Tragödien im Feld

18. Juni 2019 04:45; Akt: 18.06.2019 08:29 Print

Warn-SMS sollen Katzen vor dem Mähtod retten

von B. Zanni - Während der Heuernte fallen Katzen regelmässig Mähmaschinen zum Opfer. Mit einem Aufruf wollen Tierschützer das Leid stoppen.

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Ruhige Gegenden mit wenig Verkehr und vielen Feldern sind für Katzen nur vermeintlich sichere Gebiete. «Felder stellen für Katzen eine mindestens so grosse Gefahrenzone dar wie Strassen», warnt Beatrice Baumann, Präsidentin der Katzenauffangstation bei der Tierhilfe Schweiz. Wenn die Bauern im Juni ihre Feldarbeiten verrichteten, fielen jedes Jahr zahlreiche Katzen den Mähmaschinen zum Opfer.

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«Hören Katzen eine Gefahr, ducken sie sich meist und rennen erst im letzten Moment oder wenn es schon zu spät ist weg», erklärt Baumann. In der Folge melden Personen laut Baumann immer wieder tote und verletzte Katzen. Meist überlebten die Tiere die Unfälle nicht. «Wenige Katzen haben Glück und schleppen sich mit zwei Beinen, die noch an einem Faden hängen, nach Hause.»

«Die Mähmaschine zerlegte Schnäuzli in Einzelteile»

Ein Opfer wurde Kater Schnäuzli von R. L.* in Aathal ZH. «Als ich, damals acht Jahre alt, von der Schule nach Hause kam, stand der Bauer mit einem Sack vor unserer Tür. Darin lagen nur noch die blutigen Stücke unseres geliebten Schnäuzli. Das war schlimm. Meine Geschwister und ich waren unendlich traurig», erinnert sich der heute 30-Jährige.

Der Kater habe gern auf dem Feld im hohen Gras neben ihrem Haus geschlafen. «An einem schönen Sommertag hatte die Mähmaschine Schnäuzli in Einzelteile zerlegt. Nachbarskinder sahen noch, wie der Bauer die Überreste unseres Katers in den Sack packte.»

«Tauscht eure Natelnummern aus»

Um den Tragödien ein Ende zu setzen, ruft die Tierhilfe Schweiz in einem Flyer Katzenbesitzer und Landwirte zur Kontaktaufnahme auf: «Liebe Landwirte und Katzenbesitzer, tauscht eure Natelnummern aus. Lasst euch vom Landwirt, einen Tag bevor er mäht, ein SMS senden und leitet es an die Katzenbesitzer im Quartier weiter.»

Die Tierhilfe Schweiz empfiehlt zudem, die Katzen ab dem 16. Juni im Haus zu lassen und abzuwarten. «Die Wetteraussichten sind gut und die Chance gross, dass rundherum das Ökogras geschnitten wird.»

Beatrice Baumann findet: «Wenn einem das Büsi am Herzen liegt, sollte es nicht zu viel verlangt sein, mit den Bauern in Kontakt zu treten.» Etwa mittels Whatsapp-Gruppen könnten die Bauern die Katzenhalter einfach über ihre Mähaktivitäten auf dem Laufenden halten. Baumann empfiehlt den Austausch allen Katzenbesitzern in Wohngegenden mit Feldern in einem Radius von mindestens 300 Metern.

Auch andere Tierschützer haben den Aufruf geteilt. «Unsere Partner-Tierärzte haben jährlich bis zu sieben Mähmaschinen-Patienten, die sie zu retten versuchen. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer von Opfern», sagt Esther Geisser, Präsidentin vom Network for Animal Protection Netap. Es sei falsch, eine verletzte Katze gleich einschläfern zu lassen, man müsse dies von Fall zu Fall beurteilen. «Es gibt sogar Katzen, die mit nur noch zwei Beinen gut leben können, wie eine von uns gerettete täglich zeigt.»

«Das schmerzte mich unglaublich»

Bei den Landwirten rennen die Tierschützer offene Türen ein. «Rehkitze und natürlich auch Katzen, die sich im hohen Gras verstecken, sind ein grosses Problem», sagt Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands. Er würde es begrüssen, wenn alle Bauern so gut wie möglich vor ihren Feldarbeiten aktiv warnten. «Versteckt sich das Tier im hohen Gras, ist es äusserst schwierig, es zu entdecken.» Um ein Feld erfolgreich nach Katzen abzusuchen, bräuchte es eine halbe Armee.

