Angelo Barrile

25. Januar 2020 21:36; Akt: 26.01.2020 01:53 Print

Wer Ja zu Anti-Homohass-Gesetz sagt, wird geküsst

Nationalrat Angelo Barrile (SP) setzt sich für die Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm ein und ruft eine ungewöhnliche Aktion ins Leben.

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Am 9. Februar stimmt die Schweiz darüber ab, ob die Anti-Rassismus-Strafnorm erweitert werden soll. Bereits heute ist die Diskriminierung oder Hetze gegen eine Religion oder Ethnie strafbar und kann sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Neu könnte das Gesetz auch bei Diskriminierung wegen Homo-, Hetero- oder Bisexualität greifen.

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Nationalrat Angelo Barrile (SP) setzt sich für ein Ja in der Abstimmung ein. Er selbst steht offen zu seiner Homosexualität. Um seinen Wählern für die Unterstützung mit einem Ja im Abstimmungskampf zu danken, hatte er eine unkonventionelle Idee: Unter dem Namen «One vote, one kiss», gibt es für das Ja zur Erweiterung zur Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm, einen Kuss auf die Wange. Die Aktion läuft seit Freitag.

«Junge Menschen sollen nicht glauben, dass sie krank sind»

«Es war eine spontane Idee, die ich erst Anfang der Woche hatte», sagt Barrile gegenüber 20 Minuten. Immer wieder habe er zu hören bekommen, dass man Schwule zwar toleriere, aber man aufhören solle, sich in der Öffentlichkeit zu küssen. Das finde er nicht richtig. Queere Menschen seien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oft Diskriminierung und Hass ausgesetzt, so der SP-Nationalrat. «Ein solches Verhalten fördert Gewalt. Einiges ist zwar schon heute strafbar, aber wenn es soweit kommt, ist es zu spät. So etwas hat in unserer Gesellschaft keinen Platz.»

Aus seinem Umfeld bekommt Barrile viel Zuspruch für die Aktion: «Viele finden das eine gute Sache. Zum einen kokettiere ich mit den Klischees: ‹die Schwulen, die da Küssli verteilen› und zum anderen, ist es als Dank anzusehen, dass man uns so unterstützt, wie wir eben sind.» Sein Ziel – neben dem positiven Abstimmungsergebnis – ist die Sensibilisierung. «Ich will damit erreichen, dass auch junge Menschen wissen, dass sie akzeptiert werden und nicht anders oder krank sind, nur weil sie sich beispielsweise zum selben Geschlecht hingezogen fühlen», so der SP-Nationalrat. Er selbst habe sich in der Jugend zu lange verstellt und versteckt. Nun will er als Vorbild agieren.

Chancen stehen gut

Um an der Aktion teilzunehmen, kann man laut Barrile ein Foto des Stimmzettels oder des verschlossenen Stimmcouverts im Internet posten. Dann gebe es bei der nächsten Begegnung mit dem SP-Nationalrat einen Handschlag, eine Umarmung oder eben ein Küsschen.

Die Chancen für eine Erweiterung stehen aber gut. Laut der zweiten Welle der 20-Minuten-Umfrage wollen (Stand 14. Januar 2020) 66 Prozent Ja zur Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm auf Homo- und Bisexuelle sagen. Nur 30 Prozent sprechen sich gegen die Vorlage aus.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Annabelle am 25.01.2020 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wer schütz mich als CH vor Rassismus?

    Ich verstehe seine Anliegen durchaus. Ich habe eine Frage, wer schützt MICH vor den Beschimpfungen von ausl. Kunden, (ja, das ist so) wenn ich ihnen an meinem Arbeitsplatz sagen muss, dass hier nicht geklaut wird. Dann werde ich bedroht, sie beschimpfen mich in ihrer Sprache, die ich nicht verstehe, natürlich weil ich als Frau mich getraue, sie zurecht zu weisen. Man will mich "an den Haaren von meinem Stuhl reisen" (wurde mir so gesagt) und droht mit Anwalt und dass mein Auto brennen könnte. Wer schützt mich davor? Das "erdulden" wir Frauen!

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  • Stimmbürger am 25.01.2020 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt noch viele andere leidende Randgruppen

    Ich habe nichts gegen Homosexuelle und würde sie niemals beleidigen, benachteiligen oder gar verprügeln. Nur verstehe ich nicht ganz, weshalb diese sich mit einer gesetzlichem Extrawurst von andern diskriminierten Personengruppen abheben wollen.

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  • Kurt von Stauffen am 25.01.2020 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Noch ein Grund mehr...

    nein zu stimmen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bettydotty am 26.01.2020 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Kuss von

    Barrile? Wäääähhhhhh

  • Werns am 26.01.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bin zwar total gegen

    Homophobie, aber in dem Fall bleibe ich lieber im Klub der ungeküssten...

  • Werns am 26.01.2020 08:14 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Alexander Hirzel am 26.01.2020 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit

    Es geht gar nicht um die Homosexuellen sondern darum die Meinungsfreiheit einzuschränken. Sie wollen dass bürgerliche politische Meinungen nicht mehr gesagt werden dürfen.

  • Bud S. am 26.01.2020 03:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzwertig

    ist das nicht schon Wahlbeeinflussung? ist ja wie wenn ich sagen würde "Wer nein sagt, bekommt 5 fränkli" so kann man sich auch Stimmen generieren