibt sich das Schweizer Fernsehen zugeknöpft: «Wir geben grundsätzlich keine Auskunft zu unveröffentlichem Material», sagt SF-Mediensprecher David Affentranger. Die Bundesratswahl hat rund eine Stunde gedauert, so lange dürfte auch das Material sein. Welche anderen Parlamentarier noch darauf zu hören sind, kann Affentranger aus obigem Grund ebenfalls nicht sagen. Zumindest von Gesprächen mit Beinahe-Bundesrat Hansjörg Walter (SVP/TG) dürften einige heikle Passagen aufgezeichnet sein. Schliesslich lautet auch bei der Frage, wieviele Leute die unbewilligte Tonaufzeichnung gehört haben, die lapidare Antwort Affentrangers: «Das sind Interna.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pyromax am 19.12.2008 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    GEHTS NOCH?

    ich bin nun definitiv kein freund von brunner&svp, aber der mann rennt mit kamerateam und mik rum und ihr redet von belauscht? so doof sind nicht mal unsere parlamentarier das sie das nicht merken...

  • Adrian Hofer am 21.12.2008 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    der neuste ...

    so, der pöbel hat wieder jemand, wo man draufzeigen kann und als sündenbock - nach den bankern und den rasern ist nun der toni dran. dass die schweizer bevölkerung nicht durchblickt, wie sie von den medien immer wieder verarscht werden, verstehe ich nicht.

  • Sven am 19.12.2008 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wird tatsächlich immer...

    ... noch über die Bundesratswahlen diskutiert?! Ja aber wann konzentrieren sich unsere Parlamentarier endlich mal um die wichtigen Probleme oder sind sie dazu nicht in der Lage?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Henri Ginther am 27.12.2008 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Retraité

    es währe das beste wenn Tony Brunner zur Demission gezwungen würde, und auch der verantwotliche Chefredaktor des Fernsehens

  • Pedro am 27.12.2008 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsant

    Es ist höchst amüsant, im Nachhinein die über 300 Kommentare zu diesem banalen Thema zu lesen. Ein riesiges Sammelsurium von Ignoranz und purer Dummheit! Erschrecken tut mich allerdings nur ein Gedanke: Wenn mit gleicher Blindheit gewählt wird, bleibt die SVP wohl noch lange die "stärkste" Parte.

  • casi leider auch mit vornamen toni am 27.12.2008 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    auslandschweizer

    und für dieses panzerknacker tv sollen wir im ausland noch monatliche gebüren entrichten damit wir die svptagesschau sehen.schuster bleib bei deinen leisten und kehre zurück in den stall,in gesellschaft deiner kühe die einem natürlichen drang nachgeben.....oh sch.......

  • Walter/Oberer am 26.12.2008 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Volksvertreter?

    Wer glaubt, dass Volksvertreter das Volk vertreten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten...!

  • Dany am 26.12.2008 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Toniy Brunner

    Und dieses so offensichtliche platziert Mikrofon wurde von Tony Brunner nicht bemerkt .... James Bond lässt grüssen