In seiner 35-jährigen Karriere seien rund vier Katzen seiner Mähmaschine zum Opfer gefallen, sagt Ritter, der selbst eine Katze besitzt. «Das schmerzte mich jedes Mal unglaublich.» Auch die Thurgauer Landwirtin K. S.* und ihr Mann schicken Katzenhaltern vor den Mäharbeiten seit Jahren ein SMS. «Ein Besitzer hängt an seinem Tier, da müssen wir Rücksicht nehmen. Es ist das Interesse jedes Bauern, kein Tier zu erwischen.»

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.W am 18.06.2019 06:14 Report Diesen Beitrag melden

    15.Juni

    Jedes Jahr ab dem 15.6. darf das Ökoheu gemäht werden. Dies ist seit vielen Jahren so. Das könnten sich die Katzenbesitzer, im Gegensatz zu den Rehen merken und ihre Stubentiger in dieser Zeit tagsüber im Auge behalten. Übrigens ist auch jeder Bauer Katzenbesitzer und versucht die Tiere nicht zu vermähen. Jedes Feld abzusuchen ist illusorisch, da schlicht die Zeit fehlt. Ausserdem wäre das Heugras nicht mehr gut mähbar, wenn jeder aus der Nachbarschaft der ein Büsi besitzt, zuerst durchs Feld läuft um sein Büsi zu finden.

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  • Melina G. am 18.06.2019 05:24 Report Diesen Beitrag melden

    Gemeinsam Tiere schützen

    Auch Rehkitze sind gefährdet. Ducken sich vor den Maschinen bis es zu spät ist. Die meisten anständigen Bauern kontrollieren ihre Felder bevor sie loslegen. Haustierhalter können dazu beitragen.

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  • Livio S am 18.06.2019 05:54 Report Diesen Beitrag melden

    Effektivste Methode sind Drohnen

    Die Felder alleine zu kontrollieren ist unmöglich. Das ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Da braucht es mehrere Leute die dicht aneinandergereiht das gesamte Feld ablaufen. Oder eben halt Drohnen mit WBK. Deshalb können sich Bauern beim Verein Rehkitzrettung melden. Dann geht es schneller und man verpasst weniger Tiere.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Regen am 19.06.2019 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Es ist traurig wenn es vor kommt! Der Landwirt ist auf das Wetter angewiesen! Und wenn der wenig Kontakt hat mit dem Nachbarn. Und meistens gestresst wegen dem Wetter! Da denkt nicht jeder an Nachbars Katze! Viele Landwirte möchten ohne Regen alles ins trockenen bringen! An solchen Tagen arbeiten die meisten bis 16 Stunden! Und haben immer Druck

  • Beatrice Baumann am 19.06.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    SMS schützt unsere Büsis

    Unser Landwirt sendet 1-2 Tage vor dem Mähen ein SMS und dafür sind wir Ihm und seiner Familie sehr dankbar. Die Meldung gebe ich in die Whatsapp Gruppe Mähen und alle anderen Büsibesitzer wissen, dass Sie die Katzen im Haus lassen. Viele der unten aufgeführten Kommentare sind einfach nur traurig und respektlos!!

  • Danke am 19.06.2019 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ok

    Neues gesetz ab 2021: Eine Katze wird vermäht-> 5% weniger subventionen für den armen armen bauern.

  • Mäh Drescher am 18.06.2019 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin halt so

    Der erste Zwischentitel hat es mir angetan......irgendwie komisch :-) Oder der Moment wenn man nicht lachen sollte aber trotzdem muss...

  • Andrea K. am 18.06.2019 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Bauer Tiere nicht liebt...

    Ich habe 4 Katzen und leider auch schon eine - meine Seelenkatze - an die "Mähmaschine verlohren". Noch schlimmer war, dass ich noch 6 Tage auf sie gewartet habe, weil der Bauer es nicht für nötig fand, jemand aus der kleinen Nachbarschaft zu informieren! Für mich darurm jedes Mal ein Horror und Alptraum, solange ich nicht alle Katzen drinnen habe, wenn ein Bauer mit schweren Maschinen auftaucht! Der Bauer in meiner neuen Umgebung schafft es leider auch nicht, jemandem Bescheid zu geben.....