Chindsgi oder Kindergarten

17. Mai 2011 07:16; Akt: 17.05.2011 10:32 Print

SVP plant weitere Mundart-Initiativen

von Jessica Pfister - Nachdem die Zürcher und Basler die Mundart im Kindergarten gestärkt haben, wittern Mundart-Befürworter der SVP in St. Gallen, Schwyz und Solothurn Morgenluft.

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Mundart im Kindergarten wird auch in anderen Kantonen zum Thema. (Bild: Keystone)

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Kaum haben die Zürcher die Mundartinitiative befürwortet und die Basler das Schweizerdeutsche im Kindergarten dem Hochdeutschen gleichgesetzt, springen SVP-Vertreter in anderen Deutschschweizer Kantonen auf den Mundart-Zug auf. «Wir wollen das Thema so schnell wie möglich aufgreifen und eine Initiative lancieren», sagt Jeffrey Bleiker, Präsident der Jungen SVP St. Gallen gegenüber 20 Minuten Online. Momentan seien konkrete Abklärungen im Gange.

Ähnlich klingt es bei der JSVP im Kanton Schwyz. «Wir sind dabei, eine Initiative zu prüfen», sagt Präsident Stefan Betschart. Den Ausschlag dafür gegeben habe vor allem die positive Resonanz auf die Unterschriftensammlung im Nachbarkanton Luzern.

Mathe bis in dritte Klasse auf Mundart

Laut Betschart will die Junge SVP Schwyz aber sogar noch einen Schritt weiter gehen als die anderen SVP-Kantonssektionen. «Ziel ist, dass bis in die dritte Klasse in nichtsprachlichen Fächern wie Mathe nur Mundart gesprochen wird.»

Eine solche Ausweitung kommt für Roman Jäggi, SVP-Kantonsrat und Mitglied der Bildungskommission des Kantons Solothurn nicht in Frage. Dennoch ist für ihn das Thema Mundart im Kindergarten noch nicht vom Tisch – obwohl die Solothurner Regierung letzte Woche eine entsprechende Motion klar abgelehnt hat. «Aufgrund der Zustimmung in Zürich und Basel-Stadt überlegt sich nun die SVP Solothurn ebenfalls, eine Volksinitiative voranzutreiben.»

«Auf dem richtigen Weg»

Glücklich über das Ja aus Zürich und Basel-Stadt ist auch Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP Luzern. «Für uns war es eine grosse Bestätigung, dass wir mit unserem Anliegen auf dem richtigen Weg sind.» Seit Oktober 2010 ist die Jungpartei mit einer gleichlautenden Initiative auf Unterschriftenfang. Diese will, dass im Kindergarten grundsätzlich in Mundart unterrichtet wird. Heute gilt im Kanton Luzern die Regelung, dass Kindergärtnerinnen und Kindergärtner zu zwei Dritteln in Hochdeutsch unterrichten.
2500 Unterschriften sind bereits beisammen, bis am 15. Oktober 2011 müssen es deren 4000 sein. «Wir sind voll auf Kurs und erhalten auch Zuspruch von Leuten, die sonst keine SVP-Anliegen unterstützen», so Liebrand. Er ist überzeugt, dass die Resultate aus Zürich und Basel-Stadt die Unterschriftensammlung in Luzern zusätzlich ankurbeln wird.

In Bern über das Parlament

Nicht über das Volk, sondern über das Parlament versucht Erich Hess, Präsident der Jungen SVP im Kanton Bern, Mundart im Kindergarten durchzusetzen. «Es geht nicht an, dass in gewissen Berner Gemeinden im Kindergarten praktisch nur noch Hochdeutsch gesprochen wird», enerviert sich Hess. Schweizerdeutsch müsse zumindest im Kindergarten die vorherrschende Sprache sein. Der Grosse Rat wird in der Juni-Session über den Vorstoss entscheiden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Müller am 17.05.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schüler sind unterfordert

    Es ist doch so einfach: In der Krabbelgruppe wird nur noch Hochdeutsch gesprochen im Kindergarten kommen Französisch und Englisch, in der 1. Klasse Spanisch in der 2. Russisch und in der 3. Chinesisch und gleichzeitig müssen alle Kinder in die Begabtenförderungskurse damit sie noch die einte oder andere Klasse überspringen können. Ach ja und spielen und kindsein ist neuerdings ab dem 2. Lebensjahr verboten.

