Pornos in Schulen

16. September 2010 23:29; Akt: 17.09.2010 12:45 Print

Schädlich oder notwendig?

von Désirée Pomper - Sollen bereits Kinder in der Schule Pornos schauen? Im Streitgespräch kreuzen CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer und Sexualpädagoge Bruno Wermuth die Klingen.

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CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer und Sexualpädagoge Bruno Wermuth. (Bild: 20 Minuten)

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20 Minuten: Frau Schmid-Federer, Herr Wermuth, Sie beide haben Kinder im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Würden Sie mit ihnen gemeinsam einen Porno schauen, um sie über Realität und Fiktion aufzuklären?
Schmid-Federer: Niemals. Ich finde nicht, dass ein 12-jähriges Kind einen Pornofilm schauen sollte. Ausserdem fördere ich keinen illegalen Pornokonsum. Gerne bin ich aber bereit, jederzeit mit meinen Kindern darüber zu sprechen.
Wermuth: Mein Sohn hat mich bereits gefragt, ob ich für ihn einen geeigneten Film heraussuchen könnte. Ich werde dies sobald wie möglich machen und den Film mit ihm zusammen anschauen. Er hat ein Recht auf Wissen.

Sie denken also nicht, dass Pornofilme bei Kindern Schäden hinterlassen können?
Wermuth: Wichtig ist, dass der Film legal ist, sorgfältig ausgewählt wird und dass auf den Entwicklungsstand der einzelnen Kinder Rücksicht genommen wird.
Schmid-Federer: Diesen Vorsichtsmassnahmen zum Trotz – die meisten Kinder sind einfach noch nicht so weit, Pornos zu schauen. Diese Kinder werden vergewaltigt. Das sind traumatische Erfahrungen, die lang anhaltende Schäden im sozialen Verhalten der Kinder hinterlassen können.
Wermuth: Meine langjährige Arbeitserfahrung mit Jugendlichen zeigt, dass über 80 Prozent der 12- bis 14-Jährigen Pornos gesehen haben. Vor dieser Tatsache kann man nicht einfach die Augen verschliessen.
Schmid-Federer: Ich verschliesse nicht die Augen davor. Aber ich finde, die Schule sollte nicht dafür da sein, Kinder zum Pornokonsum zu verführen. Das Ziel sollte doch sein, den Jugendlichen den Zugang zu pornografischen Filmen so weit wie möglich zu erschweren. Es ist meine Aufgabe als CVP-Politikerin und Mutter, die Kinder und Jugendlichen so lange wie möglich vor Pornofilmen zu schützen.
Wermuth: Es ist aber nicht unsere Aufgabe, Kinder vor gezeigtem Sex zu schützen. Sex an sich ist kein Problem.

Herr Wermuth, reicht es denn nicht, mit den Kinder über Pornofilme zu sprechen, anstatt sie ihnen zu zeigen?
Wermuth: Es ist wie beim Skifahren. Man lernt es nicht, indem man darüber spricht. Man kann nur anhand konkreter Beispiele über Pornos diskutieren und das Gezeigte relativieren.
Schmid-Federer: Es ist doch viel gesünder, wenn ein Kind seine Sexualität auf dem eigenen Weg entdecken kann.
Wermuth: Das Problem dabei ist, dass die Kinder bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen bereits Pornos konsumiert haben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie in der Schule eine «Pornokompetenz» entwickeln, um zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Herr Wermuth, denken Sie, Frau Schmid-Federer ist gefangen in alten Moralvorstellungen?
Wermuth: Nein, aber sie blendet aus, dass bereits Kinder in der Primarschule mittels Internet und Handys in Kontakt mit Pornos geraten und die Schule sich mit diesem Problem befassen muss. Die Idee ist ja nicht, dass man sagt, «macht die Storen runter, heute ist Pornotag». Wenn man Jugendlichen einen guten Sexfilm zeigt, ist es, wie wenn man ihnen einen Film zeigt über eine schöne Bergwanderung. Sexualität ist ein menschliches Verhalten, und alle haben ein Recht, darüber informiert zu sein.
Schmid-Federer: Da ich mich seit Jahren auf politischer Ebene mit Internet und Handys beschäftige, blende ich gar nichts aus. Ich weiss, dass viele Jugendliche Pornofilme gesehen haben. Man kann gezielt mit einzelnen Jugendlichen arbeiten – aber bitte nicht, indem man einer ganzen Schulklasse Pornofilme zeigt. Damit sind die Jugendlichen definitiv überfordert.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Joachim am 17.09.2010 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    aber Hallo?

