30. September 2007 23:59; Akt: 01.10.2007 12:48 Print

SVP-Schafe grasen für deutsche Neo-Nazis

Die weissen Schafe der SVP-Kampagne stehen in Deutschland für braune Gesinnung. Die rechts-extreme NPD wirbt mit der Schäfchen-Kampagne gegen Ausländer. Muss die SVP die Schäfchen-Plakate zurückziehen?

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Ganz dem Xenophobie-Barometer entsprechend müssen nun nicht mehr Kosovaren und Türken, sondern auch ein fiktiver deutscher Kinderschänder namens Detlev S. herhalten. Im Herbst 2010 startet die SVP in gewohnter Manier den Abstimmungskampf für ihre Ausschaffungsinitiative. Die islamfeindliche Minarett-Initiative vom Herbst 2009. Die Nein-Kampagne zur Personenfreizügigkeit illustriert die SVP mit diebischen Raben. Sie will sich «mit allen Kräften» gegen die Ausdehnung auf Rumänien und Bulgarien wehren. Gegen die beiden Vorlagen zur erleichterten Einbürgerung machte die SVP 2004 mit Händen, die gierig nach Schweizer Pässen greifen, Stimmung. Bereits ein Klassiker: Die Plakate zur Ausscha(f)fungsinitiative. Nachahmer in Spanien: Die rechtsradikale Gruppe «Democracia Nacional» übernimmt die Schäfli-Kampagne. Billige Kopie: Im deutschen Bundesland Hessen hat die Rechtsaussen-Partei NPD das Schäfchen-Plakat kopiert. Die Schafe sind allerdings keine Schöpfung der SVP-Werber. Die umtriebigen Leute der Dübendorfer Werbeagentur Goal haben die Vorlage von einem englischen Grafiker, der nichts von der Polit-Verstümmelung seines Werkes wusste. Mit Schafmetzger überklebtes SVP-Plakat. Eines der vielen Gegenplakate mit noch mehr schweigenden Lämmern im Hintergrund. Zum gleichen Thema ein Comic. Im SVP-Online-Spiel darf Zottel die Grünen prügeln, Richter treten und Ausländer wegbugsieren. Aus der Küche des Unterwalliser SVP-Nationalrats Oskar Freysinger stammt dieses Plakat: «Benutzt Eure Köpfe». Gläubige Moslems fühlten sich zutiefst verletzt. Die junge SVP Baselland hat mit dem Video, das einen echten Mord (in den USA) zeigt, weit übers Ziel hinausgeschossen. Das vieldiskutierte «Neger-Inserat». Andrew Katumba von Second@s plus ist nicht um eine Replik verlegen. Flyer der Jungen SVP Bern 2006 Die Gleichsetzung des politischen Gegners mit Ungeziefer erregte grosse Empörung. Der SVP wurde vorgeworfen, ... ... sie bediene sich der Bildsprache der Nazi-Propaganda. Ein weiterer Klassiker: Das Messerstecher-Plakat.

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Drei weisse Schafe bugsieren ein schwarzes über die Grenze. Diese mittlerweile europaweit bekannte Kampagne, mit der die SVP für ihre Ausschaffungsinitiative wirbt, hat einen weiteren Nachahmer gefunden: die Sektion Hessen der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Unter dem Slogan «Sozial geht nur national» werben die Neonazis für die Landtagswahlen im kommenden Jahr.

«Wir haben uns vom SVP-Plakat inspirieren lassen», bestätigte Jörg Krebs, Sprecher der NPD Hessen, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die NPD habe das Plakat im Internet entdeckt und vorgängig keinen Kontakt mit der Schweizer Partei aufgenommen.

Er kenne die SVP nur vom Namen her, sagte Krebs weiter. «Wir haben keine Berührungsängste und lassen uns von allen Parteien inspirieren.» Falls die SVP nun rechtlich gegen sie vorgehe, sei dies «borniert und engstirnig». Er glaube nicht, dass eine solche Klage Erfolg hätte.

Die SP sieht sich nun in ihrer bereits früher geäusserten Kritik an den «rassistischen Plakaten» bestätigt: «Da kommt eine gewisse Nähe zwischen der SVP und der NPD ans Tageslicht», so Parteipräsident Hans-Jürg Fehr.

SVP-Generalsekretär Grego Rutz hingegen will den Vorwurf, die Kampagne sei rassistisch, weiterhin nicht hinnehmen – obwohl das Logo offenbar sehr gut zum Wahlprogramm der NPD («Sonderklassen für ausländische Kinder») passt. Trotzdem will die Partei reagieren: «Die Schäfchen sind unsere Idee und unsere Kampagne», so Rutz. «Wir überlegen uns deshalb, rechtliche Schritte einzuleiten».

Was meinen Sie, muss die SVP die Schäfli-Kampagne stoppen, oder kann die Partei so weitermachen?


(Nico Menzato/SDA)