Kuschen vor SVP?

11. Oktober 2015 18:56; Akt: 11.10.2015 20:00 Print

SRF-Chef wehrt sich gegen Zensur-Vorwürfe

Das Schweizer Fernsehen kippt mehrere politische Reportagen aus dem Programm und erntet dafür viel Kritik. Von «Paranoia» und «Selbstzensur» will die Chefredaktion nichts wissen.

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Erstmals nimmt SRF-Chefredaktor Tristan Brenn gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» Stellung zu den Vorwürfen, das Schweizer Fernsehen zensiere aus Angst vor der SVP kritische Sendungen mit linken, europafreundlichen Protagonisten. «Wir kuschen vor keiner Partei, auch nicht vor der SVP», sagt Brenn im Interview mit der Zeitung.

TV-Chefredaktor Brenn verweist auf die Kassensturz-Sendung, die kürzlich die Konsumentenfreundlichkeit der Parteien untersuchte und zu massiver SVP-Kritik führte, weil die Partei im Ranking schlecht abschnitt: «Dass wir von rechts und links kritisiert werden, unterstreicht die Unabhängigkeit von SRF».

Zu den konkreten Vorwürfen, SRF betreibe «Selbstzensur» und «vorauseilenden Gehorsam», weil eine «Reporter»-Sendung mit dem österreichischen Schriftsteller Robert Menasse und dem Schweizer Literaturkritiker Stefan Zweifel aus politischen Gründen erst nach den Wahlen gesendet wird, sagt Brenn: «Die Redaktion hat ihren Entscheid zur Verschiebung des Films unvollständig erklärt, was ärgerlich ist.

Ausstrahlung hätte gegen Richtlinien verstossen

Die Redaktion hatte Bedenken, weil der Film, der ein philosophisches Gespräch zweier Intellektueller zeigt, nicht in die Primetime am Sonntag Abend passt. Aus falscher Rücksichtnahme gegenüber den Protagonisten ist dies nicht so begründet worden. Dass dabei Ängste vor einer Partei eine Rolle spielten, ist frei erfunden. Im Nachhinein bin ich froh um den Entscheid. Zweifel kandidiert für den Nationalrat. Der Film hätte also gemäss unseren Richtlinien ohnehin nicht vor den Wahlen ausgestrahlt werden dürfen.»

Dass SRF den Dokumentarfilm trotzdem zuerst unmittelbar vor den Wahlen programmierte, begründet Brenn mit einer Informationspanne: «Stefan Zweifel hat den Autor des Films frühzeitig über seine Kandidatur informiert. An die Redaktion ging diese Information leider nicht weiter, auch das ist ärgerlich.»

Dass ein weiterer Dokumentarfilm mit SP-Nationalrätin Jacqueline Badran erst nach den Wahlen ausgestrahlt wird, was dem Schweizer Fernsehen von Badran die Kritik eintrug, man habe «Paranoia» vor linken Themen, verteidigt SRF-Chefredaktor Brenn: «Auf die geplante Ausstrahlung Anfang Juli verzichtete die Redaktion, weil Badran kurz zuvor schon in der Arena einen prominenten Auftritt zur RTVG-Abstimmung hatte. Nach dem Sommerprogramm standen dann bereits die Wahlen an. Und hier gelten die angesprochenen Regeln in den publizistischen Leitlinien. Aus meiner Sicht wurde in diesem Fall richtig entschieden.»

(slw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roll2go am 11.10.2015 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es ist wie es ist

    Wäre ja überraschend, wenn Brenn dazu stehen würde. Das SF kommt nun mal links rüber!

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  • Holger H. am 11.10.2015 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Service public

    Service public bedeutet auch, uns Sendungen mit der Badran zu ersparen. Auch der Gesundheit zuliebe.

