Aprilscherz

31. März 2017 18:34; Akt: 31.03.2017 19:27 Print

SNB ärgert sich über Fake-News

Eine Fotomontage der Titelseite des «Blick am Abend» sorgt im Netz für Aufregung. Was dahinter steckt.

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«Jordan verteilt 1 Milliarde an Bürger», so steht es heute auf der vermeintlichen Titelseite des «Blick am Abend», die im Netz kursiert. «Unter www.schweizernationalbank.ch können sich Studienbewerber um 1200 Franken bewerben», heisst es weiter. Tatsächlich erscheint bei der genannten Adresse eine Seite, die wie jene der Schweizerischen Nationalbank aussieht.

Die Schlagzeile hat im Netz für Aufregung gesorgt. Tausende haben sich auf der genannten Internetseite eingetragen, um an der vermeintlichen Studie teilzunehmen. Doch nichts davon ist wahr: SNB-Chef Thomas Jordan verteilt keine Milliarde, die SNB sucht keine Studienteilnehmer, und der «Blick am Abend» hat kein Wort darüber verloren.

April, April

Es handelt sich um einen Aprilscherz der Lancierer der Vollgeld-Initiative. «Wir wollten mit dem Scherz aufzeigen, dass es sich als Bürger lohnt, sich mit der Vollgeld-Initiative auseinanderzusetzen, weil sie viele Vorteile bietet», heisst es in einer Stellungnahme. Tausende seien demnach auf den 1.-April-Scherz hereingefallen.

Bei der Schweizerischen Nationalbank ist die Aktion nicht gut angekommen: «Wir haben sehr wohl Verständnis für Aprilscherze. Aber es stört uns natürlich, wenn unsere Internetseite dazu missbraucht wird.» Rechtliche Schritte würden nun geprüft, heisst es bei der SNB auf Anfrage von 20 Minuten. Mittlerweile ist die Seite schweizernationalbank.ch nicht mehr erreichbar.

Darum gehts bei der Vollgeld-Initiative

Die Initianten wollen, dass nur der Staat Geld schaffen kann, konkret die Schweizerische Nationalbank (SNB). Das hiesse für die Banken, dass sie nur das Geld verleihen dürften, das sie wirklich besitzen. Aktuell ist deutlich mehr Geld im Umlauf, als physisch als Bargeld existiert. Möglich macht dies die Kreditvergabe der Banken an ihre Kunden. Die Kredite werden nicht vom Guthaben anderer Kunden finanziert, sondern existieren nur virtuell, so die Initianten. Guthaben vieler Bankkunden seien also eigentlich Forderungen gegenüber der Bank, beziehungsweise von den Banken «aus dem Nichts» geschaffenes Geld.

Bei Annahme der Initiative wäre die SNB künftig nicht nur ausschliesslich für die Schaffung von Bargeld, sondern auch für die elektronische Geldschöpfung allein zuständig. Von den Banken durch die Kreditvergabe geschaffenes Buchgeld würde verschwinden und durch sogenanntes Vollgeld der SNB ersetzt werden. Die Banken dürften weiter Kredite gewähren, aber nur in dem Umfang, in dem sie selber über Vollgeld verfügen. Banken müssten also vor der Kreditvergabe erst Geld von Kunden oder Investoren einsammeln.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca am 31.03.2017 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm wenn jemand so etwas

    glaubt und auf einer unbekannten Internetseite Daten preis gibt. Die Leute sind wirklich blöd.

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  • Denker am 31.03.2017 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    April, April. Der Blick macht was er will.

    Auch einen deplatzierten Scherz. Statt im April jedoch im März.

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  • Keni am 31.03.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Gelungene Aktion. Ich hoffe die Schweizer informieren sich rechtzeitig für die Abstimmung. Es wird Zeit andere Weichen zu stellen bei der Geldpolitik. Sonst gehen wir bald mit einer Blase unter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Meier am 01.04.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Scherzkeckse

    Die Vollgeldinitiative hätte es eigentlich auch verdient, als 1. April- Scherz behandelt zu werden. Bin mir sicher, das wird im Ausland sogar so verstanden. Leider ist das nicht so.

  • Anneli am 01.04.2017 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    31. März

    Ich habe bei der Meldung tatsächlich als Erstes an einen Aprilscherz gedacht, diesen Gedanken dann aber verworfen, weil es gestern war.

  • Thomas am 01.04.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Fragen

    Die SNB ist doch die Bank von Bürgerinnen und Bürger. Warum soll nicht die Allgemeinheit von der Geldschöpfung profitieren? Warum sollen private Banken das elektronische Geld herstellen und nicht die SNB?

    • Der Kantönler am 01.04.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Tun wir doch! Kennen Sie den Betrag, der an die Kantone ausgeschüttet wird. Ihnen direkt würde ich auch kein Geld geben - aber die Kantone bauen damit Strassen, unterstützen die Kultur, Bildung, Sicherheit etc.

    • Müde Wählerin am 01.04.2017 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht so

      Sie irren sich. Die SNB ist genau so wenig die Bank von Bürgerinnen und Bürgern, wie bspw. die SBB oder die öffentlichen Strassen allen BürgerInnen gehören. Die Institutionen sind vom Schweizer Volk abgekoppelt, weshalb auch immer mehr Gesetze und Verordnungen erlassen werden können, die sich gegen mehrheitliche Interessen richten.

