04. September 2007 23:59; Akt: 05.09.2007 09:36 Print

SP provoziert mit Angstmacher-Plakat

Nach der SVP versuchts nun die Linke mit einem gewagten Wahlkampf-Sujet: Die SP benutzt Terrorangst im Kampf gegen Atomenergie. PR-Berater Manfred Messmer lacht über das stümperhafte Bild.

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Nachdem der schwarze Block die SVP-Demo am 6. Oktober 2007 massiv gestört hat, ist diese Plakatwand ziemlich verunstaltet in der Reithalle aufgetaucht. Am 6. Oktober 2007 wird die SVP in Bern eine bewilligte Grosskundgebung durchführen. Diese könnte von Linksaktivisten massiv gestört werden. Das linke Komitee «Schwarzes Schaf» will ein friedliches Fest. Bild: Alessandro Meocci Der Zürcher SP-Gemeinderat Andrew Katumba demonstriert mit schwarzen Schafen gegen die SVP-Kampagne. Neresso Felix Müri und George Clooney : Zwillinge, bei der Geburt getrennt. Der SVP-Mann hat sich mit der Parodie eine Klage von Nespresso eingehandelt. Unbekannte haben in Bern SVP-Wahlplakate verunstaltet. Aargauer Jungsozialisten im Stil der Zürcher SVP. Die SP mit einem klaren Standpunkt zur Atomenergie. Etwas unsensibel ist der Zeitpunkt: Das Plakat wurde knapp eine Woche, bevor sich die Anschläge vom 11. September zum sechsten Mal jähren, lanciert. Aus der Küche des Unterwalliser Nationalrats Oskar Freysinger stammt dieses Plakat: «Benutzt Eure Köpfe». Gläubige Moslems fühlten sich zutiefst verletzt. Die Antwort kam sogleich... Auf dem Plakat sind Hitler und Freysinger nebeneinander zu sehen. (Sinngemäss:) «Österreicher: Hatten wir schon». Der Name Freysinger stammt aus Österreich. Freysinger überlegt sich eine Klage gegen die linke Walliser Zeitung . Die junge SVP Baselland hat mit dem Video, das einen echten Mord (in den USA) zeigt, weit übers Ziel hinausgeschossen. Die SP mit einem Plakat gegen die «Ewiggestrigen». An wen sich die Botschaft richtet, ist klar. «Drogen: Das wahre Gesicht der Linken»: Die SVP hat sich bei , einer amerikanischen Drogenpräventionsseite, bedient. Im SVP-Online-Spiel darf Zottel die Grünen prügeln, Richter treten und Ausländer wegbugsieren. Mit den Bildern von Novartis-CEO Daniel Vasella, Credit Suisse Chef Oswald Grübel und UBS CEO Marcel Ospel wirbt die SP gegen eine zu wirtschaftsfreundliche Politik, wie sie beispielsweise die FDP betreibt. Konkret gegen die FDP schiesst die SP mit diesem Plakat. Witzig das Plakat von Nationalratskandidat Roberto Rodriguez. Er hat das Filmplakat seines regieführenden Namensvetters aus Hollywood von dessen letztem Streifen «Grindhouse» nur minimal verändert. Und dann sind da noch die schweigenden Lämmer der SVP. Hier das Original der Ausschaf(f)ungsinitiative. Die Parodien darauf sind zahllos... Die SP hat eine Gegenforderung parat. Eine ähnliche Forderung stellt die PdA (Partei der Arbeit) im Internet. Da sind zum Beispiel die ergänzten Plakate. Auch für einen Cartoon ist das Plakat Pate gestanden. Andere setzen die SVP in die äusserste rechte Ecke des politischen Spektrums. Auch dieses Plakat stellt die SVP in die rechte Ecke. «Sicherheit schafen». Auch hier der Faschismus-Vorwurf.

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Ein Flugzeug, das in 9/11-Manier in ein Atomkraftwerk kracht: 5000 dieser Plakate, mit denen die SP den Ausstieg
aus der Atomenergie fordert, werden ab nächster Woche die Schweiz zupflastern. «Wir wollen aufzeigen, dass es die absolute Sicherheit bei AKWs nicht gibt», so SP-Generalsekretär Thomas Christen.

Den Vorwurf, die SP versuche nun wie die SVP, etwa mit ihrem Messerstecher-Plakat, Angst in der Bevölkerung zu schüren, lässt Christen nicht gelten. Die Gefahr eines atomaren Supergaus sei real, die SVP hingegen diffamiere mit ihren Kampagnen gezielt gewisse Personengruppen. Und: «Wir wollten nicht 9/11 imitieren, sondern die Gefahr der Atomenergie unabhängig von den Anschlägen aufzeigen.»

«Die sind nicht ganz dicht», spottet PR-Experte Manfred Messmer. Die SP versuche die SVP-Strategie der Angstmacherei zu kopieren. Die Bildsprache sei aber völlig falsch, denn man assoziiere mit dem Bild höchstens die Angst vor Terroranschlägen – aber sicher nicht die Angst vor Atomenergie. Ausserdem sei die Qualität obermies. Messmer: «Daher wird die Kampagne keine Wirkung haben und ihr Ziel verfehlen.»

Nico Menzato