Badende attackiert

22. Juni 2017 06:49; Akt: 22.06.2017 11:51 Print

Schilder sollen vor bissigem Biber warnen

Nach dem Angriff eines Nagers auf einen Bub und eine Frau treffen die Schaffhauser Behörden Massnahmen: Sie bringen Warnschilder an.

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Rhein beim Lindli in Schaffhausen: Hier will die Jagdverwaltung nach den Bissattacken eines Bibers Warnschilder anbringen. Eine Leser-Reporter hatte schon vor zwei Monaten beobachtet, wie der Biber ins Zuflussrohr am Rhein verschwand. Das grosse Tier sei unter den Booten dem Ufer entlang geschwommen und dann bei der Röhre abgebogen. Silvia versuchte zunächst, ihre tiefe Wunde selbst zu verarzten. Sie konnte sich nicht erklären, was passiert war und dachte, sie habe mit dem Bein gegen einen spitzen Gegenstand geschlagen. Sie musste dann aber noch am selben Abend ins Spital, weil die Wunde zu tief war und genäht werden musste. «Die Ärztin sagte mir, sie sei 1,5 Zentimeter tief und 2 Zentimeter breit», sagte sie gegenüber 20 Minuten. Auf dem Foto sieht man gut die Spuren der unteren Zähne des Bibers. Die oberen Zähne hat er ins Bein der Frau geschlagen und die tiefe Wunde hinterlassen. Zuvor war schon ein 8-jähriger Junge Opfer des aggressiven Bibers geworden. Er trug einen Sonnenschutz-Badeanzug. Der Biber biss direkt durch das Shirt hindurch. Bei seiner Attacke biss er den Jungen leicht in die Schulter. Oben sind die Abdrücke der Schneidezähne, unten jene der unteren Zahnreihe zu sehen. Auch direkt unter dem Gesäss biss der Biber zu. Der Bub und seine Zwillingsschwester waren an dieser Stelle am Lindli in Schaffhausen im Rhein am Baden. Sie schwammen einfach und tobten nicht herum. Plötzlich biss der Biber aus dem Nichts zu. Alles ging ganz schnell. Dann verschwand der Biber in dieser Röhre. Biber-Fachleute gehen davon aus, dass der Junge zu nahe an die Behausung des Bibers herangekommen sei. Die Bisse seien Schnappspuren. Der Biber habe nicht richtig zugebissen. Grundsätzlich, berichten Biberexperten von Pro Natura und der Biberfachstelle Schweiz, flüchten Biber eher oder sind freundlich. Mehrere Badende etwa haben schon davon erzählt, mit Bibern geschwommen zu sein. Christof Angst von der Biberfachstelle sagt, wenn Biber richtig zubeissen würden, dann könne das ganz anders aussehen. Hunde etwa, die aus Versehen in eine Biberfamilie gerieten, würden zum Teil arg zugerichtet.

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Zwei Schwimmer wurden am Montagabend beim Baden beim Lindli im Rhein in Schaffhausen gebissen. Nun wird die Jagdverwaltung aktiv: Sie stellt Warnschilder auf, um auf die Gefahr aufmerksam machen. Was für ein Tier zugebissen hat, ist bislang allerdings unklar.

Zwei Personen hatten sich bei 20 Minuten gemeldet, für die das Bad im Rhein schlecht ausging. Während ein 8-jähriger Knabe glimpflich davon kam, wurde eine Frau so fest gebissen, dass die Wunde im Spital genäht werden musste.

Rohre werden durchsucht

Aufgrund von Meldungen und Videos, die man von der Bevölkerung erhalten habe, gehe man davon aus, dass sich in der Gegend tatsächlich ein Biber aufhalte, sagt Jagdverwalter Andreas Vögeli zu 20 Minuten. «Eventuell wohnt in einer Röhre gar ein Paar.»Es gebe am Lindli aber auch Bisamratten. «Diese werden wir bejagen, denn diese Tiere sind Neozoen und gehören nicht in unseren Lebensraum.»

Derzeit sucht man nach dem Aufenthaltsort des Bibers. Es gebe beim Lindli bis zu 20 Rohre, die in den Rhein gehen. «Wir werden diese in den nächsten Tagen mit einer Rohrbildkamera prüfen», sagt Vögeli.

Mensch und Tier sollten beim Lindli nicht mehr baden

Um mögliche weitere Biss-Attacken zu verhindern, will die Verwaltung nun Warnschilder aufstellen, die vor dem Baden beim Lindli warnen. Am Mittwoch waren diese jedoch noch nicht installiert.

Wichtig sei auch, dass an dieser Stelle keine Hunde ins Wasser gelassen würden, sagt Vögeli. «Sowohl Mensch als auch Tier sollten zurzeit besser auf das Baden zwischen Ufer und Booten verzichten.» Wer weiter draussen schwimmen gehe, begebe sich hingegen kaum in Gefahr.

Biber, Bisamratten und Nutrias sind eigentlich nicht aggressiv. Wenn sie sich jedoch bedroht fühlen oder wenn sie Jungen verteidigen wollen, können sie zubeissen.

(ann/bee/sda)