Gegen Diskriminierung

13. Februar 2014 14:28; Akt: 13.02.2014 14:57 Print

Samenspende bald auch für Homosexuelle?

Gleichgeschlechtliche Paare sollen die Möglichkeit auf Samenspende haben. So will es die Mehrheit der Ethikkommission. In Sachen Leihmutterschaft ist die Kommission gespalten.

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Ist der Mann unfruchtbar, kann ein Paar in der Schweiz auf eine Samenspende zurückgreifen – allerdings nur, wenn es verheiratet ist. Die Nationale Ethikkommission hält diese Regelung für diskriminierend: Sie plädiert dafür, dass auch unverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare diese Möglichkeit erhalten.

Alleinstehende Personen sollen ebenfalls gespendete Samenzellen verwenden dürfen. Das empfiehlt die Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK) in einer rund 60-seitigen Stellungnahme zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung, die sie am Donnerstag den Medien präsentierte.

«Es hat ein Wandel stattgefunden»

Als diskriminierend wertet es die NEK auch, dass die Eizellenspende in der Schweiz derzeit verboten ist, während die Samenspende erlaubt ist. Sie spricht sich deshalb dafür aus, das Verbot von Eizellen- und Embryonenspende aufzuheben.

«Es hat ein Wandel stattgefunden, und dem muss man Rechnung tragen», sagte Judit Pòk, Frauenärztin und bis Ende letzten Jahres NEK-Mitglied, vor den Medien. Die Frage nach Eizellenspende und Leihmutterschaft werde ihr immer häufiger gestellt. «Mit Verboten allein wird man diesem Wandel nicht gerecht», sagte sie und verwies auf Frauen, die angesichts der Verbote ins Ausland auswichen.

«Keine Embryonen zu verschenken»

«Es gibt in der Schweiz keine Embryonen zu verschenken», stellte Pòk klar. Es gebe aber befruchtete Eizellen, die nicht mehr benötigt würden – von Paaren, deren Kinderwunsch sich bereits erfüllt habe. Statt diese zu vernichten oder der Forschung zur Verfügung zu stellen, könnten diese auch an unfruchtbare Paare gespendet werden, schlägt die NEK vor.

Bezüglich Leihmutterschaft zeigte sich die Ethikkommission gespalten. Nur eine Minderheit möchte die Leihmutterschaft im Gesetz zulassen. Die Mehrheit ist zwar der Ansicht, dass die Leihmutterschaft grundsätzlich zugelassen werden kann.

Gleichzeitig bezweifelt sie aber, das Rahmenbedingungen geschaffen werden könnten, die alle beteiligten Personen genügend schützen würden, wie NEK-Präsident Otfried Höffe sagte.

Für Gentests an Embryos

Die Nationale Ethikkommission spricht sich in ihrer Stellungnahme auch für den Vorschlag des Bundesrates aus, die Präimplantationsdiagnostik (PID) für erblich vorbelastete Paare zuzulassen.

Dabei werden die Embryos auf die Erbkrankheit getestet und ein Embryo ohne Hang zur Erbkrankheit ausgewählt und in die Gebärmutter eingesetzt. Der Bundesrat hatte die Gesetzesänderung Mitte letzten Jahres vorgeschlagen. Ethisch ist die PID allerdings umstritten, weil Kinder im Prinzip nach bestimmten Merkmalen «erschaffen» werden können.

Alberto Bondolfi, ehemaliges Mitglied der NEK und Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe, verwies jedoch darauf, dass die Unterschiede zur Pränataldiagnostik – die zugelassen ist – nicht gross genug seien, um eine unterschiedliche Regelung zu rechtfertigen.

Keine Beschränkung der Anzahl Embryonen

Nicht einig geht die Ethikkommission mit dem Vorschlag des Bundesrates, wonach bei Frauen, die PID nutzen, nur höchstens acht Embryonen pro Behandlungszyklus entwickelt werden dürfen.

«Medizinisch macht das keinen Sinn», sagte Pòk. Bei acht Embryonen könne es sein, dass sich nach der Diagnostik keiner einsetzen lasse. Befürwortet wird von der Ethikkommission hingegen, dass Embryonen künftig aufbewahrt werden dürften.

Emotionale Diskussion vorprogrammiert

Im Parlament dürfte die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik eine emotionale Diskussion auslösen. In der Vernehmlassung hatte sich einzig die SVP ohne Abstriche hinter die Vorlage gestellt. Das letzte Wort dazu wird das Volk haben, da die Verfassung geändert werden muss.