  • Paul Dremmel am 17.05.2011 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Mass und Ziel

    Nun ja ... nun soll man es nicht zum Excess führen. Ich bin jedenfalls gegen die aktuelle Regelung (Gesetz?) dass in der Schule Hochdeutsch gesprochen werden muss. Zu all dennen die etwas gegen die Pflege und Erhaltung der Schweizerichen Sprache, der Mundart haben, sei ein Hinweis auf Frankreich erlaubt, wo die Akademie Francais bestimmt, welche Worte(!!!) in Frankreich verwendet werden dürfen, um das Französisch rein zu halten. DAS ist extrem.

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  • Mike am 17.05.2011 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ernste Frage

    Ernstgemeinte Frage: Sprechen die Deutschen in ihren Schulen Hochdeutsch ? Oder klarer Formuliert: Schriftdeutsch ? Oder sprechen sie hauptsächlich in ihrem Dialekt, welchen wir Schweizer fälschlicherweise immer mit "Hochdeutsch" verwechseln ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Odermatt am 27.05.2011 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Warum Sprachwirrwar im TV ?

    Ich verstehe die ganze Diskussion nicht und warum das immer wieder thematisiert wird. Sprachvielfalt gibt es sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland. Lasst die Leute doch reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Allerdings sehe ich ein grosses Problem im TV: neulich bei 10 vor 10: Moderation in Schriftdeutsch und dann ein Interview mit Leuthard in Mundart. Gleiches bei der Tagesschau, die in schriftdeutsch moderiert wird. Das anschliessende Wetter aber in Mundart. Im TV ist diese Wechselei absolut lächerlich. Da sollte man sich wirklich für eine Linie entscheiden und die durchziehen.

  • surplex am 18.05.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ich liäbä und stoh zu minere Sproch

    Schweizerdeutsch ist die Muttersprache von den meisten Schweizern. Wenn die Initiative abgelehnt wird, kommt das doch einer Verdrängung unserer Sprache gleich?! Ich bin sogar für eine Mundartinitiative bis in die Sekundar-oder Realschule. Ich liebä und stoh zu minere Sproch!

    • Paul S. am 19.05.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Mundart ist schon schön, aber ...

      Ach ja ... und es damit unseren Kindern noch schwerer machen, später z.B. bei Geschäftsverhandlungen mit Deutschen Partner einigermassen fliessend reden zu können ... hallo surplex, unseren Wohlstand verdanken wir vor allem dem Handel unserer Güter und Dienstleistungen weltweit ... und da bringt uns Mundart nicht allzu viel ;-)

    • Roger am 19.05.2011 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Schweizerdeutsch ist keine Sprache sondern ein Sammelbegriff für unzählige Dialekte. Darum heisst das Ding auch SchweizerDEUTSCH und nicht Helvetisch.

    • Peter Bichsler am 19.05.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      @surplex

      Und für eine Volkverdummung auch noch? Werden wir ja an der nächsten PISA-Studie sehen. Schweizerdeutsch ist zudem ein Dialekt und keine Sprache!! Wann schnallt Ihr das? Wenns dann mit der Wirtschaft den Bach ab geht, weil die Jungen die Hochsprache(Lesen/Schreiben!!, ganz wichtig für Bildung, Information und geschäftliche Kommunikation = Verständnis) gar nicht mehr beherrschen, dann wissen wir ja dann warum.....Schade.

    • surplex am 19.05.2011 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      naja...

