Tamedia-Umfrage

28. Dezember 2018 00:10; Akt: 28.12.2018 06:00 Print

SVP-Anhänger flirten mit Zersiedelungsinitiative

Die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen kommt gut an – auch bei rechten Wählern. Die SVP will nun Gegensteuer geben.

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Vorsprung für die Zersiedelungsgegner: Derzeit befürworten 54 Prozent der Stimmberechtigten die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen, 44 Prozent lehnen sie laut der Tamedia-Umfrage ab. Die Initiative will die Gesamtfläche der Bauzonen in der Schweiz auf dem heutigen Stand einfrieren. Sie kommt am 10. Februar vors Volk.

Der mit Abstand wichtigste Grund für ein Ja ist die Sorge um die Landschaft: Dass jede Sekunde fast ein Quadratmeter wertvolle Grünfläche überbaut werde, dürfe nicht mehr toleriert werden, so das Argument. Viele Nein-Stimmende überzeugt dagegen das Argument, dass ein starrer Bauzonen-Stopp die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft ausser Acht lasse.

55 Prozent der SVP-Wähler für die Zersiedelungsinitiative

Mit einem Nein-Anteil von 70 Prozent sprechen sich die FDP-Wähler am klarsten gegen die Initiative aus. Mehrheitlich für die Initiative sind neben den Wählern von Grünen und SP auch die SVP-Anhänger: 55 Prozent wollen derzeit ein Ja auf den Stimmzettel schreiben, obwohl der Parteivorstand die Nein-Parole herausgegeben hat.

«Wer die Schweiz liebt, muss Ja sagen»

SVP-Nationalrat Marcel Dettling will eine «unheilige Allianz verhindern»: «Unsere Wähler wollen der Landschaft Sorge tragen. Die Initiative ist aber zu radikal.» Die SVP dürfe die Initiative nicht unterschätzen und müsse nun deren Nachteile aufzeigen: «Wer die Zersiedelung bekämpfen will, müsste auch die Zuwanderung steuern. Das sieht die Initiative nicht vor.» Dabei sei klar, dass die Hunderttausenden von Zuwanderern der letzten Jahre auch mehr Wohnfläche bräuchten. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz sei man bereits auf einem guten Weg im Kampf gegen die Zersiedelung.

Laut Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, müssten aber auch rechte Wähler der Initiative zustimmen: «Wer die Schweiz liebt und bewahren will, muss Ja zum Schutz von Grünflächen sagen.» Man bekomme viel Zuspruch aus bäuerlichen Kreisen. Den Vorwurf, die Zuwanderungsfrage aussen vor zu lassen, weist er zurück: «In der langen Frist brauchen wir eine vernünftige Raumplanung und Wohnungen am richtigen Ort. Schon heute stehen 70'000 Wohnungen frei. Das hat nichts mit der Zuwanderung zu tun.»

Städter stimmen eher zu

Weiter zeigt die Umfrage, dass die Initiative in der Deutschschweiz mit 57 Prozent Ja auf viel Zustimmung stösst. In der Westschweiz will allerdings eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent der Stimmberechtigten ein Nein in die Urne legen. Auch kommt die Vorlage in den Städten besser an als in den ländlichen Regionen: Mit einem Ja-Anteil von 60 Prozent liegt die Zustimmung in den Städten um 9 Prozentpunkte höher als auf dem Land.

Zur Umfrage

6048 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 20. und 21. Dezember online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Abstimmung vom 10. Februar 2019 teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,2 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Normaler am 28.12.2018 02:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie man die Mittelschicht loswird

    mit steigenden Wohnungs-/Häuserpreisen!

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  • René B. am 28.12.2018 01:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Messerscharfe Umsetzung

    Am Schluss haben wir einfach in jedem Dorf Hochhäuser.

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  • Tom am 28.12.2018 01:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MEI - Mehrere Wege zum Ziel

    Es gibt andere Wege, die "Nichtumsetzung" der MEI & die Missachtung des Volkswillens zu bekämpfen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bachmann am 29.12.2018 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    31.536.000 m2 pro jahr? hm??

    aha knapp 1 m2 pro sekunde werden verbaut oder knapp 31.536.000 m2 pro jahr. nach grüner rechnung sollte die schweiz längst zubetoniert sein. wo stehen denn all diese bauten? etwas ist da faul....

  • Ein Leser am 29.12.2018 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Spekulanten treiben die Preise an

    Das Problem sind Spekulanten. Darum sollte es in der Schweiz eine Eidg. Wohnbaugenossenschaft geben. Wo ein absoluter Inländervorrang gilt. Und jeder sollte eine Wohnung zu erschwinglichen Preisen mieten können. Für das braucht es keine Zersiedelungsinitiative und kein Raumplanungsgesetz.

  • Sandy am 29.12.2018 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vermutlich

    Wird mein Land in der Stadt dann doppelt so teuer bei einer Annahme.

  • K.Ritisch am 29.12.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    bewirkt Zersiedelung

    Die Zersiedelungsintiative bewirkt die Zersiedelung, weil vorallem dort noch gebaut werden darf, wo es noch viel eingezontes Bauland gibt. Und das ist vorallem in verkehrsungünstigen, abgelegenen Orten. Die Initative ist nach dem 2013 bereits angenommenen neuen Raumplanungsgesetz überflüssig - obwohl ich die Absicht schätze.

  • Elonora am 29.12.2018 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt endlich diesen Wahnsinn

    Der Leerwohnungsbestand ist überall massiv gestiegen, wegen der rücksichtslosen, irrsinnigen Geldschwemme der SNB mit nahezu Gratisgeld. Die Negativzinsen drängen Pensionskassen und Investoren in den Immobilienmarkt, was die Preise übermässig erhöht, die Verschuldung fördert und schlussendlich, wie die Geschichte klar aufgezeigt, die Immobilienblase platzen wird, mit noch nie da gewesenen privaten und institutionellen Konkursen, neben dem, dass die Sozialwerke massiv in ihrer Anlagepolitik zu immer mehr Risiken gedrängt werden, wegen den Negativzinsen und Verluste einfahren wie die AHV 2018