800-Franken-Prämie

15. November 2019 04:48; Akt: 15.11.2019 08:20 Print

SRG zahlt Mitarbeitern Extra-Cash für Serafe

Die öffentlich-rechtliche Anstalt zahlt die Gebühren seiner Angestellten nicht mehr. Als Kompensation gibts eine Prämie, die auf Kritik stösst.

Bildstrecke im Grossformat »
Auf 2019 zahlt die SRG ihren Mitarbeitern die Serafe-Gebühr nicht mehr. Nach heftigen Diskussionen mit der Gewerkschaft SSM beschloss die SRG aber, die Gebührenübernahme der heute 365 Franken teuren Serafe-Gebühr mit einer einmalige Prämie über 800 Franken pro Vollzeitstelle zu ersetzen. Dafür mussten Angestellte auf Lohnerhöhungen verzichten. as stiess Bürger Andreas Volkart aus Steinmaur ZH sauer auf, weshalb er der SRG Ende September einen Brief schrieb und diese «unnötigen Millionenausgaben» kritisierte. Auch Andreas Kleeb (im Bild) vom Verein No-Billag findet es stossend, dass die SRG die Gebührenentschädigung für die Mitarbeiter «durch die Hintertür» weiterführt. «Stets wurde betont, dieser Sonderstatus werde abgeschafft – und nun wurde ein Weg gefunden, die Privilegien zu sichern.» Zwar habe die SRG Sparanstrengungen unternommen. Aber: «Sollte die Reduktion der Kosten gebremst werden, behalten wir uns die Lancierung einer neuen Initiative vor.» Im Gespräch sei die «Halbierungsinitiative», die die Radio- und Fernsehabgabe auf 200 Franken pro Jahr begrenzen will. Auf die Kritik antwortet die SRG knapp. Sprecherin Lauranne Peman nur, man zahle die Zulage anstatt Teuerung, individuelle Lohnerhöhung und Leistungsprämie. Zudem sei sie einmalig. Die Gewerkschaft Syndikat Schweizer Medienschaffenden (SSM) will die Kompensation für die Serafe-Abgabe neben der allgemeinen Forderung nach Lohnerhöhungen für den GAV ab 2021 auch nächstes Jahr in den Verhandlungen aufnehmen. «Der Wert der gestrichenen Gebührenübernahme soll auch 2021 zur Verfügung stehen», sagt Zentralsekretär Jérôme Hayoz.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jahrelang mussten SRG-Mitarbeiter selbst keine Empfangsgebühren zahlen. Dafür sorgte Artikel 15 im Gesamtarbeitsvertrag: Dieser regelte, dass nach abgelaufener Probezeit vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter von gebührenfreiem Radio- und Fernsehempfang profitieren konnten – gesponsert vom Arbeitgeber.

Umfrage
Sollen SRG-Mitarbeiter eine Entschädigung für die Gebühren erhalten?

2014 beschloss die SRG jedoch, dieses Zückerli zu kippen. Grund dafür war, dass ab 2019 das Gebührensystem auf die geräteunabhängige Haushaltsabgabe umgestellt wurde.

Die SRG beschloss nach heftigen Diskussionen mit der Gewerkschaft SSM: Die Gebührenübernahme der heute 365 Franken teuren Serafe-Gebühr ersetzt nun eine einmalige Prämie über 800 Franken pro Vollzeitstelle, dafür mussten Angestellte auf Lohnerhöhungen verzichten.

Prämie kostet knapp vier Millionen Franken

Das ist Andreas Volkart aus Steinmaur ZH sauer aufgestossen, weshalb er Ende September seine Bedenken in einem Brief an die SRG richtete: Die Umwandlung der Gebührenübernahme in einen Lohnbestandteil sei abzuschaffen, weil so unnötige Ausgaben in Millionenhöhe entstünden. Die SRG zählte 2019 4959 Vollzeitstellen. Die Kosten für die Prämie belaufen sich also auf 3,96 Millionen Franken.

Auch Andreas Kleeb vom Verein No Billag findet es stossend, dass die SRG die Gebührenentschädigung für die Mitarbeiter «durch die Hintertür» weiterführt. «Stets wurde betont, dieser Sonderstatus werde abgeschafft – und nun haben SRG und Gewerkschaften einen Weg gefunden, ihre Privilegien zu sichern.» Es sei den übrigen Serafe-Zahlern schwer zu vermitteln, warum die SRG ihren Mitarbeitern die Abgabe bezahlt, während alle anderen Serafe-Zahler um die Haushaltsabgabe von 365 Franken pro Jahr nicht herumkommen.

«Angezogene Handbremse»

Genau wegen solcher «Auswüchse» habe sich der Verein No Billag auch nach der Volksabstimmung nicht aufgelöst, sagt Kleeb. Er hält der SRG aber zugute, dass sie in letzter Zeit viele Kritikpunkte angegangen sei und Sparprogramme umgesetzt habe (siehe Box). «Dass nun trotzdem Prämien als Kompensation für die wegfallende Gebührenübernahme gezahlt werden, zeigt: Auch nach dem No-Billag-Knall bewegt sich die SRG mit angezogener Handbremse.»

Kleeb sagt: «Wir verfolgen die weiteren Schritte der SRG genau. Sollten die Reduktion der Kosten gebremst werden, behalten wir uns die Lancierung einer neuen Initiative vor.» Im Gespräch sei die «Halbierungsinitiative», die die Radio- und Fernsehabgabe auf 200 Franken pro Jahr begrenzen will.

