SRF-«Arena» zu Steuern

27. April 2019 07:34; Akt: 27.04.2019 08:45 Print

SVPler bekriegen sich in Projers letzter Sendung

Zoffende SVP-Vertreter und uneinige Linke: Trotz des trockenen Themas war die letzte «Arena» unter Moderator Jonas Projer unterhaltsam.

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Die AHV-Steuer-Reform ist so komplex, dass seltsame Allianzen entstehen: Die SVP ist gespalten und hat Stimmfreigabe beschlossen. Die SP ist dafür, während Juso und Grüne dagegen sind.

Diese Konstellation nutzte «Arena»-Dompteur Jonas Projer (37) in seiner letzten Sendung zu seinen Gunsten: Im Lager der Gegner kämpfte SVP-Jungpolitikerin Camille Lothe Seite an Seite mit Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli. Den beiden stellte Projer den SVP-Ständerat Hannes Germann und die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran gegenüber.

SVP-Gäste waren sich gar nicht grün

Das Kalkül ging voll auf: So wie Projer schon im Intro zwei SVP-Schriftzüge clashen und in hundert Stücke springen liess, gerieten sich Lothe und Hermann in der Sendung sogleich in die Haare. Erster Streitpunkt war die Verknüpfung der Steuerreform mit der AHV-Finanzierung: So sollen nicht nur die international verpönten Steuerprivilegien für Statusgesellschaften abgeschafft werden, sondern auch jährlich zwei Milliarden Franken mehr in die AHV fliessen.

So verlief der Start von Projers letzter «Arena».

(Video: SRF)

Lothe sprach von einem «Verfassungsbruch», da durch die Verknüpfung sachfremder Themen eine unverfälschte Stimmabgabe verhindert werde. Auch Glättli warnte vor schwindendem Vertrauen in die Demokratie, wenn man versuche, sich die Zustimmung mit einem «Päckli zu erkaufen». Denn wie bei der gescheiterten Unternehmenssteuerreform III drohten bei Kantonen und Gemeinden riesige Steuerausfälle.

Die Stimmbürger würden behandelt wie kleine Kinder, sagte Glättli – und setzte zu einem bildhaften Vergleich an. «Ein Kind schmeisst den Spinat auf den Boden, weil er ihn nicht mag. Jetzt vermischt man den Spinat mit Röseliköhl und giesst etwas Zuckersauce drüber, damit das Kind den Spinat isst.»

Badran tätschelt Germann

SVP-Mann Germann widersprach: Es stehe zu viel auf dem Spiel, dass man Nein sagen könnte. Er argumentierte mit Arbeitsplätzen und damit, dass es keinen Plan C gebe. Die Vorlage sei ein typisch schweizerischer Kompromiss, wie es ihn immer wieder gegeben habe.

Zu Hochform lief Badran auf. Sie lobte die Vorlage in den höchsten Tönen, da damit die «unsäglichen Steuerprivilegien» endlich abgeschafft würden. Sie sei ein «Geniestreich». Durch die Verknüpfung sei der Kompromiss im Parlament erst möglich geworden. Als sich Glättli über die Aussagen Badrans wunderte, meinte Germann, er habe diese noch selten so gemocht. Der Schaffhauser erntete dafür Lacher aus dem Publikum und auch einen jovialen Seitenhieb von seiner Verbündeten.

«Zuschauer stellen sich uns in der Badewanne vor»

Fast zu bildhaft ging es dann bei der Debatte um den AHV-Teil der Vorlage weiter. Lothe verglich – animiert durch Projer – die AHV mit einer Badewanne, in der es keinen Stöpsel gibt, um das Wasser zu stoppen. Nun lasse man einfach immer mehr Wasser, Lothe meint damit Geld, hineinlaufen. Da entfuhr es dem SRF-Mann: «Jetzt stellen sich die Zuschauer uns alle in der Badewanne vor.»

Der Moderator, der ansonsten gewohnt souverän durch die Sendung führte, bat die Gäste gegen Ende der Sendung, ihm Tipps für einen Freitag ohne «Arena» zu geben. Lothe etwa riet ihm zum Beer Pong, wie sie es in ihrer WG bisweilen spiele.

Zum Schluss bedankte sich der fünffache Familienvater dafür, dass er das Privileg gehabt habe, während fünf Jahren die Politsendung zu moderieren. Wer genau hinschaute, konnte erkennen, dass seine Augen ein wenig wässrig wurden.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 27.04.2019 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Päcklilösungen

    Solche Päckli führen für mich logischerweise zu einem klaren Nein.

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  • Ch am 27.04.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst euch nicht blenden

    Wer dieses Päcken annimmt, dem ist nicht mehr zu helfen. Die fehlenden Steuereinnahmen, der Gemeinden, Kantone und Bund, zahlt der normale Bürger dann einfach, die Reichen werden noch Reicher, die Armen noch Ärmer, die AHV muss separat abgestimmt werden, lasst euch nicht mit diesen 2 Milliarden blenden, denn genau ihr zahlt dies, mit höherenLohnabgaben, Mehrwertsteuer , stimme hier zu dieser Vorlage ein ganz kleines Nein, seid aufmerksam

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  • Fight4Freedom am 27.04.2019 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Päcklilösungen...

    ... sind ein Zeichen der Unfähigkeit der Politik 1 gute Lösung für ein Problem zu finden. Päcklilösungen MÜSSTEN verboten werden. Ein klares NEIN...alles andere ist blinde Obrigkeitsgläubigkeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wähler am 27.04.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AHV-Steuer-Reform

    Ich verstehe nicht, wieso man die AHV-Steuer-Reform nicht getrennt hat, es hätte ja bloss einen Stimmzettel mehr gebraucht und das Abstimmen würde uns leichter fallen!

  • Banause am 27.04.2019 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage

    Wie beeinflusst ein Ja zum Waffengesetz das Schweizer Militär?

  • Eidgenoss am 27.04.2019 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP Auslaufmodell

    Die SVP zerfleischt sich selbst. Bravo nur weiter so. Das wahre VOLK (72%) hat gesiegt, ha, ha..!

  • Päscuu am 27.04.2019 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Badran sei dank

    Badran sagt ja? Dann sage ich ohne zu zögern NEIN!

  • Dagobert am 27.04.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldverseucht

    Glaub keinem und keiner über 30!