Vorbestrafter Betreiber

12. Oktober 2018 13:10; Akt: 12.10.2018 13:37 Print

SRG kooperiert mit ultra-religiösem Radiosender

von Stefan Ehrbar - Der Sender Radio Freundesdienst predigt gegen Evolutionslehre, Homo-Ehe und Abtreibungen – und erhält nun von der SRG die Radionachrichten.

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Die SRG hat mit den beiden Radiosendern Freundesdienst und James FM Vereinbarungen abgeschlossen. Sie dürfen neu die Radionachrichten von SRF übernehmen. Hinter Radio Freundesdienst steht ein christliches Missionswerk. Die Ausrichtung des Senders ist streng religiös. Einer der Betreiber predigt in Sendungen gegen Abtreibungen, die Homo-Ehe oder die Evolutionslehre. Wie viel Geld Radio Freundesdienst für die Übernahme der SRF-Nachrichten bezahlen muss, verrät SRG-Sprecher Edi Estermann nicht. Die Kooperation stärke den Medienplatz Schweiz. Das Angebot stehe allen gemeldeten Sendern offen, die die Schweizer Rechtsordnung respektierten. Radio Freundesdienst müsse die Nachrichten von SRF deutlich vom Programm abtrennen und SRF als Quelle nennen. Zudem habe sich der Sender verpflichtet, die Menschenwürde zu achten, weder diskriminierend zu sein noch zu Rassenhass beizutragen oder Gewalt zu verharmlosen, so Estermann. Die SRG hat vor einem Jahr privaten Anbietern angeboten, die Radionachrichtensendungen zeitgleich, integral und mit Quellenangabe zu übernehmen. Derweil kämpft Radio SRF auch um junge Hörer: Wie der Bundesrat kürzlich schrieb, höre bei den 15- bis 34-Jährigen nicht einmal mehr jeder Zweite wöchentlich linear ein Radioprogramm der SRG. Auch deshalb wolle die SRG einen grossen Teil des Berner Radiostudios in den SRF-Newsroom in Zürich-Leutschenbach (Bild) verlegen, so der Bundesrat. Eine Analyse der Zahlen zeigt: Tatsächlich nahm die Hördauer der SRG-Radios zwischen 2011 und 2018 ab. Die privaten Radios (im Bild: Energy Zürich) konnten aber im selben Zeitraum sowohl Marktanteil als auch Hördauer ausbauen. Die Radiobranche prüft zudem, ob der Verbreitungsstandard UKW bereits 2021 abgeschaltet werden könnte. Die Sender setzen stattdessen auf den digitalen Standard DAB+. Mit DAB+ können etwa mehr Radioprogramme übertragen werden und digitale Zusatzinfos angezeigt werden. Momentan nutzen 34 Prozent der Hörer DAB+ und 39 Prozent UKW. Der Rest entfällt auf das Internet. UKW verliert aber pro halbes Jahr etwa vier Prozent Marktanteil zugunsten von DAB+ und dem Internet. Gleichzeitig ist die parallele Verbreitung von Programmen über UKW und DAB+ teuer. Im Moment wird die Parallelverbreitung noch vom Bundesamt für Kommunikation subventioniert. Diese Förderung könnte aber 2021 wegfallen – mit ein Grund, weshalb die Branche sich schon auf eine frühere UKW-Abschaltung einigen könnte. Ob die Pläne umgesetzt werden, wird auch von der Akzeptanz von DAB+ entschieden. Die Branche gibt sich optimistisch. Auch von den neu verkauften Autos besitzen mittlerweile 85 Prozent ein DAB+-Gerät, wie Philippe Zahno von der Arbeitsgruppe Digimig sagt.

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Die SRG kooperiert neu mit dem Radiosender Radio Freundesdienst. Wie sie in einer Mitteilung schreibt, hat Radio Freundesdienst eine Vereinbarung zur Übernahme der Radionachrichten von SRF abgeschlossen. Auch der Musiksender James FM ist eine solche Vereinbarung mit dem öffentlich-rechtlichen Sender eingegangen. Die SRG freut sich über diese beiden neuen Kooperationen, wie sie schreibt.

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Hinter Radio Freundesdienst steht das gleichnamige Missionswerk. Es bezeichnet sich als «überkonfessionelle Organisation mit dem Ziel, die Frohe Botschaft von Jesus Christus weltweit zu verkünden». Das Hilfswerk ist nicht unumstritten. Einer der beiden Betreiber ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Im Jahr 2003 wurde der heute 92-Jährige wegen sexueller Handlungen mit Abhängigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Im Jahr 1967 wurde er wegen sexueller Übergriffe zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, so die Zeitung.

«Evolutionslehre ist satanische Lüge»

Radio Freundesdienst vertritt streng religiöse Ansichten. In einem Beitrag vom September werden von einem Moderator etwa das Recht auf Abtreibung oder die Ehe von Homosexuellen als «Pervertierung der Gesetze» beschrieben. Über die Juden sagte der Mann in einer Sendung, sie hätten Jesus verworfen und gekreuzigt: «Das Gericht kam mit der Zerstörung Jerusalems, der Zerstreuung in die ganze Welt und unzähligen Verfolgungen über sie. Gott lässt niemanden ungestraft, der seinen Sohn verwirft.»

