Beanstandung abgelehnt

28. Februar 2019 13:59; Akt: 28.02.2019 13:59 Print

SRF darf Penis-Witze machen

Ein Zuhörer beschwerte sich beim SRF-Ombudsmann wegen Penis-Witzen. Der musste selbst darüber lachen.

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Witze über Penisse, die Comedian Hazel Brugger in einer Radiosendung von SRF 1 gemacht hatte, sind nicht zu beanstanden. Zu diesem Schluss kommt SRG-Ombudsmann Roger Blum (74), nachdem ein Radiohörer Beschwerde gegen den Beitrag «Männer haben mehr Humor als Frauen» vom 31. Dezember eingereicht hatte, so der «Blick».

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«Dieser Beitrag verletzt die Menschenwürde und ist sexistisch», schrieb der Hörer in seiner Beanstandung. «Frau Brugger elaboriert gefühlte 5 Minuten über den ‹unerigierten Penis› und macht sich darüber lustig und verletzt Männer, die infolge Prostataoperation keinen ‹erigierten Penis› mehr haben können. Auch wenn Hazel Brugger Comedy macht, heisst das nicht, dass man sich über ein Geschlechtsteil dermassen lustig machen muss.»

Er habe sich sehr betroffen gefühlt, da er eine Prostataoperation gehabt habe. «Es genügt scheinbar nicht, dass ein Mann nach einer Prostataoperation seelisch verletzt ist, weil er den Lebenspartner nicht mehr voll befriedigen kann, nein, man muss auch noch als Belustigungsvorlage für Hazel Brugger dienen», heisst es in der Beschwerde.

Nicht sexistisch oder diskriminierend

Anina Barandun, Redaktionsleiterin Hörspiel und Satire bei SRF, sieht kein grosses Problem in Bruggers Auftritt, obwohl diese einen nichterigierten Penis als «kümmerliche Fleischpatrone» und «kleinen Mann», der zwei «megaüberfüllte, abgewetzte, ausgeleierte, lederne Müllsäcke» hinter sich herziehe, vergleicht. «Man kann diese Vergleiche geschmacklos, pubertär oder einfach nicht lustig finden. Sexistisch oder gar diskriminierend sind sie mit Sicherheit nicht», findet sie.

Bruggers Beitrag sei nicht männerfeindlich, sondern ein ironisches Spiel. Darauf deute allein der Titel des Beitrags hin: «Männer haben mehr Humor als Frauen.» Das könne eine vielfach ausgezeichnete Satirikerin nur ironisch meinen. Man(n) sei also gewarnt.

Weiter heisst es in der Stellungnahme: «Wenn sich ein Zuhörer oder eine Zuhörerin durch einen unserer Beiträge persönlich verletzt fühlt, ist das in keinem Fall auf eine Absicht unsererseits oder stillschweigende Akzeptanz zurückzuführen.» Man bedauere sehr, dass sich der Hörer den Silvesternachmittag durch diesen Beitrag habe trüben lassen. «Dass Hazel Brugger bei ihrem Text nicht an (ältere) Männer mit Erektionsproblemen aus gesundheitlichen Gründen gedacht hat, scheint mir allerdings unmissverständlich, denn sie macht mit keinem Wort eine entsprechende Anspielung», heisst es weiter. Sie sage vielmehr: Männer sehen «von Babyalter an aufwärts», sie sehen «jeden Tag von ihrem Leben» ihren unerigierten Penis.

«Ich fühlte mich als Mann nicht diskriminiert»

SRG-Ombudsmann Blum zeigt Verständnis für den Hörer, nimmt aber Brugger in Schutz: «Ich verstehe gut, dass der Beitrag Sie in Ihrer Situation betroffen machte und dass Sie keineswegs erheitert, sondern deprimiert waren durch die Art und Weise, wie Hazel Brugger über den unerigierten Penis sprach. Ich bin allerdings sicher, dass Hazel Brugger überhaupt nicht an Männer dachte, die eine Prostataoperation hinter sich haben, und schon gar nicht diese im Visier hatte.»

