Unseriöse Händler

22. September 2018 17:56; Akt: 22.09.2018 17:56 Print

Fussballverband warnt vor Ramschware aus China

von Noah Zygmont - Fussballclubs können beim Kauf ihrer Beleuchtung auf billige Produkte aus Asien hereinfallen. Der Verband warnt deshalb vor vorschnellen Käufen.

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Fussballclubs setzen bei der Beleuchtung ihrer Sportplätze zunehmend auf LED-Flutlicht. Die neue Technologie ist umweltfreundlicher und hat eine längere Lebensdauer als die veraltete Variante der Halogen-Beleuchtung. Hunderte Vereine wollen gemäss Christian Moroge, Präsident der Sportplatzkommission des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), in den nächsten Jahren auf LED-Lampen umsteigen: «Die Vereine wollen ihre alten Ausrüstungen aufgrund der Energieeinsparung nicht mehr erneuern und steigen darum direkt auf LED um.»

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Das Problem dabei: Im Kampf um Marktanteile vernachlässigen viele Schweizer Händler die Qualitätskontrolle und verkaufen qualitativ minderwertige Ware aus dem asiatischen Raum.
«Eine Vielzahl von Anbietern ohne spezifisches Know-how möchte auf die Schnelle ein lukratives Geschäft abschliessen», warnt der Schweizerische Fussballverband auf seiner Homepage. Man wolle die Vereine schützen und bitte um seriöse Überprüfung der Beleuchtungsprojekte, sagt Moroge. Welche Anbieter minderwertige Ware verkaufen, will der Verband nicht sagen.

Wöchentliche E-Mails von unseriösen Anbietern

In der Branche ist das Problem bekannt. Peter Gasser, Inhaber der Firma Visiolux, sagt: «Wir werden überschwemmt von Billigprodukten aus Asien.» Mindestens zwei- bis dreimal pro Woche erhalte er E-Mails von solchen Anbietern. Darin werde er zum Beispiel wie folgt angeschrieben: «AL1070 High Lumen LED Sports Light recommend to you. The sample demo can be sent in 10days, need price or catalog, please mail me back, thank you.» (Beispiele siehe Bildstrecke)

«Ein Grossteil ist nicht seriös und hat keine gute Qualität», sagt Gasser. Er bezieht seine Produkte für Sportplatzbeleuchtung ebenfalls aus dem asiatischen Raum. «Wir haben nach langwieriger Suche, Abklärungen und Entwicklungen für uns den entsprechend guten Lieferanten gefunden, mit dem wir seit vielen Jahren zusammenarbeiten und dem wir vertrauen.» Eine weitere Beleuchtungsfirma machte ebenfalls Erfahrungen mit schlechten LEDs aus China: «Wir haben bereits beim Auspacken gemerkt, dass es billiger Ramsch aus China ist.» Man müsse durch schlechte Erfahrungen feststellen, welche Kontakte seriös seien. «Man muss hoffen, dass sie die Produkte korrekt prüfen», sagt ein Mitarbeiter.

«Viele Privatpersonen wollen in das Geschäft einsteigen»

Laut Moroge sei gerade mal ein Drittel der Schweizer Anbieter seriös. «Viele Privatpersonen wollen in das Geschäft einsteigen – ohne jegliches Know-How.» Dies bestätigt auch Peter Gasser. Jeder Zweite sage, dass er jetzt Sportplatzbeleuchtungen anbieten könne. Oft werde die Komplexität der nötigen Planung und Erstellung einer solchen Beleuchtungsanlage unterschätzt. «Einmal habe ich einen Pflasterstein-Lieferanten kennengelernt, der plötzlich meinte, er könne auch Sportplätze beleuchten, erzählt Gasser.

Welche Konsequenzen der Einsatz von China-Ware möglicherweise haben kann: In Bern wurde letztes Jahr auf dem Sportplatz Murifeld eine neue Lichtanlage installiert. Gemäss dem Amt für Umweltschutz der Stadt Bern stellte man nach einer Überprüfung fest, dass Anwohner des Sportplatzes Murifeld durch die Beleuchtung geblendet wurden. Jetzt werden zusätzliche Blenden installiert.

Qualitätssicherung

Dies ist laut Christian Moroge ein weiteres Problem in der Praxis: «Ohne Detailinformationen kann ein Lichtplaner das Beleuchtungsprojekt nicht kontrollieren. Dies führt zu mangelhaften Beleuchtungsanlagen und kann infolge von Lichtemissionen zu Beschwerden der Anwohner führen.»

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bestätigt, dass zu starke Lichteinstrahlungen störend in Wohnraumgegenden sein können. «Das Umweltschutzgesetz möchte Personen vor schädlichen oder lästigen Belastungen schützen», sagt Alexander Reichenbach vom BAFU.

Neben den vielen unseriösen Herstellern gebe es auch teure, qualitativ gute Produkte-Verkäufer, sagt Peter Gasser: «Man kann nicht pauschal sagen, dass asiatische Produkte Schrott sind.» Der Mitarbeiter der Beleuchtungsfirma ergänzt: «Der Austausch unter den Händlern ist enorm wichtig für die Qualitätssicherung.» Man merke ziemlich schnell, wenn ein Teil defekt ist. Sofern dies der Fall sei, könne man dieses wieder zurück nach China senden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcus0 am 22.09.2018 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beides ist aus China..

