Rüge von SRG-Ombudsman

28. Mai 2019 14:21; Akt: 28.05.2019 18:05 Print

Schawinski verletzte Menschenwürde von Gast

Roger Blum erteilt Roger Schawinski für das Gespräch mit der ehemaligen Prostituierten Salomé Balthus eine scharfe Rüge. Er habe ihre Menschenwürde verletzt.

Laut SRG Ombudsmann hat Roger Schawinski die Menschenwürde von TV-Gast Salomé Balthus verletzt.
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TV-Moderator Roger Schawinski hat in einer SRF-Talksendung mit der deutschen Prostituierten Salomé Balthus nach Auffassung des Ombudsmanns deren Menschenwürde verletzt. Schawinski hatte sie vor laufenden Kameras gefragt, ob sie als Kind sexuell missbraucht worden sei.

In seinem am Dienstag veröffentlichten Schlussbericht zur Sendung «Schawinski» vom 8. April unterstützt SRG-Deutschschweiz-Ombudsmann Roger Blum Beanstandungen von zehn Zuschauerinnen und Zuschauern. Diese hatten nach der Ausstrahlung des Interviews mit der 34-jährigen Edel-Prostituierten Klara Johanna Lakomy alias Salomé Balthus ihren Unmut über die Gesprächsführung des 74-jährigen Moderators geäussert.

Roger Schawinksi wollte auf Anfrage von 20 Minuten keine Stellung zur Rüge beziehen. Er gebe keinen Kommentar ab.

«Verächtlicher Tonfall»

Ombudsmann Blum bilanziert in seinem 16-seitigen Kommentar, der gemeinhin als angriffig geltende Schawinski habe diesmal bei seinem Fragestil zu wenig berücksichtigt, dass ein journalistisches Interview für die Öffentlichkeit bestimmt sei und dass die direkte persönliche Frage, ob jemand in der Kindheit sexuell missbraucht worden sei, nicht an die Öffentlichkeit gehöre, auch dann nicht, wenn die Person nicht missbraucht worden sei.

Weiter habe Schawinski nicht bedacht, dass der prominent ins Spiel gebrachte Vater von Balthus und das Gespräch über das Verhältnis seiner Tochter zu ihm dazu führte, dass das Publikum sofort an den Vater dachte, als die Frage nach dem sexuellen Missbrauch in der Kindheit kam. Damit sei möglicherweise auch die Menschenwürde des Vaters verletzt worden, wenn auch unabsichtlich, schrieb Blum.

Schawinski verteidigt kritische Fragen

Weiter kritisierte der Ombudsmann einen «leicht verächtlichen Tonfall durch die ganze Sendung hindurch» gegenüber der Berliner Philosophin und Escort-Service-Betreiberin als «unangemessen». Man werde den Eindruck nicht los, dass der Moderator das Interview nicht aus einem Erkenntnisinteresse geführt habe, sondern den Lebensentwurf seines Gastes als «schlechten» von einem «guten» habe abgrenzen wollen, schrieb Blum. «Das hatte eine diskriminierende Tendenz. Das war auch gegenüber dem Publikum nicht fair.»

Schawinski sieht keine Verletzung der SRG-Konzession. Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) verteidigte in einer Eingabe gegenüber dem Ombudsmann die Sendung und die kritischen Fragen rund um Prostitution und Missbrauch. Balthus mache ihre Erfahrungen als Prostituierte gezielt öffentlich und breche damit Grenzen auf, hiess es. Sie suche Aufmerksamkeit durch Provokationen in ihren Beiträgen als Autorin. Die Verantwortlichen räumten jedoch ein, dass man dem Publikum zu Beginn der Sendung mehr Hintergrund zu dem in der Schweiz kaum bekannten Talkgast hätte liefern sollen.

