Zuwanderungsinitiative

03. April 2014 10:08; Akt: 03.04.2014 11:39 Print

SVP profitierte von der Faulheit der Jungen

von Simon Hehli - Die Analyse zur Masseneinwanderungs-Initiative zeigt: Die SVP gewann dank einer starken Mobilisierung der wirtschaftlich Schwachen – und der Trägheit der Jungen.

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Triumphgefühle bei der SVP am 9. Februar – nun ist auch klar, wieso die Rechtspartei mit ihrer Initiative hauchdünn obenaus schwang. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Es war ein Erdbeben, das die politische Landschaft der Schweiz durchschüttelte und immer noch nachwirkt: Am 9. Februar nahm das Volk die Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) der SVP an. Nun liegt die VOX-Analyse vor, die aufzeigt, wie die hauchdünne Mehrheit von 50,3 Prozent zustande kam, die der Initiative zum Erfolg verhalf – gegen den Willen von Bundesrat, Parlament, den grossen Parteien ausser der SVP und allen Wirtschaftsverbänden.

Die drei Politologen Pascal Sciarini, Alessandro Nai und Anke Tresch erkennen aufgrund der Befragung von gut 1500 Stimmberechtigten drei Hauptfaktoren für den Erfolg der SVP-Initiative.

  • Ideologie und Werte: Die Initiative wurde von jenen Personen klar unterstützt, welche die Traditionen verteidigen, für eine verschlossene Schweiz eintreten, Schweizer gegenüber Ausländern bevorzugt behandeln wollen sowie Ruhe und Ordnung für sehr wichtig halten.

  • Parteisympathie: Die Initiative profitierte von der sehr deutlichen Annahme durch die SVP-Wähler (siehe Grafik), aber auch von der relativ geringen Ablehnung durch FDP-Wähler – und von der tiefen Stimmbeteiligung der CVP-Anhänger. Diese lag bei nur 51 Prozent, während etwa bei SP und SVP je zwei Drittel der Wähler an die Urne gingen.

  • Mobilisierung: Eine entscheidende Rolle spielten Personen, die sich kaum für Politik interessieren und normalerweise nicht oder nur selten an Abstimmungen teilnehmen. Die Stimmbeteiligung war bei ihnen zwar tiefer als bei anderen Bevölkerungsgruppen, aber sie sagten grossmehrheitlich Ja zur Initiative – um ihren Unmut über die Politik von Parlament und Bundesrat zu äussern. Angesichts des sehr knappen Resultats kann das den Ausschlag gegeben haben.

    Nur 17 Prozent der Jungen stimmten ab

    Interessant ist auch ein Blick auf das Stimmverhalten verschiedener Gesellschaftsschichten. Die 18- bis 29-Jährigen lehnten die Initiative am deutlichsten ab – sie blieben der Abstimmung aber auch am häufigsten fern. Laut Studie gingen nur gerade 17 Prozent der befragten Jungen zur Urne. Die SVP profitierte zudem von der starken Mobilisierung der unteren Einkommens- und Bildungsschichten. Personen, die ihre wirtschaftliche Situation als passabel, schlecht oder sehr schlecht einstufen, nahmen die Initiative grossmehrheitlich an. Bei Arbeitern, Angestellten, Selbständigerwerbenden sowie Landwirten und Arbeitslosen war die Zustimmung sehr hoch.

    Die Autoren der Studie schreiben, insofern könne «diese Abstimmung auch als Ausdruck eines allgemeineren Zwiespalts hinsichtlich der (subjektiv wahrgenommenen) Vor- und Nachteile der Globalisierung im Allgemeinen sowie der Zunahme der Migrationsströme im Besonderen verstanden werden».

    Mit anderen Worten: Der politischen Elite gelang es nicht, die Mehrheit der Bevölkerung von den Vorteilen der Personenfreizügigkeit zu überzeugen. Es herrsche ein Unbehagen über die objektive Zunahme der Zuwanderung, erklären die Politologen – «ein Unbehagen, das durch die starke Politisierung und Mediatisierung dieses Themas möglicherweise verschärft wurde».

    Generelle Abneigung gegen Ausländer

    Nur ein Argument der Initiativ-Gegner – die Steuerung der Zuwanderung mittels Kontingenten führe zu Bürokratie und hohen Kosten – stiess auf breite Zustimmung. Bei den Befürwortern der Initiative wiederum gab nicht hauptsächlich deren eigentlicher Inhalt den Ausschlag: Nur für 17 Prozent war es das Hauptargument, die Schweiz solle die Einwanderung einschränken, kontingentieren, besser kontrollieren und/oder selbst steuern. 35 Prozent hingegen begründeten ihren Entscheid in erster Linie damit, dass sie generell gegen Ausländer seien und es bereits zu viele Migranten in der Schweiz gebe.