Die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin ist eine beratende, unabhängige, ausserparlamentarische Fachkommission. Ihr gehören 15 Mitglieder an, darunter Ärzte, Juristen, Ethiker und Theologen. Der Bericht wurde Ende 2013 erarbeitet, unmittelbar vor dem Ende der Amtszeit von sieben Mitgliedern.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dario am 13.02.2014 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    @samenspender aufgepasst

    Ich würde nie Samen spenden. Trotz angeblicher "Anonymität" kann es sein, dass Mann trotzdem Unterhalt bezahlen muss. Männerfeindliche Gesetze ermöglichen es und der Datenschutz wird umgangen.

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  • gugusli am 13.02.2014 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Das Gespenst der Freiheit...

    ... oder das Gespenst der Machbarkeit?

  • Roland am 13.02.2014 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte nicht

    Schwachsinn! ich bin immernoch der Meinung, dass ein Kind verschiedene Geschlechter als Eltern haben sollte! das mit den nicht verheirateten Paaren verstehe ich noch, aber keine gleichgeschlechtlichen! achja, ich bin kein alter knacker, bei dem der Wandel nochnicht stattgefunden hat, bin 21 und bei uns findet diese idee kein gehör

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mond & Sterne am 14.02.2014 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    bin dagegen...

    .. habe selbst freunde die homo sind und trotzdem bin cih der meinung, dass man das halt einfach akzeptieren muss, ich bin aber auch gegen künstliche Befruchtung bei nicht erfüllten Kinderwunsch von gleichgeschlechtlichen... Unsere ICh will um jede preiss gesellschafft geht mir echt langsam auf die nerven... anstatt sich mit was abzufinden geht man die unmöglichsten wege und jaaa ich kenne auch paare die kinderlos sind und kinderwunsch hatte, aber diese haben sich damit abgefunden und sich dafür beruflich nochmals ein grosses stück weiterentwickelt.

  • Allan Goncalves da Silva am 13.02.2014 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    witzig

    immer wieder witzig zu sehen in den kommentaren, wie viele homosexualität mit sterilität/unfruchtbarkeit gleichsetzen. homosexuelle sind nun mal nicht automatisch zeugungsunfähig. das sind zwei paar schuhe. und alleinerziehende eltern scheinen ja gesunde kinder grosszuziehen, auch wenn ein geschlecht fehlt. wieso sollten dies dann eltern mit gleichem geschlecht nicht können?

  • Claudio am 13.02.2014 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin nicht überzeugt

    Das Thema Gleichberechtigung ist ungemein "Inn" in unserer Zeit. Alle wollen immer für alles und Jeden Gleichberechtigung. Man ist schon fast ausgegrenzt wenn man anders denkt. Doch hier muss ich mal dagegensprechen. Ich habe absolut nichts gegen Homosexuelle. Aber ich kann es einfach nicht begreifen, das alle pro Stimmen nicht sehen, dass eine zweite Frau keinen Vater ersetzen kann. Oder einen zweiten Papi auch keine Mutter ersetzen kann. Nur weil Schwule und Lesben sich benachteiligt fühlen sollte man das 100%ige Wohl des Kindes nicht vergessen.

  • Mia Meier am 13.02.2014 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss auch an das Kind denken!

    Ich bin sehr wohl dafür, dass Homosexuelle Paare zusammenleben / heiraten dürfen. Was Kinder anbelangt bin ich jedoch dagegen. Ich habe nichts gegen Homosexuelle, aber man muss doch auch an die Kinder denken. Ein Kind braucht eine Mama und einen Papa. Es ist unüblich, dass ein Kind zwei Mama/papas hat! Ausserdem könnte es in der Schule zum Mobbing führen. Es ist einfach nicht fair gegenüber dem Kind. Ich meine damit nicht, dass homosexuelle nicht gut mit Kindern umgehen können, aber gegenüber dem Kind ist es einfach unfair.

  • Flo am 13.02.2014 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz richtig!

    Ich bin absolut dafür das homosexuelle kinder haben dürfen! Warum diese Menschen immer diskriminieren? Wer sagt das Kinder es besser haben mit einem Vater und Mutter als bei zwei gleichgeschlechtrige? Niemand! Die Zeiten haben sich geändert und auch homo sollte diese Chance erhalten Kinder zu haben. Sie können auch nichts dafür, dass sie das gleich Geschlecht lieben. Sie wurden so Geboren.