    Entweder kauft man die China LED hier zz einem hohen Preis, da der Zwischenhandel ein paar hundert Prozent drauf schlägt oder man besorgt es selbst von China. Sind sehr oft die gleichen Produkte.

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  • G.D. am 22.09.2018 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    China

    Wieso, wo werden solche Sachen sonst hergestellt? Kommt eh alles aus China heutzutage!

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  • Päsche am 22.09.2018 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ramschware kommt von Schweizer Firmen

    "In China produziert" bedeutet für viele "Ramsch". Allerdings produzieren die Chinesen die Ware in genau der Qualität, in der wir sie bei ihnen bestellen. Die Chinesen können Waren in jeder beliebigen Qualität herstellen - wenn man sie dafür bezahlt. Darum: "Ramschware" aus China bedeutet: Eine Schweizer Firma war gierig und geizig und hat darum bei den Produktionskosten gedrückt bzw. diesen Auftrag entsprechend nach China geschickt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni T. am 23.09.2018 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht noch schlimmer

    LEDs, die in der Schweiz entwickelt und produziert werden , sind am schlimmsten. Die funktionieren überhaupt nicht. Und wieso? Weil es die gar nicht gibt. Rund 86 % aller LEDs weltweit stammen aus China. Was wir also hier kaufen, kommt fast ausschliesslich dorther. Unsere Händler hauen meistens einfach 300 - 400% Marge drauf.

  • Manfred am 23.09.2018 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Genau hinschauen, Testen vor Kauf

    Genau Richtig, egal woher, alles China! Habe einige Jahre bei einem Elektrogerätehersteller aus der Schweiz gearbeitet! IR Melder, Swiss Quality stand auf der Packung! Jeder Käufer wurde geblendet! Billigramsch aus China war drin! Die selben Produkte wurden dem Profiinstallateur angeboten, wie auch im Baumarkt verkauft! Am Anfang hat sich der Unternehmer nicht mal die Mühe gemacht, den Karton und die Anleitung zu tauschen, sondern nur das Signet überklebt! Also immer zwei mal hinschauen, testen vor Kauf! Der Herr mit Firmensitz in Wallisellen hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen

    • Koni K. am 23.09.2018 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manfred

      Genau. Bevor ich in der Schweiz eine LED kaufe, teste ich diese jeweils 30 Tage bei mir. Danach bringe ich die Lampe in der Kartonschachtel zurück und teste die nächste. Oder geht das etwa gar nicht so einfach? Eigentlich schade, bei der Zahnbürste mache ich das seit Jahren so.

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  • Firefighter118 am 23.09.2018 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gillt auch für Private

    Das Qualitätsproblem für LEDs gillt auch für Private im eigenen Haushalt. Mein Tip: Auf YouTub gibt es diverse Filme wo Tests gezeigt werden die Qualität, den Aufbau, Preis u.s.w. Macht Euch dort schlau und kauft an den entsprechenden Orten, Läden ein

  • Roger am 23.09.2018 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland ist auch nicht besser

    Viele Bauausschreibungen gehen wegen den billigen Löhne ins Ausland. Ich erlebe dies leider täglich. Fazit ist, nichts funktioniert mehr bei uns, Lampen fallen von der Decke, Leitungen haben die falschen Dimensionen. Betten fallen nach 1 Woche auseinander, Türklinken fallen nach kurzer Zeit ab, neue Fenster lassen den Regen rein, Türen klemmen....es gäbe noch vieles aufzuzählen und das bei einem Millionenbau in der Schweiz. Ich bin mit China Ware nie schlechter gefahren.

    • Manfred am 23.09.2018 18:50 Report Diesen Beitrag melden

      Du hast Recht

      Du hast Recht, jedoch sind wir selber Schuld, wir kaufen den Müll weil wir zu geizig sind! Und Qualität ist so teuer das sie sich keiner LEisten kann. Versuche doch mal im Laden einen Staubsauger zu kaufen der in CH oder D hergestellt ist! Wie groß ist die Auswahl? Richtig! Aber der eine den du Bekommst hält dann auch 15 Jahre oder mehr bei normalem Gebrauch

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  • Gerry B. am 23.09.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    China Ware ist super!

    Wir kaufen seit 2 Jahren sehr vieles in China. Bekleidung, Haushaltswaren, Handys und vieles mehr. Wenn man nicht gerade das allerbilligste nimmt ist die Qualität einwandfrei. Mit dem gesparten Geld können wir uns eine Extra Woche Ferien in Österreich leisten.

    • Werner Wenger am 23.09.2018 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gerry B.

      Hat Ihre Aussage nun die Frage der qualitativ minderwertige LED-Leuchtmittel irgendwie zu klären versucht?

    • Peter P. am 23.09.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werner Wenger

      Hat Ihre Frage zur Frage der Qualität von LEDs einen Beitrag geleistet?

    • Heureka am 23.09.2018 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gerry B.

      ...und Schweizer Lohn beziehen, aber die lokale Wirtschaft und den Tourismus nicht unterstützen. Da kann ich nur hoffen, dass ihr Arbeitsplatz wegen Wirtschaftsflaute durch Schnäpplijäger nicht wegrationalisiert wird, gönnen würde ich es ihnen - aber dann müssen wir sie auch noch mit der Arbeitslosenversicherung und Sozialgeldern unterstützen...!

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