Wegen Säckli-Verbot

19. Dezember 2012 11:50; Akt: 19.12.2012 13:13 Print

SVPler beschimpft «linke Saubande» auf Facebook

Der Medienchef einer Berner SVP-Sektion rief auf Facebook dazu auf, den Linken ein Plastiksäckli über den Kopf zu stülpen und zuzubinden. Nun drohen ihm juristische Folgen.

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Nicht zum ersten Mal stolpert ein SVP-Mitglied über eine unüberlegte Social-Media Meldung. Am Dienstag erlaubte sich ausgerechnet der Medienchef der SVP-Steffisburg, Ueli Tobler, einen wüsten Kommentar. Nachdem das eidgenössische Parlament letzte Woche eine Verbot von Plastiksäckchen erlassen hatte, griff er in die Tasten und empfahl auf Facebook «jedem/jeder Einzelnen dieser linken Saubande einen speziell dichten Plastiksack zu schenken und diesen dann ihm/ihr ganz schnell über den Kopf zu stülpen und mit einem langen Kabelbinder festzuzurren».

Der SVP-Präsident von Steffisburg, Hansrudolf Marti, bestätigte am Mittwoch auf Anfrage entsprechende Medienberichte. Der Vorstand werde sich am Mittwochabend über den Fall beugen und dann weiter informieren. Die Äusserungen seien inakzeptabel.

«Aussagen als Privatperson gemacht»

Der Autor des Spruchs, Ueli Tobler, entschuldigt sich auf seiner eigenen Facebook-Seite bei jenen, welche sich durch die Äusserungen verletzt fühlen. Er habe diese als Privatperson gemacht. Sie seien «politisch nicht korrekt». Tobler hat den Eintrag inzwischen gelöscht.

Beim Eintrag handelte es sich um einen Kommentar auf der Facebook-Seite des Stadtberner SVP-Grossrats Thomas Fuchs. Dieser kritisiert dort das kürzlich von den eidgenössischen Räten beschlossene Abgabeverbot von Plastiksäcken an den Kassen. Auch Fuchs ging aber der Kommentar von Tobler zu weit: Er distanziert sich davon, wie er auf Anfrage bestätigte.

Fuchs glaubt, dass eventuell Tobler - und auch anderen Kommentatoren - nicht bewusst war, dass seine Facebook-Seite öffentlich ist. Leute glaubten demnach fälschlicherweise, ihre Einträge könnten nur von Facebook-«Freunden» gesehen werden.

Einer von mehreren Fällen

In jüngster Zeit sind wiederholt Politiker über Äusserungen auf den sozialen Medien gestolpert. So trat etwa im Juni ein Stadtzürcher SVP-Politiker nach einem Kommentar auf Twitter aus der Schulpflege zurück. Sein Amt gab im September auch der Präsident der SVP-Sektion Schwyz nach einem Kommentar auf Facebook ab.

Auch ein Neuenburger Jungliberaler manövrierte sich kürzlich mit einer Verunglimpfung ins politische Abseits. Opfer war eine Genfer SVP-Nationalrätin.

(jep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Dampf am 19.12.2012 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufwiegeln

    Ich persönlich bin ja nicht pro SVP, dennoch handelt es sich um eine persönliche Äusserung eines Mitglieds. Es ist aber nicht fair von den Medien immer gleich die ganze Partei- egal ob links oder rechts dafür in die Verantwortung zu ziehen. Solche Äusserungen sind natürlich nicht tollerierbar, aber von einer Organisation nicht zu unterbinden. Da spielt das Menschliche mit rein. Die Medien sind verantwortlich für die extreme Polarisierung und Feindseligkeiten wie sie heute zwischen links und rechts vorherschen. Schaade denn genau das schadet der Demokratie und dem konstruktiven Gedanken.

  • paulK am 19.12.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn jemand sagt was er denkt

    zeigt das oft wie (wenig) er denkt. Das hier ist kein verbaler Aurutscher, das spiegelt die Denkweise.

  • Manuel Oder am 19.12.2012 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Widerlich

    Man will sich gar nicht vorstellen, was einer wie Fuchs im Privaten sagt oder denkt. Es ist äusserst bedenkenswert, dass schon wieder ein Politiker der grössten Partei mit solch aggressiven Hasstiraden auffällt - und die eigene Partei schon wieder von einem "Aussetzer" spricht. Das ist kein Aussetzer, sondern haargenau das Gedankengut von Herrn Tobler.

Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Buchegger am 19.12.2012 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist halt das SVP-Niveau

    Für anständig gebliebene SVPler gibt es bekanntlich nun die BDP. Der Rest soll bleiben wo er ist.

  • Johan_Nestieg am 19.12.2012 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nuechtern bleiben

    Man sollte laengst gelernt haben, dass solche Kommentare auf FB und aehnlich nicht erlaubt sind. Allerdings ist es doch auch relativ einleuchtend, dass dieser Kommentar eine Art dummer Stammtischspruch ist, den man in aehnlich uebespitzter Art und Weise der Ironie je nach dem noch so mancherorts zu hoeren bekommen kann. Ich denke, man sollte nicht alles zu woertlich nehmen (in anderen Worten: mit gesundem Menschenverstand kann man wohl davon ausgehen, dass der Herr nicht wirklich jemandem empfehlen will, andere Leute mit einem Plastiksack zu ersticken).?.

    • Nala71 am 19.12.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      Sowas schreibt man auch besoffen nicht

      Weshalb sollte ein SVPler nicht wollen, die Linken mit einem Plastiksack zu ersticken? Wer sowas schreibt wäre mit dem Tod eines anderen einverstanden. Gesunder Menschenverstand würd schon gar nie solche Gedanken äussern. Egal ob ein SPler oder SVPler den Sack übergestülpt bekäme. Das Niveau sinkt...

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  • Hans Dampf am 19.12.2012 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufwiegeln

    Ich persönlich bin ja nicht pro SVP, dennoch handelt es sich um eine persönliche Äusserung eines Mitglieds. Es ist aber nicht fair von den Medien immer gleich die ganze Partei- egal ob links oder rechts dafür in die Verantwortung zu ziehen. Solche Äusserungen sind natürlich nicht tollerierbar, aber von einer Organisation nicht zu unterbinden. Da spielt das Menschliche mit rein. Die Medien sind verantwortlich für die extreme Polarisierung und Feindseligkeiten wie sie heute zwischen links und rechts vorherschen. Schaade denn genau das schadet der Demokratie und dem konstruktiven Gedanken.

  • Steff am 19.12.2012 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratischer entschluss

    Sieht so akzeptanz von demokratischen entschlüssen aus?

  • Dave Hunzi am 19.12.2012 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UNTOLERIERBAR

    herrgottnocheins. Beinahe jede Woche ist wieder ein Artikel im 20 Minuten über Politiker die sich völlig respektlos und unangebracht im Internet äussern. Für mich ist so etwas untolerierbar. Völlig zurecht werden solche Politiker juristisch zur Rechenschaft gezogen. Doch leider ist das nicht immer der Fall. Wie soll es denn weitergehen?