      Wir lernen in der Schule genug Deutsch - sobald wir ein Buch aufschlagen, in jedem Fach. Der mündliche Gebrauch unseres "Dialektes" ist mir wichtig. Schreiben sollte man schon von Anfang an in Schriftdeutsch, da stimme ich zu. Ich bin trotzdem der Meinung, dass das Hochdeutsche nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn man während des Unterrichts unser Identifikationsmerkmal, unseren Dialekt, spricht.

    • Milota Tausch am 20.05.2011 21:06 Report Diesen Beitrag melden

      Entweder, man kann's oder ...

      Es haben Generationen von ehemals jungen Leuten, die heute gestandene Akademiker sind, früher bis in die Real-/Sekundarschule, ja sogar Hochschule Dialektunterricht genossen. OK, damals hat es noch keine PISA-Studien gegeben. Aber das Leben hat eindrücklich bewiesen, dass es nicht am Hochdeutsch liegt, dass die Leute in der Schule etwas Gescheites lernen können. Ein guter Deutschunterricht kann alles, was der (Deutsch-)Schweizer braucht, vermitteln.

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  • A.Kleebodmer am 18.05.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ethnozentrische Zürcher

    Von wegen Dialekte als Ausdruck der Sprachenvielfalt der CH. Wir haben uns in Radio und TV jahrzehntelang nur Züri-Deutsch anhören dürfen. Andere Dialekte waren nebenbei in den Regionaljournals zu hören. Sie waren und sind immer noch marginalisiert. Also, liebe Zürcher, jetzt wisst ihr, wie sich das anfühlt, mal in der Minderheit zu sein.

    • B.Erschmatter am 20.05.2011 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      Bedrohung durch Hochdeutsch ?

      Genau : denn die eigentliche Bedrohung für die Dialekte kommt nicht vom Hochdeutschen, sondern vom dominanten Dialekt mit der Neigung, alles zu verflachen: eben Züri-Deutsch.

    • Milota Tausch am 20.05.2011 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      Berner

      Ich bin zwar Zürcherin, habe aber im Zch. Oberland die Erfahrung gemacht, dass es dort ganze Dörfer hat, die von Berndeutsch dominiert werden. Diese Einwohner sind vor Jahrzehnten "eingewandert", sind oftmals längst Zürcher Kantonsbürger, sprechen aber ihren ursprünglichen Dialekt, als ob sie nur schnell zu Besuch gekommen wären.

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  • A. Bellach am 18.05.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Mundart auch schreiben!

    Niemand verlangt von euch Schweizern in einer Fremdsprache zu sprechen. Steht endlich zu Eurer Sprache, werdet selbstbewusst, sprecht Mundart und führt auch eine eigene "Mundart-Schriftsprache" ein und macht nicht die Deutschen für eure sprachlichen Minderwertigkeitskomplexe verantwortlich...

    • Alfred Bührer am 19.05.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      @A. Bellach

      Hoch-Deutsch kommt nicht nur von den Deutschen, sondern ist die Schrift/Kommunikations-Sprache des Allemanischen Sprachraums. Schweiz, Deutschland, Östereich verwenden alle Dialekte für den Umgang. Bitte informiert euch doch(Tipp: Internet), bevor Ihr blind abstimmen geht. Hört auf mit Polemik eine Deutsch-Phobie zu verbreiten mit verfälschten Grundwerten. Wenn das heute schon so funktioniert, dann graut mir ja die Zukunft.

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  • Frank Hulstern am 18.05.2011 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ist es die Frage der Integration?

    Blödsinn. Es geht doch garnicht um Hochdeutsch, sondern um die Vielen die weder deutsch noch schizzerdüütsch können. Ich bin auch nur ein "Zugereister", habe aber noch nie ein Problem mit der Verständigung gehabt da ich das Verstehen als erste Prio angesehen habe und wenn ich mal etwas nicht verstehe dann frag ich und mir wird i.R. geholfen. Aber sprechen werde ich es sicherlich nie wirklich richtig und eigentlich will das ja auch kein echter "Schweizer". In D werden auch viele Dialekte gesprochen, kein Mensch würde es aber jemanden verbieten nur in der Hochform zu sprechen. Also ENTSPANNEN