Waadtländer Abhör-Skandal

28. Juli 2015 13:19; Akt: 28.07.2015 16:35 Print

SVP-Nationalräte fordern Despots Rücktritt

Die Waadtländer SVP-Präsidentin Fabienne Despot zeichnete heimlich Gespräche ihrer Parteikollegen auf. Politiker wollen sie nun aus dem Wahlrennen nehmen.

storybild

Muss sich rechtfertigen: Präsidentin der SVP-Waadt, Fabienne Despot, am 27. Juli 2015 vor den Medien in Lausanne. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Präsidentin der SVP Waadt, Fabienne Despot, ist nach der am Wochenende enthüllten Abhöraktion zum Rücktritt aufgefordert worden. Für ihren Parteikollegen und SVP-Nationalrat Guy Parmelin gibt es keinen anderen Weg.

Despot soll als Kandidatin für den National- und Ständerat bei den nationalen Wahlen im Oktober sowie als Parteipräsidentin zurücktreten, forderte Parmelin gegenüber der Freiburger Zeitung «La Liberté», welche die Affäre am Samstag ins Rollen gebracht hatte.

«Strafbare Handlung»

Ihr Handeln sei strafbar, auch wenn es keine Anzeige gegen sie gebe, hielt Parmelin fest. Der Waadtländer SVP-Nationalrat stellt sich für eine vierte Amtszeit in Bern zur Wiederwahl.

Auch in Genf stösst Despots Verhalten auf Kritik. Damit habe Despot das Vertrauen ihrer Parteikollegen verloren, wird Céline Amaudruz, Nationalrätin und Präsidentin der SVP Genf, am Dienstag in der Zeitung «Le Temps» zitiert. Deshalb müsse Despot zurücktreten.

Gespräch heimlich aufgezeichnet

Despot wollte im April 2014 eine interne Sitzung mit einem SVP-Vertreter aus einem verfeindeten Lager heimlich aufnehmen. Weil dieser nicht zur Sitzung erschien, wurde einzig ein halbstündiges Gespräch mit den anderen wartenden Vorstandsmitgliedern aufgezeichnet.

Die Aufnahme tauchte diesen Sommer beim ehemaligen SVP-Mitglied und heutigen BDP-Politiker Jean-Luc Laurent auf. Die Waadtländer SVP beschuldigt diesen der Erpressung. Despot vermutet, dass die Aufnahmen über ihren ehemaligen Lebenspartner zu Laurent gelangten.

Sie reichte gegen beide Strafanzeige wegen versuchter Nötigung ein. Ihre Aufnahme bezeichnete sie am Montag vor den Medien in Lausanne als Fehler und Mittel zum Selbstschutz in einem extrem angespannten Umfeld.

BDP-Politiker tritt aus Protest zurück

Bei der BDP führte die Affäre inzwischen zu einem Kollateralschaden. Der BDP-Politiker und Präsident der Waadtländer Wahlkommission der Partei, Michael Heinz Rohrer, trat per sofort zurück, weil er nichts mit der Affäre zu tun haben will.

Vom Waadtländer BDP-Präsidenten Eric Schürch erhielt Jean-Luc Laurent jedoch Unterstützung. Auch der Vorstand habe sich am Montag einstimmig für Laurent ausgesprochen, sagte Schürch am Dienstag der Nachrichtenagentur SDA.

(dia/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Evelyn am 28.07.2015 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    Zuerst die K.O. Tropfen Jolanda, danach die Bier-Bösch, gefolgt von der Kasachstan Markwalder und nun das. Als Frau schäme ich mich in Grund und Boden. Kann das wirklich sein, dass es weniger Frauen in der Politik gibt, diese jedoch viel negativer und unehrlicher auffallen? Schlimme Sache.

    einklappen einklappen
  • Sepp am 28.07.2015 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Glashaus und so....

    SIE reichte strafanzeige ein? Weil die Aufzeichnungen weiteregegeben wurden? SIE ist die Täterin, SIE hat heimlich aufgezeichnet!! Unglaublich, wie wiedermal die Täterin versucht sich als opfer darzustellen! Wenn man nicht mal so viel füdli hat zu seinen Fehlern zu stehen, wie will man dann frei und nach eigener Meinung politisieren?

    einklappen einklappen
  • Irene am 28.07.2015 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Retourkutsche

    Ihre Aufnahme bezeichnet sie als Fehler.... Das hat aber nichts mit Fehler zu tun. Mehr mit Hinterhältigem Verhalten ihren Kollegen/ innen! Hoffe, die Retourkutsche kommt und ihr wird für ihr Benehmen die Rechnung präsentiert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schwarz Stift am 29.07.2015 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Depots wird von der eigenen Partei zum Rücktritt aufgefordert, obwohl es sich um ein internes Problem handelt. Markwalder wird Vorsitzende des national National Rats obwohl sie Landesverrat beging.

  • Albi Sulzbach am 28.07.2015 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    eine billige Mischung

    aus Watergate und Bauernschwank. Die SVP sollte sich nicht mit derart peinlichen Mitgliedern belasten. Ihre Verfehlung hat nicht nur eine rechtliche Dimension-es geht vielmehr um den fehlenden persönlichen Anstand.

  • Eidgenosse am 28.07.2015 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Sehr schlecht für die SVP.. Denn genau diese Partei setzt sich am meisten für die Überwachung ein!! Ein typischer Schuss ins eigene Bein...!!!

  • Willi am 28.07.2015 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh die Aufregung nicht.

    Ich verstehe die Aufregung nicht. Die SVP ist für mehr Überwachung der Bürger, siehe diesjährige Überwachungsparagraphen. Aber wenn sich die SVP Mitglieder selber gegenseitig überwachen regen sich alle auf? Ist doch nur konsequent.

  • er am 28.07.2015 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen und Macht

    genau, es zeigt eher, wie Frauen kalt und hinterlistig reagieren können und zu solchen Mitteln greifen!