Service public oder Verschwendung?

12. September 2018 11:51; Akt: 12.09.2018 11:51 Print

SRG liess sich Film auf Rumantsch 2 Mio kosten

von Noah Zygmont - Das SRF zeigt zur Primetime den ersten rätoromanischen Film. Nicht bei allen kommt das gut an. Stärkt er den nationalen Zusammenhalt?

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Am 23. September 2018 zeigt das SRF den neuen Film «Amur senza fin» (dt: Liebe ohne Ende). Es ist laut SRF «der erste professionelle rätoromanische Spielfilm», es gibt aber deutsche Untertitel. Die Komödie handelt vom Ehepaar Mona und Gieri, das nach 20 Jahren in einer Ehekrise steckt. Dank Sextipps des neuen Dorfpfarrers – eines Deutschen mit indischen Wurzeln – kommt die Beziehung wieder in Schwung; im Dorf finden aber nicht alle Gefallen an dem offenen Geistlichen.

Während fünf Wochen wurde der Film im Bündnerland gedreht. Kostenpunkt: Zwei Millionen Franken. Zum Vergleich: Eine Bestatter-Folge kostete 712'000 Franken. Im 91-minütigen Heimatfilm spielen zahlreiche rätoromanische und Bündner Schauspieler mit. Darunter zum Beispiel Bruno Cathomas (52), Peter Jecklin (62) oder René Schnoz (52), die teilweise zum ersten Mal in ihrer Landessprache spielten.

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«Man lockt kaum Junge vor den Bildschirm»

Die teure Eigenproduktion ruft auch Kritiker auf den Plan. Andreas Kleeb vom Verein No Billag sagt etwa: «Für mich ist es fragwürdig, warum so viel Geld in einen Spielfilm gesteckt wird. Da sieht man nach wie vor, wie weit weg die SRG von den jungen Zielgruppen ist.» Mit dem Heimatfilm und alternden Schauspielern werde man kaum Junge vor den Bildschirm locken. Nach wie vor sei der Leistungsauftrag der SRG unklar.

Auch für Nadja Pieren von der SVP ist klar: «Es zeigt, dass die SRG über ausreichend Geld verfügt, wenn man zwei Millionen für einen Spielfilm ausgeben kann.» Grundsätzlich müsse die SRG mehr Geld in Information statt Unterhaltung stecken. Sie begrüsse es aber, wenn man in die Randregionen investiere.

«Ein Zeichen, dass man Rätoromanisch in der Schweiz wahrnimmt»

Andere wie der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas sind dagegen voll des Lobes für den Film. Für ihn ist es echter Service public: «Es ist eine Freude, einen Film in Rumantsch zu sehen. Es ist ein Zeichen dafür, dass man Rätoromanisch in der Schweiz wahrnimmt.»

«Ich kenne den Schauplatz des Spielfilms sehr gut. Im Film kämen auch junge Darsteller vor. Dass er sich nicht direkt an die Jungen richte, sei aber nicht weiter schlimm: «Der Film soll das romanische Gebiet zeigen.» Auch Parteikollege Marco Romano sagt: «Die Schweiz besteht nicht nur aus der deutschen Sprache.»

Die SRG schreibt in der Medienmappe, ein rätoromanischer Spielfilm könne «eine immense sprachpolitische Wirkung haben». Laut SRG-Sprecher Edi Estermann gehört das Abbilden der rätoromanischen Kultur und Sprache zum Auftrag der SRG. «Der Film trägt dazu bei, zur besten Sendezeit die kleinste Minderheit in diesem Land der ganzen Schweiz näherzubringen.»

Die Kritik, wieder einmal an den Bedürfnissen der jüngeren Zuschauer vorbeiproduziert zu haben, weist Estermann zurück: «Bei ersten Screenings des Films fiel das Feedback auch aus der jungen Zielgruppe durchaus positiv aus.» Der Film solle «ein breites Publikum ansprechen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LORENZO am 12.09.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    wie in alten Zeiten ;-)

    Vor der Abstimmung das Versprechen zu sparen und die Geldmittel konsumentenfreundlich einzusetzen - nach der Abstimmung wird wieder geklotzt und gezeigt, dass Geld scheinbar in Hülle und Fülle vorhanden ist - es nach altem Muster weitergeht. Macht nur weiter so - liebe SRG!

  • Kor Jin am 12.09.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das tut doch weh?

    2Mio geteilt durch 60'000 (so viele sprechen Romanisch)=34 pro Zuschauer. Baby inkl. Wieviele von diesen haben den Film wirklich gesehen? Das ist Geld zum Fenster raus schmeißen.

  • Rosa am 12.09.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld zum Fenster raus schmeissen

    Ich verstehe diese Welt nicht mehr, 2 Mio. Dafür bei der EL Revision nicht vorwärts machen und dann dort auch noch den Lebensbedarf für Kinder kürzen. Am einen Ort wird Geld zum Fenster raus geschmissen, am anderen Ort wird gespart, auf dem Buggel der ärmsten. Wie abgehoben ist unsere Geselschaft geworden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • beobachtet am 12.09.2018 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verschwendung

    mit unserem Geld kann man sich ja vieles leisten - der Beweis, dass wir zuviel Gebühren bezahlen

  • Captain Hindsight am 12.09.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibt schlimmeres

    Die SRG kann 2 Mio auch viel dümmer ausgeben.

  • devildwarf am 12.09.2018 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bo nillag

    Ich Verweise auf die No Billag Initiative, welche eindeutig gelehnt wurde. Ende der Diskussion.

  • Launedernatur am 12.09.2018 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Diese Geldverschwendung der SRG für die 0,5% Rumantsch sprechenden war mein Hauptgrund für das Ja zur NoBillag. Nun gehts halt im gleichen Stil weiter.

  • Luki am 12.09.2018 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch schön :-)

    Wenn man sich überlegt, wieviel Mio schon für schweizerdeutsche Produktionen ausgegeben wurden, ist es mehr als fair, wenn die Rätoromanen auch mal ein schönes Projekt realisieren können. Ich stamme ursprünglich aus Deutschland und finde die Sprachen- und Kulturvielfalt in der Schweiz einzigartig. Und ich freue mich schon, mit meiner Familie den Film am 23. September zu schauen und die Romanen etwas besser kennen zu lernen :-)