Jean-François Rime

01. Dezember 2011 22:11; Akt: 01.12.2011 22:11 Print

SVP-Wirtschaftspolitiker aus FDP-Familie

von Micheline Haegeli, SDA - Mehrmals trat er bei den Bundesratswahlen als Kampfkandidat der SVP an - erfolglos. Doch sollte ein Westschweizer Kandidat gefragt sein, könnte er die nötigen Stimmen schaffen.

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Am 14. Dezember entscheidet sich, wie der Bundesrat künftig zusammengesetzt ist. Insbesondere die Wahl von BDP-Vertreterin Eveline Widmer-Schlumpf ist gefährdet. Die SVP greift ihren Sitz an. Zudem muss die SP den Sitz von Micheline Calmy-Rey verteidigen. Die SVP tritt mit einem Zweierticke an. Der Fribourger Nationalrat ist der Westschweizer Kandidat. Als Deutschschweizer Kandidat hat die SVP am 8. Dezember den Nationalratspräsidenten aufgestellt. Er entspricht nicht dem ursprünglichen Wunsch der SVP-Fraktion, wurde er doch nur für Bruno Zuppiger eingewechselt. Ursprünglich schickte die SVP-Fraktion an Rimes Seite den Zürcher Nationalrat und Gewerbeverbandspräsidenten ins Rennen. Nachdem die «Weltwoche» am 7. Dezember publik gemacht hatte, dass er sich möglicherweise der Veruntreuung schuldig gemacht hatte, zog sich Zuppiger einen Tag später zurück. Für die Nomination vom 1. Dezember hatte sich aus der Romandie auch der Waadtländer SVP-Nationalrat beworben - allerdings chancenlos. Auch der von der Schaffhauser Kantonalpartei vorgeschlagene Ständerat hat es nicht geschafft. Er gilt als moderater SVPler, der auch mal die Parteileitung kritisiert. Von zahlreichen SVP-Politikern genannt wurde der Zuger Baudirektor In Bern ist er aber wenig bekannt und er wurde von der SVP nicht nominiert. Auch der Thurgauer SVP-Regierungsrat kämpft nicht für den zweiten SVP-Bundesratssitz. Die SP-Fraktion hat zwei Kandidaten nominiert. National bekannt ist der 39-jährige Freiburger Ständerat Der zweite Sozialdemokrat auf der Fraktionsempfehlung ist Der 43-jährige Waadtländer Regierungsrat sass von 1999 bis 2004 im Nationalrat und ist heute Gesundheitsdirektor. Offiziell nicht nominiert hat die SP-Fraktion die Tessiner Ärztin und Nationalrätin Guscetti. Sie stösst aber bei den SP-Frauen auf Sympathien. Ausserdem wäre das Tessin nach zwölf Jahren gerne wieder im Bundesrat vertreten.

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Dreimal schon hat die SVP den Freiburger Nationalrat Jean-François Rime als Kampfkandidat bei wichtigen Wahlen ins Rennen geschickt. Nun soll der 61-Jährige bei den Bundesratswahlen im Dezember erneut versuchen, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Den ganz grossen Sieg haben ihm die Kampfkandidaturen bislang nicht eingebracht, aber sie förderten sein Prestige innerhalb der Partei und seinen Bekanntheitsgrad ausserhalb der Westschweiz.

Der Freiburger vertritt mit Überzeugung die Linie der SVP. Schwerpunkte setzt Rime allerdings weniger bei den gängigen SVP-Themen wie Ausländer- und Sicherheitspolitik, sondern in Wirtschaftsfragen. Am Herzen liegen ihm auch die KMU-Betriebe.

Stammt aus FDP-Familie

Doch Rime war nicht immer ein gestandener SVPler. Er stammt aus einer durch und durch freisinnigen Familie und war selber jahrelang Mitglied der FDP. Lange erachtete er die Politik im grossen Stil jedoch als Revier seines Vaters, der 1994 verstarb. Der Freitod seines Vaters, welcher der Steuerhinterziehung verdächtigt worden war, prägte Rime stark. Sein Vater habe Fehler gemacht, räumte Rime verschiedentlich ein. Doch letztlich machte er Justiz und Polizei für dessen Tod verantwortlich. Sie hätten den Vater in den Selbstmord getrieben.

