Tabu-Bruch

06. Oktober 2013 19:50; Akt: 06.10.2013 19:50 Print

SVP-Mann will Wald roden – für Einwanderer

von J. Büchi - Wälder sollen Städten weichen. Mit diesem Vorschlag sorgt der Berner SVP-Politiker Christoph Neuhaus für Wirbel.

Infografik: Die Welt verstädtert.

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Es ist ein Tabubruch sondergleichen: Der Berner Regierungspräsident Christoph Neuhaus (SVP) will einen Teil des Waldes opfern, damit die Schweiz weiter wachsen kann. «Das Mittelland wird zum Wohn- und Arbeitsraum, für den Erholungsraum muss man aufs Land gehen», schlägt er in der «Schweiz am Sonntag» vor. Die Migration und der Geburtenüberschuss machten das zusätzliche Bauland erforderlich.

Parteikollege Albert Rösti stimmt ihm zu: «Die Waldfläche nimmt teilweise massiv zu, in den betroffenen Gebieten macht eine Rodung deshalb sicher Sinn.» Im Gegensatz zu Neuhaus will der Berner SVP-Nationalrat aber keine Trennung zwischen städtischem Wirtschaftsraum und ländlichen Erholungsgebieten. «Vielmehr muss man auch im ländlichen Raum Arbeits- und Wohnraum schaffen.» Dies würde sich auch auf die Pendlerströme günstig auswirken. «In erster Linie muss das Wachstum aber durch eine kontrollierte Einwanderung beschränkt werden», ist Rösti überzeugt. Die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP sei dafür das richtige Mittel.

Schweiz soll nicht zu «einziger Grossstadt» werden

Eine Waldrodung zur Schaffung von Wohnraum – dies will auch Jacqueline Badran, SP-Nationalrätin und Mitglied der Raumplanungs-Kommission, nicht komplett ausschliessen. Dass sich jedoch ausgerechnet die SVP Gedanken über zusätzlichen Raum für Migranten machen soll, erscheint ihr aber unglaubwürdig: «Denen geht es um den Bau von Strassen, sicher nicht darum, Platz für Einwanderer zu schaffen.»

Als «Unsinn» bezeichnet der grüne Nationalrat Bastien Girod Neuhaus' Vorschlag. Der Wald dürfe auf keinen Fall angetastet werden. Vielmehr müsse man sich die Frage stellen, wie weit die Schweiz überhaupt noch wachsen soll. «Es kann nicht sein, dass die Schweiz zu einer einzigen Grossstadt zusammenwächst.» Girod plädiert dafür, dass die Standortpolitik grundlegend überdacht wird. «Es ist der falsche Ansatz, wenn jeder Kanton versucht, möglichst viele Unternehmen bei sich anzusiedeln.» Neben dem Wald müssten auch andere landwirtschaftlich und ökologisch wertvolle Flächen – das sogenannte Kulturland – besser geschützt werden.

Auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen geht der Vorschlag zu weit. «Die Feststellung, dass das Bauland in der Schweiz knapp ist, ist zwar richtig.» Es gebe aber andere Möglichkeiten, neuen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen. Insbesondere müsse über eine Verdichtung in den Zentren nachgedacht werden. «Die Rodung von Waldflächen würde zu einer weiteren Zersiedelung führen», warnt Wasserfallen. Er sei erstaunt, dass der Vorschlag ausgerechnet vom Berner Regierungsrat komme – zumal dieser sich in der Debatte zum Raumplanungsgesetz noch «für das exakte Gegenteil» eingesetzt habe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Dere am 06.10.2013 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schliesst die Grenzen

    Endlich werden die folgen sichtbar ...macht die Grenzen dicht!

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  • Elisa Steiner am 06.10.2013 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer, wacht endlich auf !

    Was, glaubt Ihr, ist in 100 Jahren von der einstmals so schönen Schweiz noch übrig?

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  • Baumschule am 07.10.2013 05:45 Report Diesen Beitrag melden

    auf gar keinen Fall

    da gebe ich keinen einzigen Baum freiwillig ab!!! SVP, so werdet Ihr nicht beliebter sondern verliert gleich noch Eure Sympathisanten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg B. am 07.10.2013 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die SVP macht's schon richtig

    Die vielen - zu Recht entrüsteten - Beiträge zeigen deutlich, dass die SVP wieder einmal ein Tabu zur Sprache gebracht hat, dessen Konsequenz sie eben nicht will. Das wahre Ziel der SVP dürfte gerade das Gegenteil - nämlich eine Begrenzung der Zuwanderung mit Hilfe der Netten sein.

  • Danilo am 07.10.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nur das Volk kann es richten

    Jetzt kann es nur noch das Volk richten mit der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative. Die Einwanderung muss gestoppt werden. Und man kann sich mittlerweile nicht einmal mehr auf die SVP verlassen! Wenn die Abstimmung verloren wird, ist dieses Land verloren, zumindest für die Einheimischen! Wir finden bereits heute schon keine guten Jobs mehr und bald wird es wieder eine Auswanderungswelle von Schweizern geben, so wie vor 150 Jahren, glaubt es mir!

  • Anandra am 07.10.2013 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    .... anstatt schneller, besser, breiter.

    Man könnte sich in der Schweiz auch mal fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, endlich höhere Gebäude zu bauen, anstatt immer mehr Land zu verbauen. In der Schweiz gibt es wohl noch ihn keiner einziger Stadt ein richtiges Hochhaus (nein auch der Prime Tower in Zürich ist vergleichsweise kein Hochhaus), dafür wird jetzt schon überlegt, wie man das restliche Land, welches es inzwischen noch gibt, am Besten verbauen kann.

  • R Wetter am 07.10.2013 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    wirren Ideen

    Statt solche wirren Ideen zu ventilieren sollte man besser die vielen Industriebrachen bebauen und es gibt viele Mehrfamilienhäuser die dank der neuen Ausnutzungsziffern aufgestockt werden können.

  • joel am 07.10.2013 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr

    Wann begreift unsere sogenante "Elite", dass ein andauernder Wachstum nur Schaden anrichtet? Sei es in der Politik, der Wirtschaft oder der Natur.