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20. Mai 2019 21:49; Akt: 20.05.2019 21:49 Print

Christen ärgern sich über Scheidungswerbung

Ein Werbeplakat des Online-Portals Onlinescheidung.ch sorgt bei einer evangelischen Organisation für Getrennte und Geschiedene für rote Köpfe. Es animiere geradezu zu einer Scheidung.

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16'240 Paare lösten in der Schweiz 2018 ihr Ehegelöbnis. Doch eine Scheidung zu vollziehen, ist meist eine langwierige und vor allem kostspielige Sache. Das Online-Portal Onlinescheidung.ch, das sich selbst als «Schweizer Pionier der Scheidung über das Internet» bezeichnet, bietet dabei Abhilfe und verspricht seinen Kunden eine Trennung «ohne Anwalt und zu niedrigen Kosten» – und das mit einer «100-prozentigen Erfolgsrate seit 2007».

Ein Werbeplakat des Unternehmens, mit dem das Angebot mit dem Slogan «Zeit für eine Wende» – Scheidung für 550 Franken, Trennung für 460 Franken – derzeit beworben wird, kommt jedoch nicht bei allen gut an. «Wir finden das Plakat sehr störend. Es animiert geradezu zu einer Scheidung. Bild und Text vermitteln die Botschaft: Nimms sportlich, mach die neue Wende», so Heinz Hagmann, Leiter der Kursbewegung für Getrennte und Geschiedene von Familylife, gegenüber Nau.ch.

Familylife gehört dem Forum Ehe+Familie an, dem sich über 30 verschiedene christliche Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen als Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA angeschlossen haben.

Laut Hagmann suggeriere das Plakat, auf dem ein Segelschiff abgebildet ist, das aufs offene Meer hinausfährt, dass eine Trennung oder Scheidung einfach und günstig ist. «Ein solcher Einschnitt ist dies aber weder finanziell noch emotional.»

«Eine Scheidung ist nicht leicht»

Die CDR Divorce.ch GmbH, der die Scheidungs-Website gehört, verteidigt sich gegenüber Nau.ch wie folgt: «Wir finden auf keinen Fall, dass eine Scheidung leicht ist», sagt Douglas Hornung, Anwalt und Richter sowie Gründer von Onlinescheidung.ch. Für die Betroffenen sei ein solcher Einschnitt immer eine Last. Ihr Angebot würde getrennten Paaren aber vor allem aus finanzieller Sicht eine Erleichterung bieten. Bislang habe man auf die Werbung zudem «eher positive» Reaktionen erhalten.

Auch auf Twitter sorgt das das unkonventionelle Plakat bereits für Gesprächsstoff.


40 Prozent der Ehen könnten auseinanderbrechen

Nach einem Rückgang im Jahr 2017 hat die Zahl der Scheidungen in der Schweiz gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) wieder angezogen: Während sich 2017 15'906
Paare scheiden liessen, entschieden sich ein Jahr später bereits 16'240 Eheleute – ganze 2,1 Prozent mehr – zu diesem Schritt.

Sollte sich der Trend fortsetzen, rechnet das BFS damit, dass knapp 40 Prozent der gegenwärtigen Ehen auseinanderbrechen werden. Das ist leicht mehr als der letztes Jahr berechnete Schnitt, aber weniger als im Zehnjahresvergleich, als die Scheidungsziffer in manchen Jahren über 50 Prozent lag.

(rab)