Brugger habe sich über die «kümmerliche Fleischpatrone» nicht nur lustig gemacht, sondern bewundere diese auch. Sie sei ein «Riesenfan». Das Ding sei «ein Geschenk», von dem die Fortpflanzung der Menschheit abhänge.

Blum gibt zu, über den Beitrag gelacht zu haben: «Ich fühlte mich als Mann nicht diskriminiert, und ich habe auch nicht den Eindruck, dass die Männerwelt insgesamt herabgewürdigt wurde.» Der Mann werde nicht auf sein primäres Geschlechtsorgan reduziert, sondern ganzheitlich gezeigt – als Mensch mit Humor, als jemand, der von Kindsbeinen an auf sein lächerliches Ding herabblicke und der für die Fortpflanzung der Menschheit sorge. «So gesehen, kann ich Ihre Beanstandung bezogen aufs Gesamtpublikum nicht unterstützen, auch wenn ich grosses Verständnis für Ihre Betroffenheit in Ihrer spezifischen Situation habe», schliesst der Ombudsmann.

(maz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon am 28.02.2019 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heult doch!

    Ok. Und wenn ein Mann im Fernsehen über Hängebrüste redet, sieht die Sache gleich ganz anders aus. Ich mag Hazel Brugger, und ich fühle mich nicht verletzt. Aber Himmel nochmal, all diese Antiseximusprediger: Heult doch! Zwei Worte, die viel ziel zu selten gesagt werden!

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  • T.T am 28.02.2019 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle gleich, oder?

    Ich fühle mich wegen dem Witz nicht als Mann diskriminiert... aber ich fühle mich vom Gesetzt als Mann diskriminiert.

  • Elin am 28.02.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nervtötend

    Wie sieht es mit Witzen über Hängebrüste aus die als Knieschoner durchgehen könnten oder riesige Schamlippen auf die selbst Dumbo neidisch wäre? Es wird nicht mehr mit gleichen Ellen gemessen. Männerwitze sind "empowering", Frauenwitze gelten als sexistisch. Genau hier liegt der Hund begraben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Me2 Mogli am 28.02.2019 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Er ist angewachsen

    Also wenn eine Frau über viele Penisse sprechen kann, dann frage ich mich woher spricht ja eher gegen sie. Diese muss eine Menge Erfahrungen besitzen. Naja soll ja Frauen geben die sogar eifersüchtig sind weil ein Mann ein Gehänge hat und die Frau nicht. Vielleicht ist dieser Komikerin, ein Penis über Nacht gewachsen. Finde solchen Humor nur primitiv. Wer kann etwas für seine Anatomie?Gibt es keine wichtigeren Probleme auf der Welt?Frauen jammern die ganze Zeit und dieses Me2 jetzt sollen auch Männer eine Me 2 Kampagne haben.

  • M. Hugler am 28.02.2019 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen sind Arten geschützt

    Nur das weibliche ist Artengeschützt, da darf nichts gesagt werden. Aber über Männer darf man alles, huetige sog. Gleichstellung

  • Tom am 28.02.2019 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Gott hab ich es satt!!

    Dieses Theater von Diskriminierungen, Gender-Quatsch, Sexismus-Vorwürfen, Rassismus schon beim Furzen, jede 2. Begegnung ist sexueller Übergriff... unsere Gesellschaft ist drauf und dran in Riesenschritten zu verblöden, Wohlstand und Socialmedias sei Dank! Das Schlimmste dabei ist aber, dass ECHTE Übergriffe und Diskriminierungen inflationär und somit immer weniger ernst genommen werden!!

  • Frtz am 28.02.2019 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schneeflockengesellschaft

    Absolut humorlos. Wäre jeder so betroffen, dann müssten Witze verboten werden. Wollen wir dieselbe Gesellschaft wie in Amerika? nein danke, PC ist zu verbieten. Genau dieselbe Diskussion wie das Fasnachtsgelirr...

  • M Mueller am 28.02.2019 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Heuchler

    Entweder ist es ok über das Ausschauen von einer Menschengruppe oder deren Körperteile Witze zu machen, oder es ist es nicht. Mir doch egal. Was nerft ist, dass es manchmal ok sein soll und manchmal nicht.