Auf die Kritik antwortet die SRG knapp. Zu den Fragen, ob eine Ungleichbehandlung bestehe und warum die Gebührenentschädigung überhaupt in die Prämie einfliesse, schreibt Sprecherin Lauranne Peman nur: «Die SRG hat bereits 2015 mit dem Sozialpartner vereinbart, dass mit dem Inkrafttreten des neuen Radio- und Fernsehgesetzes die Übernahme der Serafe-Gebühr nicht mehr stattfindet.»

Einmalige Massnahme

Im Rahmen der Lohnverhandlungen 2018 sei aufgrund der schwierigen finanziellen Situation der SRG vereinbart worden, anstatt Teuerung, individuelle Lohnerhöhung und Leistungsprämien auszugleichen, eine einmalige Zulage von durchschnittlich 800 Franken pro Vollzeitstelle auszuzahlen. Es handle sich um eine einmalige Kompensationsmassnahme.

Dieselbe Sprecherin äusserte sich in der Antwort an Andreas Volkart noch ausführlicher. Dort konterte sie die Kritik, die Gebührenübernahme verursache hohe Kosten: «Mit dem Verzicht auf Lohnmassnahmen konnte die SRG wiederkehrend mehrere Millionen Franken einsparen.»

Gewerkschaft sieht Serafe-Gebühr als Lohnbestandteil

Die Gewerkschaft Syndikat Schweizer Medienschaffender (SSM) will die Kompensation für die Serafe-Abgabe neben der allgemeinen Forderung nach Lohnerhöhungen für den GAV ab 2021 auch nächstes Jahr in den Verhandlungen aufnehmen. «Der Wert der gestrichenen Gebührenübernahme soll auch 2021 zur Verfügung stehen», sagt Zentralsekretär Jérôme Hayoz.

Denn aus Sicht des Angestelltenverbands war die diesjährige einmalige Zahlung von 800 Franken im Rahmen der Lohnverhandlungen primär eine Teilkompensation an den nicht ausgeglichenen Teuerungsausgleich. Hayoz fordert deshalb eine Kompensation für die wegfallende Gebührenübernahme. Denn die Streichung der 365 Franken Serafe-Gebühr sei eine Lohnkürzung. Eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Gebührenzahlern sieht er nicht: «Diese 365 Franken sind ein Lohnbestandteil. Andere Betriebe verfügen auch über Lohnnebenleistungen.»

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chris am 15.11.2019 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war ja klar

    Hat irgend jemand etwas anderes erwartet? Wir hatten es in der Hand, aber leider würden viele wieder manipuliert, und wir dürfen weiterhin deren Löhne zahlen..

    einklappen einklappen
  • Ulrich am 15.11.2019 06:46 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Dachte dieses Geld sind für die Sender und Antennenwartungen? Warum zahle ich denen einen Anteil am Lohn? Eine Schande.

    einklappen einklappen
  • Urs Fiorito am 15.11.2019 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Immer noch Nein....?

    Mich würde echt einmal interessieren wie viel Bürger der Schweiz heute immer noch ein Nein in die Urne werfen würde für eine Abschaffung der damals Billag. Ich bin mir sehr sicher das es um einige mehr sind die heute nun ebenfalls auch ein Ja, wie ich damals, in die Urne werfen würden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sir EigenTürWischer am 16.11.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommt mal wieder runter

    es wird wieder geneidet und gegeifert. Die Fakten sind: vorher musste kein Mitarbeiter Billag bezahlen - jetzt schon, dafür gibt es einmalig 800.-, dafür keine Lohnerhöhung was netto rund 35.- / Monat entspricht. KeineAhnung was man sich hier wieder aufregt. Macht besser einen dicken Hals bei euren Arbeitgebern, damit IHR mehr Lohn bekommt, statt hier unqualifiziert über andere herumzustänkern.

  • Claudio am 16.11.2019 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit den Krankenkassen

    Das ist doch nur ein zückerli, viel schlimmer sind die Krankenkassen Angestellte welche die kk Prämien nicht zahlen müssen.

    • MA Krankenversicherung am 16.11.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Claudio

      Können Sie dies belegen? Dann läuft bei mir etwas falsch..

    einklappen einklappen
  • Feline X am 16.11.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Ist doch völlig in Ordnung. Verstehe nicht, wie sich hier viele darüber aufregen können.

  • Remo am 16.11.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe nicht

    Sie erhalten als Öffentliches Institut Geld von den Bürgern und anstatt verantwortungsvoll damit umzugehen, schenken sie sich selbst einbisschen Geld. Anscheinend haben sie zu viel Geld sonst wäre das ja gar nicht möglich. Na dann sollten wir aber sofort die Jahresgebühr halbieren, denn wenn ich schon bezahlen MUSS dann aber sicher nicht solche Zuschüsse! Das darf einfach nicht sein!

  • Achja am 16.11.2019 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Neu abtimung sol klar

    Ich glaube bei letzte abstimung war für Viele unklar, darum haben sie nein gestimt! Weul meisten wo nein für Bilag gestimt, meinen no Bilag, und nicht gewust das nein heist für Bilag! Die frage war umgrker nein = bleibt Bilag aber meisten haben andrr verstanden und darum nein gestint und nein heist blribt Bilag und umgeker.. das war die grund das nicht abgeschaft wurden, = fehler gestimt. Sol neu abstimung kommen für nein oder ja wo klar nein = kein mehr gebüren dann denke ich über 70% stimen Richtig nein für TV Gebüren klar. Da war bschiss beim frage mit umgeker heist nein heist bleibt und j