Beim Freisinn fühlte sich Rime zunehmend nicht mehr wohl. Für seinen Geschmack bändelte die FDP zu stark mit der Linken an. Nicht er habe sich verändert, sondern die Partei, zeigte sich Rime stets überzeugt. Als die SVP 2002 die Fühler nach ihm ausstreckte, kam es zum vielbeachteten Parteiwechsel. Bei den eidgenössischen Wahlen 2003 liess sich Rime von der Volkspartei als Überraschungskandidat für den Nationalrat aufstellen - und wurde gewählt.

Niederlagen als Ständeratskandidat

In Bundesbern arbeitete er sich rasch ein und wurde zu einem wichtigen Mitglied der SVP-Fraktion. 2007 verpasste er zwar den Sprung in den Ständerat, wurde jedoch als Nationalrat wiedergewählt. 2010 nominierte ihn die SVP für die Bundesratswahlen. Dort schaffte er es bis in die Schlussrunde, was ihm viel Anerkennung einbrachte. Bei den eidgenössischen Wahlen im vergangenen Oktober musste Rime als Ständeratskandidat allerdings eine herbe Niederlage einstecken. Als Nationalrat wurde er jedoch problemlos wiedergewählt.

Jean-Françoise Rime wurde am 28. Juni 1950 geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter. Er wohnt in Bulle.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • don jj rolando am 01.12.2011 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    wieso bringt die svp...

    ...einen kandidaten, der vom volk für "nichts-höheres-als-nationalrat-berufener" ins rennen? die svp möchte doch den bundesrat durchs volk wählen lassen. aber hier machen sie doch genau das gegenteil. herr rime wurde vom volk auf dem nationalratssitz zurückgehalten. - weiss der geier, was die damit wieder im sinn haben. - für mich sieht es momentan so aus: maurer provoziert seine abwahl. die svp hat keine richtige kandidaten. svp verliert bundesratssitz und WILL mit dieser taktik in die opposition. zwängerei gegenüber dem volk wegen der kürzlichen wahlschlappe. - machen wir ihnen diese freude!

  • Daniel am 02.12.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Warum dieser Aufwand für die SVP

    Bekanntlich wählen alle Nicht-Schweizer (76 % der Wählenden) nicht SVP. Wieso betreibt diese Partei einen derart grossen Aufwand? Warum schreiben die Zeitungen im Zusammenhang mit den BR-Wahlen nur über diese Partei? Es geht am 14.12.2011 um die Wiederbesetzung des Posten von MCR und nicht um einen zweiten SVP-Sitz. Dazu besteht absolut kein Anrecht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 02.12.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Warum dieser Aufwand für die SVP

    Bekanntlich wählen alle Nicht-Schweizer (76 % der Wählenden) nicht SVP. Wieso betreibt diese Partei einen derart grossen Aufwand? Warum schreiben die Zeitungen im Zusammenhang mit den BR-Wahlen nur über diese Partei? Es geht am 14.12.2011 um die Wiederbesetzung des Posten von MCR und nicht um einen zweiten SVP-Sitz. Dazu besteht absolut kein Anrecht.

  • don jj rolando am 01.12.2011 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    wieso bringt die svp...

    ...einen kandidaten, der vom volk für "nichts-höheres-als-nationalrat-berufener" ins rennen? die svp möchte doch den bundesrat durchs volk wählen lassen. aber hier machen sie doch genau das gegenteil. herr rime wurde vom volk auf dem nationalratssitz zurückgehalten. - weiss der geier, was die damit wieder im sinn haben. - für mich sieht es momentan so aus: maurer provoziert seine abwahl. die svp hat keine richtige kandidaten. svp verliert bundesratssitz und WILL mit dieser taktik in die opposition. zwängerei gegenüber dem volk wegen der kürzlichen wahlschlappe. - machen wir ihnen diese freude!