Nicht die erste Rüge für Schawinski

Der Auftritt von Balthus bei «Schawinski» sorgte im Nachgang für einige Schlagzeilen. Einerseits wurde der Moderator in Medien harsch kritisiert, eine Prostituierte am TV blossgestellt zu haben. Andererseits verlor Balthus ihren Job als Kolumnistin bei der deutschen Zeitung «Die Welt» nach nur neun Monaten, nachdem sie sich in einer Kolumne über die umstrittene Sendung beschwert und Schawinski im Artikel falsch zitiert hatte.

Es ist dies nicht die erste Rüge der SRG-Ombudsstelle gegen den langjährigen Radio- und TV-Talker Schawinski. Beanstandet wurden in der Vergangenheit auch seine Interviews 2018 mit SVP-Politikerin Magdalena Martullo-Blocher als einseitig und 2014 mit Satiriker Andreas Thiel als gehässig und unsachgemäss.

SRF entschuldigt sich für verletzte Gefühle

In einer Stellungnahme äussert sich Tristan Brenn, Chefredaktor TV SRF, wie folgt: «SRF anerkennt, dass die Art der Befragung von Roger Schawinski sowohl die Gefühle von Salomé Balthus wie auch jene von vielen Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt hat. Dafür möchte sich SRF in aller Form entschuldigen.» Gleichzeitig halte SRF nochmals fest, dass Roger Schawinski Salomé Barthus nie gefragt hat, ob sie von ihrem Vater sexuell missbraucht worden sei, so Brenn. «Mit seiner Fragestellung wollte der Moderator auch keine Anspielung darauf machen.»

(fss/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaetano Müller am 28.05.2019 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arroganz

    Schawinski sollte nur unter Aufsicht Moderieren dürfen, er hat einfach keinen Anstand und ist arrogant.

    einklappen einklappen
  • pater007 am 28.05.2019 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Warum geht er nicht in Pension?

    Wann wird diesem Herrn endlich der Stecker gezogen? Anstand war ja noch nie seine Stärke. Ich schaue schon seit vielen Jahren keine Sendung mehr mit ihm.

  • alsoadriver am 28.05.2019 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlecht

    Die Sendung von Hr. Schawinski finde ich nicht einmal mehr provokant. Ich finde die Sendung schlecht und Hr. Schawinski sollte in den Ruhestand gehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bea am 29.05.2019 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schawinski

    Ich weiss gar nicht was Ihr alle habt gegen Schawinski? Es ist eine Talk Sendung und jeder in und jede der sich zu ihm einladen lässt weiss auf was sie/er sich einlässt. Keiner wird gezwungen zu Schawinski zu gehen, es gehen alle freiwillig. Vermutlich auch, weil,man am Tag danach über denjenigen reden wird, man bringt diese Person wieder einmal ins Gespräch. Gute Publicity!

  • der liebe Edi am 29.05.2019 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    scharfe Rüge

    Und jetzt ? was für Konsequenzen hat die "scharfe Rüge" für Schawinski ? KEINE, hab ichs mir doch gedacht... vermutlich bekommt er in eine paar Monaten noch einen von uns (Gebührenzahler) finanzierten SRG Bonus.

  • Hugo am 29.05.2019 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles halb so schlimm

    Wer zu Schawinski in die Sendung geht weiss genau, worauf er sich einlässt.

  • Mario am 29.05.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit Schawinski

    DRS TV muss ja bekanntlich sparen. Hier wäre eine gute Gelegenheit, dass man die Sendung mit Roger Schawinski streicht. Sie verärgert nur die Zuschauer, wenn es überhaupt noch welche gibt, und es ist eh eine rüpelhafte Sendung. Jeder andere wäre schon gekündigt worden, nur dem Schawinski nicht.

  • s.m. am 29.05.2019 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    nicht mein Etablissement

    Sorry, aber was bezeichnet er sie als Ware? Ist eine Masseurin oder ein Masseur auch eine Ware? Ist der Job der eine Masseurin tut okay, aber eine Prostituierte nicht? Wer darf hier die Grenze ziehen? Niemand! Also hört auf damit!