Reisehinweis Schweiz

12. Juni 2016 11:32; Akt: 12.06.2016 12:02 Print

Saudis fordern Respekt für Tessiner Burkaverbot

Bitte Kinder nicht misshandeln und aufpassen, dass die Bediensteten nicht abhauen: Die saudische Botschaft gibt vor Inkrafttreten des Verhüllungsverbots im Tessin Tipps.

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Im Tessin drohen 1000 Franken Busse, warnt die saudische Botschaft: Eine Familie mit verhüllter Frau beobachtet einen Umzug in Genf. (1. August 2015) Das Burka-Verbot ist in Belgien bereits in Kraft und sorgt noch immer für Aufregung: Zwei muslimische Burka-Trägerinnen zeigen ihre Bussen vor dem Stadthaus in Brüssel. Vom Verschleierungsverbot sind nur wenige Frauen betroffen: Verschleierte Frauen vor dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Der Mann, der die Tessiner Initiative für das Burkaverbot lanciert hat: Der politische Einzelkämpfer und ehemalige Journalist Giorgio Ghiringhelli aus Losone. Nora Illi, Leiterin des Frauenverbandes des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), machte sich am 18. September 2013 noch stark gegen ein Verbot des islamischen Gesichtsschleiers. Urs Schwaller, Ständerat und CVP-Fraktionspräsident, sagte im Vorfeld der Abstimmung: «Wenn sich der Kanton Tessin mit diesem Verbot selbst einengen will, dann sind wir eigentlich offen.» Fraktionschef der BDP Hansjörg Hassler: «Wir haben uns in der BDP stehts für ein Vermummungsverbot an Demonstrationen ausgesprochen. Zur Tessiner Verfassungänderung dürften wir auch eher Ja sagen. Bei einem reinen Burka-Verbot wären wir zurückhaltender, weil es dabei auch um die Religionsfreiheit geht.» Tiana Angelina Moser, Fraktionspräsidentin der Grünliberalen, hält es für unwahrscheinlich, dass sie und ihre Parteikollegen die Tessiner Verfassungsänderung unterstützen werden: «Ein Burka-Verbot würde einer grünliberalen Grundhaltung widersprechen.» Auf der Seite der Befürworter des Verbots war auch die ehemalige Finanzdirektorin des Kantons Tessin, Marina Masoni (FDP).

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Die Botschaft Saudiarabiens bittet die Bürger ihres Landes, die «Bestimmungen und Gesetze der Schweiz einzuhalten, um jedwelche Konflikte zu vermeiden.» In dem über Twitter verbreiteten Aufruf weist die Landesvertretung in Bern darauf hin, dass im Kanton Tessin ab dem 1. Juli ein Verhüllungsverbot gilt. Wer es missachte, müsse 1000 Franken Busse zahlen (das Gesetz sieht eine Spannbreite von 100 bis 10'000 Franken vor).

Die Saudiaraber seien sehr darauf bedacht, Zwischenfälle zu verhindern, berichtet die «Zentralschweiz am Sonntag». So bitte die Botschaft in ihrem Schreiben die Bürger auch, ihre Kinder in der Öffentlichkeit nicht allzu grob zu behandeln. Andernfalls drohe ein Gerichtsverfahren wegen Misshandlung oder gar der Entzug des Sorgerechts.

Achtung: Begrenzte Arbeitszeit und Anrecht auf Pause

Die Mitteilung ist laut dem Bericht «betont nüchtern» verfasst. Es werde darin keinerlei Kritik an den Schweizer Gesetzen geübt. Die Botschaft thematisiert ein weiteres Problem: Immer mehr Angestellte saudischer Familien nutzten Europareisen, um das Weite zu suchen. Man solle die Bediensteten deshalb gut im Auge behalten oder gleich zu Hause lassen.

Ausserdem widersprächen saudische Arbeitsverträge Schweizer Recht, schreibt die Botschaft. Die Hausangestellten hätten hierzulande nämlich das Recht, die Stelle zu künden. Die Arbeitszeit sei begrenzt und es gebe ein Anrecht auf eine wöchentliche Pause.

Einige hundert Saudiaraberinnen

Laut der «Zentralschweiz am Sonntag» waren bisher jährlich «einige hundert» Frauen aus Saudiarabien im Tessin zu Gast. Die, die sich verhüllen, tragen meist keine Burka, sondern einen Niqab, einen schwarzen Schleier, der für die Augen einen Schlitz frei lässt.

Insgesamt sorgen Touristen aus arabischen Ländern für rund 40'000 Hotelübernachtungen, die Hauptreisesaison ist der Sommer. Das Tessiner Gesetz nimmt Touristinnen explizit nicht vom Verbot aus.

Der Aufruf der Botschaft Saudiarabiens in Bern über Twitter:

(rub)