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  • Klaus am 01.04.2017 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist Zeit die Weichen zu stellen

    Wer gegen vollgeld ist, sagt ja zum Casino royal des jetzigen Finanzsystemes, es gibt keinen einzigen vernünftigen und nicht wiederlegbaren Grund das vollgeld abzulehnen. Darum haben wir die einmalige Gelegenheit diesem abzockertum den Stecker zu ziehen. Alles andere als ein klares ja stürzt uns in den Abgrund.

    • Frank am 01.04.2017 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      Abstellgleis

      Um Deine populistische Ausdrucksweise weiter zu führen: Du willst also die Weiche Richtung Abstellgleis stellen. Der von Dir geforderte Grund warum es nicht sinnvoll ist Vollgeld in der Schweiz anzunehmen: Die Schweiz macht etwa 1% des weltweiten Bruttosozialproduktes aus. Das Finanzsystem ist international. Das von Dir geforderte Vollgeld gibt den schweizer Banken einen enormen wirtschatlichen Nachteil, ohne dass das Risiko, vor dem Du warnst ernsthaft verkleiner wird.

    • No Way am 01.04.2017 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Nein, eine Annahme der Initiative stürzt uns in den Abgrund. Firmen gehen am Laufmeter konkurs, hohe Arbeitslosigkeit, noch grösseres Loch in der AHV, Abwanderung grosser Firmen, sinkender Wohlstand, höhere Kriminalität, etc. bitte nochmals überlegen. Woher sollen die Firmen ihre Kredite dann bekommen? Etwa von der SNB? Neues Monopol? Bitte mal ernsthaft über die möglichen Konsequenzen nachdenken.

    • Byrus am 01.04.2017 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @No Way @ Klaus

      Das Finanzsystem ist natürlich international. Aber es spielt fürs Ausland keine Rolle wie die Schweiz ihr Geld herstellt. Und die Banken bekommen das Geld entweder von der Nationalbank, oder von Sparkonten der Bürger, oder von anderen Banken - so wieves eigentlich normal sein sollte. Aber selber herstellen, gahts no?

    • CptMcROFLcopter am 01.04.2017 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Doofe Initiative. Es wird hier eine viel zu einfache Lösung für ein sehr komplexes globales Problem geliefert. Das kann gar nicht gut gehen. Ich war zuerst unschlüssig, habe mir dann die Initiative durchgelesen und bin jetzt ein überzeugter Gegner.

    • Marco S. am 01.04.2017 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Gratuliere Klaus, ich bin absolut der selben Meinung, für das Vollgeld gibt es nur ein klares JA. Es ist fast nicht zu Glauben, wie Desinformiert die meisten Bürger sind, wenn es darum geht das bestehende, verzinste Schuldgeldsystem und dessen Folgen zu verstehen.

    • Erich Ed. Müller am 01.04.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Nur Wolken.

      @Marco S. Ich glaube nicht, dass die Bürger desinfornmiert sind. Jeder der ein paar Aktien hat ist wahrscheinlich dagegen. Und die meisten Gegner der Vollgeldinitiative sind Grossverdiener. Die haben kein Interesse daran, dass das jetzige System beseitigt wird. Nur gerade 10% des Geldes kommen von der Nationalbank, der Rest sind von den Banken im Computer als reine Zahl produzierte Wolken, mehr nicht. 90% des Geldes existiert gar nicht real, physisch, sondern nur als Zahlenreihe. Den Schaden hat das arbeitende Volk. Darum ist die Vollgeldinitiative wichtig!

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  • Benni am 01.04.2017 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe!

    Hier sieht man leider den Nachteil der direkten Demokratie! Volkswirtschaft ist ein schwieriges Thema und ohne die Möglichkeit der Banken die Akzelleratorwirkung auszunutzen wird der Staat weit höhere Subventionen sprechen müssen um die Konjunkturschwankungen auszugleichen. Die Schweiz hat jetzt schon eine sehr konservative Geldpolitik - bei einer Annahme der Vollgeldinitiative wird es uns allen weit schlechter gehen - von daher gesehen bitte nicht abstimmen, wenn man den Zusammenhang nicht versteht.

    • hemp am 01.04.2017 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benni

      hmm... also im moment zahlen viele leute Zinsen an Banken für Geld welches nicht Existiert.... in zukunft würde das Geld von der SNB hergestellt und verliehen.... somit fliesst der Zinsgewinn in die Staatskasse ... also wo bitteschön soll hier ein negativer effekt sein, alle werden weniger Steuern zahlen müssen... fertig mit Spaaren beim Staat... und fertig mit Millionengehälter...

    • Cris am 01.04.2017 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benni

      Pure diffuse Angstmache. Etwa so stell ich mir die Gegen-kampagne der Banken vor: einen 'Experten' vorschieben der meint dass wir a) eh keine Ahnung hätten und nicht abstimmen sollten und b) diffuse, unbegründete Angst vor Jobverlust macht.i

    • Kratos am 01.04.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      Direkte Demokratie

      Konservative und Sozialisten finden immer Gründe um unsere Demokratie schlecht zu reden. Dabei sind sie selber das einzig Schlechte in diesem Land!

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