Terroranschläge in der ganzen Welt hätten einen «tiefen geistlichen Hintergrund», den die Bibel klar aufzeige, so der Moderator und Betreiber in derselben Sendung. Es gehöre zur «Wachsamkeit der gläubigen Christen in der Endzeitphase», diese Ereignisse nicht «im Sog der Massenmedien zu beurteilen». Die Evolutionslehre bezeichnet er in einer anderen Sendung als «satanische Lüge».

Keine Auskunft über Geld-Flüsse

Für die SRG ist die Ausrichtung des Senders kein Problem. Sie biete allen Sendern, die beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) gemeldet seien und sich an die Rechtsordnung hielten, die zeitgleiche, integrale und mit Quellenangabe versehene Übernahme der stündlichen Radionachrichten an, sagt Sprecher Edi Estermann. Das geschehe zur Stärkung des Schweizer Medienplatzes.

Die Sender müssten die übernommenen Sendungen deutlich von ihrem Programm abtrennen und SRF als Quelle unmittelbar vor der Sendung nennen. Zudem müssten alle Sendungen eines Radio- oder Fernsehprogramms die Grundrechte beachten. Insbesondere müssten sie die Menschenwürde achten, dürften weder diskriminierend sein noch zu Rassenhass beitragen. Auch Gewalt dürfe weder verherrlicht noch verharmlost werden. Radio Freundesdienst habe diese Vorgaben akzeptiert, so Estermann. Die SRG erhalte eine finanzielle Entschädigung, die sich an der Reichweite orientiere. Wie viel Geld in diesem Fall fliesst, verrät Estermann nicht.

Die Verantwortlichen des Christen-Senders freuen sich über die SRG-Kooperation, wie sie in ihrer Missionsschrift schreiben. Als «erste private Radiostation überhaupt» könne man auf die «sehr hochwertigen Nachrichten» von SRF zurückgreifen. «Wir sind dem Herrn und den Verantwortlichen von SRF sehr dankbar für diese Möglichkeit.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tigg am 12.10.2018 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Komplett daneben von der SRG. Viel falscher könnten sie es nicht machen.

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  • Radiohörer am 12.10.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts?

    Ich sehe da keinerlei Probleme: es ist ja nicht so das SRF im Gegenzug die Nachrichten von Radio Freundesdienst übernimmt und verbreitet...

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  • Peter am 12.10.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Texte lesen

    Liest eigentlich die Mehrheit der Leute heutzutage noch Texte? Oder ist es einfach Standard geworden, dass aufgrund einer Überschrift gleich eine Meinung gebildet wird? Ich lese diese Kommentare und stelle fest, kaum einer liest den Text und versteht was da steht, hat jedoch bereits eine allgemeingültige Meinung die vertreten werden will?! Verrückte Welt...!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Remo Radler am 13.10.2018 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wow, echt schlimm... :-)

    Ist doch super, dass das Programm auch genutzt wird! Und bezüglich Evolution, soll mir zuerst mal jemand beweisen bis ins kleinste Detail, dass die Evolutions THEORIE am Ende auch logisch aufgeht (vor allem die Missinglinks), danach können wir weiter drüber reden, ob es falsch isch auch eine andere Meinung zu vertreten. Denn jeder der sich empört, ist meistens auch zu 100% von seiner Meinung überzogen = alle im gleichen Boot.

  • Beo Bachter am 13.10.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Mit den ganzen (zum Teil fragwürdigen) sponsored by Artikeln, sollte 20' besser mal vor der eigenen Haustüre wischen.

    • Mr. Spock am 13.10.2018 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beo Bachter

      Danke. Einer mehr der mitbekommen hat das es hier rasant abwärts geht

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  • Röfe am 13.10.2018 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freudenhaus

    Eine Kooperation mit Freudendienst, gut do.

    • Röfe raffts nicht am 13.10.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      Freundesdienst

      Freundesdienst , nicht Freudendienst. Wer lesen kann und kein primitiver Spötter ist, hat Vorteile im Leben.

    • Martial2 am 13.10.2018 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Röfe raffts nicht

      Das war ein Spruch von ihm, aber die trockenen Schweizer haben nur selten Lust auf Humor. Ein Atheist lässt grüssen!

    • Martial2 raffts nicht am 13.10.2018 16:27 Report Diesen Beitrag melden

      das ist kein Humor

      sondern primtives Kindskopf-Getue. Glücklich, wer richtigen Humor hat, der niemanden verletzt und nicht mit Spott und Hohn auskommen muss in seinem dreisten öden Leben. Wer solche Sprüche zum Lachen braucht, hat nicht Gutes im Leben.

    • Martial2 am 13.10.2018 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2 raffts nicht

      Das war aber ein toller Kommentar, selten sowas gelesen... Amen!

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  • Mätu am 13.10.2018 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere sender haben mehr drauf

    Wer von den jungen möchte schon das Gelaber und die sture srg hören

    • Martial2 am 13.10.2018 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mätu

      Das werden nur die wenigen hören, höchstens die Gehörlosen, die dabei einschlafen...

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  • Swissman73 am 13.10.2018 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so schlimm

    Eigentlich verkauft die SRG etwas. Was dieser religiöse Radiosender macht kann den unreligiösen und aufgeklärten Menschen doch egal sein. Ist gleich wie mit der SRG, man braucht es nicht fürs Leben.

    • Martial2 am 13.10.2018 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swissman73

      Dieser religiöser Radiosender ist unwesentlich, noch nie was davon gehört, und überhaupt wen interessiert sowas? Uns nicht, wir haben gescheiteres zu tun... Z.B. Golf spielen!!

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