    Die Befragung zeigt, dass die SVP in den letzten Wochen vor dem 9. Februar zu Hochform auflief: Der Ja-Stimmen-Anteil stieg kontinuierlich an. Je später sich die Stimmenden entschieden, desto deutlicher sprachen sie sich für die Initiative aus. Dazu passt, dass sich viele eigentlich Politikferne an der Abstimmung beteiligten – und das offenbar relativ spontan. «Diese Dynamik war der SVP-Initiative zuträglich und hat wohl letztlich den Grundstein zu ihrem Erfolg gelegt», betonen die Autoren.

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    Die beliebtesten Leser-Kommentare

    • Schweizer Bürger am 03.04.2014 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ist ja eine Meisterleistung ...

      Und für diese Erkenntnisse brauchen drei Studierte zwei Monate!? Es war von Anfang an klar, dass die SVP alleine dieses Resultat nicht zustande gebracht hat und es war auch sonnenklar, dass viele Bürger - und zwar aller Parteizugehörigkeiten und auch Parteiloser - ein Ja in die Urne geworfen haben, weil sie von den Machenschaften in Bern schlicht und einfach die Schnauze voll haben!

    • Martin A. Huber am 03.04.2014 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Bla-Bla

      Eine Bla-Bla-Pseudo-Analyse, qualitativ etwa so hochstehend wie jeweils die Analysen vor den Abstimmungen. Dass z.B. die Stimmbeteiligung bei den jungen Leuten unterdurchschnittlich ist, ist ein bekanntes Phänomen und betrifft nicht nur die MEI, auch wenn das pseudoakademisch auf zwei Kommastellen ausgewiesen wird.

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    • murgianer am 03.04.2014 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      20 minuten

      liebe 20 minuten wan hört ihr entlich auf immer gegen die svp zu schiessen? wird langsam echt peinlich...

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    • DenktWeiter am 03.04.2014 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nein zu EU..

      sager, waren damals auch nur die knappe Mehrheit des Volkes, jedoch hat dies uns davor bewahrt die bodenlose Geldkiste der EU zu werden. Der Fehler den wir aller-dings gemacht haben war die PFZ anzunehmen die der Wirtschaft erlaubte genüsslich an billig Arbeitern ran zu kommen, diese auszunutzen und das CH Volk noch in Bedrängniss (Lohndumping) gebracht hat. Mit der MEI haben WIR richtig abgestimmt - Lasst Euch nicht vom Staat etwas anderes eintrommeln !

    • Visionär am 03.04.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

      Noch drei Jahre diese Missstände!?

      Jetzt wird wieder das Volksvotum auseinandergepflückt. Lasst es endlich dabei: zuviele Menschen und zu wenig Jobs (wenn, dann nur für billigere und jüngere Ausländer). Die SVP hat übrigens (zum Glück) nur den Stein ins Rollen gebracht - aber das gesamte Volk hat gewählt. Das oben genannte Problem ist ja bekannterweise nicht das Einzige, was die PFZ bzw die ME mit sich gebracht hat. Tatsachen sind immer noch: Zuwanderung unvermindert - dadurch immer mehr Lohndruck, steigende Kriminalität, immer grössere Parallelgesellschaften usw.. Aber es wird weiter verzögert, beschönigt, verleugnet usw..

    • AnthonySmith am 03.04.2014 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      hmmm

      Ich bin zum Zeitpunkt der Abstimmung 20 gewesen. Und habe auch NEIN gestimmt. Und das nur, wegen den wirtschaftlichen Folgen für die Schweiz, welche bis jetzt ja aublieben. Eigentlich hätte ich auch ja gestimmt bzw. wähle sehr rechts. Naja, nun soll das Ergebnis einfach akzeptiert werden, von allen. Finde es gut, dass wir unseren eigenen Weg gehen.

    • FreeYourMind am 03.04.2014 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Junge Städter müssen Links /Grün wählen

      sonst droht soziale Ausgrenzung oder Mitleid. Wir Agglos dürfen denken....

    • Michael von Hohenzaun am 03.04.2014 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Direkte Demokratie, Schwachsinn

      Und die Bürger in diesem Land lassen sich noch immer blenden von ihrer "direkten Demokratie". Die gibt es schon lange nicht mehr. Mit diesen Abstimmungen, die jede Woche im Briefkasten sind, wird nur suggeriert etwas bewegen zu können. Bei der MEI höre ich immer wieder von einem Maximum von 80'000 pro Jahr. Dies steht nicht im Initiativtext. Die Höchstzahlen, welche gar nicht bestimmt sind, rechnen auch das Asylwesen mit ein. Na Herzlichen Glückwunsch. Schlimmer geht es nicht. Also lieber Asylanten als Arbeitnehmer. Und die Kontingente werden durch die Wirtschaft bestimmt... haha. Ist klar.

      • Korrekt-Leser am 03.04.2014 14:08 Report Diesen Beitrag melden

        Bitte richtig lesen...

        Du solltest lesen statt hören, niemand schrieb was von Kontingentierung auf 80'000. 80'000 war was letztes Jahr reinkam und das will man schlicht und einfach nicht mehr. Also bitte richtig lesen und dann schreiben! Und glaub mir die direkte Demokratie wird es weiterhin geben, ansonsten geht das CH Volk garantiert auf die Strassen.

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