    Mit wachsendem Entsetzen verfolge ich die Diskussion über das Thema. Entsetzen darüber, dass Fachleute, die eigentlich den Schutz der Kinder im Auge haben müssten, gewillt sind Kindern Pornos zu zeigen, ja sogar dazu aufrufen! Nur weil die Pornos auf dem Pausenhof verfügbar sein könnten, eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Problematik, heisst das noch lange nicht, dass man den Kindern diese auch zumuten muss. Zigaretten, Alkohol und Drogen können auch auf dem Schulhof für die Kinder erreichbar sein und dennoch wird kein vernünftiger Mensch einem 10 Jährigen deshalb einen Joint

  • maurer hugo am 17.09.2010 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    porno im kindergarten

    wieso erst in der schule am besten schon im kindergarten, das ist nachhaltiger.

  • Mensch am 17.09.2010 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung es sind Wahlen

    Warum man sich ausgerechnet jetzt wieder mit einem Thema dass ja eigentlich niemanden interessiert profilieren muss bleibt mir ein Rätsel.Die selbstgefälligen Sexologen und Sexologinnen haben wohl nichts gescheiteres zu tun.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oliver W. am 29.11.2010 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe, Ihr Sohn ist älter als

    16 Jahre, wenn Sie zusammen mit ihm den Film anschauen, sonst bekommen Sie ein juristisches Problem (StGB §197.4). Ihr Vorgehen erinnert mich etwas an die US Spielfilme, in denen der verklemmte Vater vor lauter Aufklärungsangst den Sohn zur Dorfnutte bringt, damit diese ihn handfest aufklärt. Ob des Knabens Frauenbild dadurch realistisch, gleichberechtigt und sein Handeln zukünftig eigenverantwortlich wird, wage ich zu bezweifeln. Verkehrte Welt: Kinder werden ermuntert, alles auszuprobieren; ich als Privatmann riskiere eine Klage, wenn ich Kinder vor Krankheiten und Verrohung schützen will.

  • Silvia Burri am 23.09.2010 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder in der Schule aufgeilen?

    Pornos sind dazu da, um sich einen runterzuholen, oder? Wie macht man das dann in der Schule, wenn die Kinder erregt werden? Gibt es da auch praktische Lösungsvorschläge wie Anschauungs- und Übungsmöglichkeiten in der Realität? Ist es nicht - und sollte es nicht eine Privatsache sein, Pornos anzusehen? Klar, sind Kinder neugierig, aber das muss doch nicht in der Schule "befriedigt" werden... und wenn ja, wie denn? Abgesehen davon ist Sex mit Minderjährigen immer noch eine kriminelle Straftat, bei der man ins Gefängnis wandern kann. Aber so früh wie möglich damit anfangen?

  • Patrick Holenstein am 20.09.2010 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Die menschheit wird immer dümmer

    wow eltern müssen geld zahlen dass die kinder pornos schauen dürfen und wenns dann nicht zum gewünschten resultat kommt und sie porno süchtig werden, muss man wieder geld bezahlen um sie davon los zu bringen. In pornos sieht man oft typen mit sixpacks und Frauen mit riesenbrüsten, so werden minderwertigkeitskomplexe erschaffen bravo

  • Giordano Torre am 20.09.2010 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Einewäg

    Pornos in der Schule? Die sind doch schon lange dort angekommen, auf dem Pausenplatz, vor und nach dem Unterricht. Wer das nicht weiss, gehört nicht in eine Diskussionsrunde und vertritt blauäugig Thesen, die in der Realität schon lange überholt sind.

  • Anton Wegmüller am 19.09.2010 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wermuth ruft zu Straftat auf ...

    Ich hoffe, Herr Wermuth ist sich des Artikels 197.4 Strafgesetzbuch bewusst: "Wer pornographische [...] Bildaufnahmen [...] einer Person unter 16 Jahren [...]zugänglich macht [...] zeigt [...] wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Kindern Pornos zu zeigen, ist eine Straftat!