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  • Daniel am 11.10.2015 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zensur existiert

    Gerade heute im ORF gesehen. Was da eine Reporterin geboten hat, war unter jeder Kanone. Zuerst redet sie ellenlang, dann eine Frage, eine kurze Antwort des Gefragten, eine undeutliche Zweitfrage, worauf der Gefragte um Wiederholung fragte und dann wurde das ganze abgeklemmt. Zuvor gab es eine sehr ausführliches Interview mit viel Redezeit eines anderen Politikers. So was habe ich noch nie gesehen und hoffe, so was in der Schweiz nie sehen zu müssen. Aber der Trend spricht dagegen. Leider. So kann Demokratie nicht funktionieren und wird zu einer weiteren Verschiebung der Kommunikation führen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gast am 18.10.2015 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehren und lernen

    Anhand der Diskussion rund um Politik und TV sieht man wie bestechlich und leicht beeinflussbar das ungebildete Volk ist. Abgesehen davon macht das Schweizer Fernsehen einen ausgezeichneten Job was die Aufklärung (Geschichte) und die Machenschaften in der Politik anbelangen.

  • Michael am 13.10.2015 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    CH will 50 % Fetzen-Fliegen sehen

    d.h Blaue-Briefe müssen verschickt werden - wir lassen uns nicht 200 Normal-Abgänge vertrösten.

  • Jacky M. am 13.10.2015 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mmh, man wollte die

    Doksendungen nicht ausstrahlen, weil man solche Sendungen nicht vor den Wahlen ausstrahlen wollte?? Da passt aber einiges nicht zusammen! Andere Dinge werden bewusst ausgestrahlt, obwohl sie auch die Wahlen "beeinflussen" könnten. Naja, da würde wohl "auf die richtige Seite" beeinflusst. Hatte SRF Angst, dass bei Frau Badran oder Herrn Zweifel etwas rauskommen könnte, was ihre Wiederwahl behindern könnte?? Grad jetzt, VOR den Wahlen, sollten ja wohl solche Dinge rauskommen! Damit sich die Wähler selber ein Bild machen können!

  • Herbert Müller am 12.10.2015 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist links

    Hier sollte niemand vergessen: Wer ganz rechts außen steht, muss die ganze Welt als links ansehen. Ich sehe objektiv nicht im geringsten wo dieses SRF links sein soll. Kann mir mal jemand auch nur ein Argument geben (Ausser dem einen neutralen Kassensturz vor 2 Wochen)? Ist denn Kunst und Philosophie auch etwas linkes? Und dann muss ich fragen: Bildung auch? Macht mich helle!

    • Integrationswilliger am 12.10.2015 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vergiss es, Herbert

      In der Schweiz bedeutet offenbar "Links" und "rechts" etwas anderes als im restlichen Europa. Und als diese Begriffe erfunden wurden, war "Links" liberal und "Rechts" royalistisch und gegen eine Verfassung. Da wird man schon verwirrt, wenn man sich hier integrieren will. Aber bestimmt finde ich einen Lehrmeister, der mir die Geheimnisse der eidgenössischen Politterminologie erklärt.

    • roger am 12.10.2015 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herbert Müller

      das ist genau auf den punkt gebracht!! das soll keine frage zur aufklärung sein? die sehen bildung, philosophie und kunst auch als links. fraglich nicht? und was können wir daraus schliessen??

    • Beeinflussung durch SRF am 14.10.2015 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Herbert Müller

      Am Tag der National- und Ständeratswahlen 2007 morgens ca. 10:30 auf DRS3 hat die Moderatorin die Hörer mehr oder weniger klar aufgefordert so wählen zu gehen damit die SVP nicht zu viele Stimmenprozente holt. Soweit zur Nichtbeeinflussung durch das staatlich finanzierte Medienunternehmen.

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  • Floh am 12.10.2015 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles daneben Links

    neben der SVP ist alles Links - wann schnallt das wohl jeder? Das ist wie das es beim Nortpol nur nach Süden geht.