AKW-Ernstfall

24. Juli 2014 20:25; Akt: 24.07.2014 20:51 Print

Schlampt Maurer bei der Super-GAU-Evakuierung?

von Florian Meier - Wenn morgen in der Schweiz ein AKW in die Luft geht, würde die Evakuierung in einem Chaos enden. Doch nun macht der Bund vorwärts.

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Bundesrat Ueli Maurer gab nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima zu, dass es für einem ähnlichen Vorfall in der Schweiz keine konkreten Evakuierungs-Pläne gibt. Bis heute hat sich einiges getan. Es bleibt aber auch noch viel Arbeit. (Bild: Keystone/Gian Ehernzeller)

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Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 entbrannte auch in der Schweiz die Kernkraft-Diskussion neu. VBS-Chef Ueli Maurer musste damals zugeben, dass für den Atom-Ernstfall in der Schweiz keine soliden Evakuierungspläne bestehen. Wie die «Berner Zeitung» berichtet, hat sich an diesem Missstand bis heute wenig geändert.

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Regula Rytz, Co-Präsidentin der Grünen, ist dementsprechend unzufrieden mit den Massnahmen des Bundes. Sie wohne selber in der Nähe des Atomkraftwerks Gösgen und wäre deshalb im Ernstfall direkt betroffen. Momentan habe sie keine Ahnung, was sie im Fall einer Evakuierung genau tun müsse. «Es würde Panik ausbrechen. Deshalb brauchen wir endlich einen konkreten Handlungsplan.»

Jodtabletten für Betroffene

Kurt Münger vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz widerspricht: «Die Planung von Notfallschutzmassnahmen ist ein dauernder Prozess, die Vorbereitungen werden laufend überprüft und weiterentwickelt.» Wichtig sei, dass man aus der Vergangenheit lerne und allfällige Zwischenfälle genau analysiere.

Tatsächlich ist seit Fukushima einiges geschehen. Über eine Million Menschen leben in der Schweiz im Umkreis von 20 Kilometern um ein Atomkraftwerk. Sie erhalten bereits heute präventiv Jodtabletten – dieser Radius wird demnächst auf 50 Kilometer ausgeweitet. Die Bevölkerung bekommt zudem einen Umschlag, der über das genaue Vorgehen bei einem Atomalarm informiert: auf den Sirenenalarm achten, Radio hören und sich in den Keller oder in einen Schutzraum zurückziehen sind die zentralen Anweisungen. Diese Bestimmungen reichen laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz auch aus – solange es nicht zu einem grossen Unfall kommt, der die Umgebung auf längere Dauer kontaminiert.

Bund muss aktiv werden

Ein Plan für den Fall einer wirklich grossen Katastrophe, die eine dauerhafte Evakuation der gefährdeten Anwohner aus der Region erfordert, ist aber noch in Entwicklung. Für die konkrete Ausarbeitung solcher Pläne sind die Kantone zuständig. Diese sind aber bis heute vom Bund nur dazu verpflichtet, ein Konzept bereitzuhalten, das die Evakuierung der Bewohner erlaubt, die in unmittelbarer Nähe eines Atomkraftwerks leben. Für die Evakuierung von grossen Städten wie Bern oder Biel, die sich zwar nicht in unmittelbarer Nähe zu einem Kraftwerk befinden, aber trotzdem von einem grossen Unfall betroffen wären, existieren aus diesem Grund keine offiziellen Evakuierungspläne.

Deshalb hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in Zusammenarbeit mit den Kantonen Richtlinien erarbeitet, die im Katastrophenfall eine schnelle Evakuierung im Umkreis von 20 Kilometern um jedes Atomkraftwerk ermöglichen sollen. Diese Richtlinien enthalten Grundsätze über zu treffende Massnahmen oder den Umgang mit Spezialfällen wie der Evakuierung von Krankenhäusern oder Gefängnissen.

Das Problem dabei: Die Bestimmungen haben keinen Rechtscharakter und sind deshalb nicht verbindlich. Dies könnte sich aber bald ändern. Laut Kurt Münger vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz brauche es einen Bundesratsbeschluss, um die Bestimmungen für verbindlich zu erklären. Einen solchen erwarte er aber erst im Verlaufe des nächsten Jahres.
Mit diesem Fahrplan ist Grünen-Chefin Rytz nicht einverstanden: Sie verstehe nicht, warum die Ausweitung der Evakuierungszone erst jetzt diskutiert werde. «Die Schweizer Atomkraftwerke gehören zu den ältesten der Welt. Es ist für mich absolut unverständlich, warum solche Pläne nicht schon lange bestehen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Atomium am 24.07.2014 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AKW

    Na wenn ein AKW explodiert, lacht keiner mehr. Sie strahlen nur noch....

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  • D.N. am 24.07.2014 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Politik und deren Super-Gau!

    Ja, dass eine Evakuation der Regionen noch in Entwicklung ist, kann ich mir sehr gut vorstellen! Das sicher schon seit 20-30 Jahren und wird nochmals so lange dauern bis zur Vollendung. Aber gross puppen, wenn im Ausland etwas passiert, dass bei uns alles sicher sei.

  • Pilma am 24.07.2014 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und von was träumen die in der Nacht?

    Wir wohnen im Kanton Freiburg, keine 10 km vom AKW Mühleberg entfernt. Aus Kostengründen werden uns die Jodtablette erst im Ernstfall verteilt. Heute habe ich gelesen, das die Anwohner aus der direkten Umgebung des AKW mit dem Postauto Richtung Schwarzenburg evakuiert werden.... Haben die Verantwortlichen dieser Szenarien wirklich die Überzeugung, das im Ernstfall ein Postautofahrer oder ein Verteiler noch irgendwie funktioniert? Da ist sich doch verständlicherweise jeder selber der Nächste!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • d.h am 15.09.2014 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abschalten

    alles akw's abschalten und zwar per sofort

  • der Käser-Seppli am 27.07.2014 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    Blow-Up

    Und wann Kommt der Super-Gau in euerem linken Käseblatt ??

  • Petra Maler am 26.07.2014 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheitsrisiko Maurer

    Maurer wird immer mehr zum Sicherheitsrisiko für die Schweiz und deren Einwohner.

  • Anja Villiger am 26.07.2014 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Überfordert

    Es scheint, dass U.Maurer überall schlampt. Er hat keine Ahnung geschweige den irgendwelche Dossier Kenntnisse. Er soll endlich zurücktreten.

  • Tea am 25.07.2014 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atom/Element/Verbindung/Molekül 

    Wer die Wörter im Titel nicht versteht überliest diesen Kommentar besser. Da sich sicher wieder einige über iod beschweren, folgendes: Ein elementarer Stoff wie Chlor ist nicht zwangsläufig giftig. Kochsaltz besteh ja auch aus Natrium und Chlorid. Trotzdem heulen wir nicht rum, obwohl Natrium und Chlor in elementarer Form extrem gefährliche Substanzen sind. Verbindungen wie Natriumchlorid oder Aminofluorid sind Verbindungen bzw die einzelnen Elemente Bestandteile von Molekülen, welche oft ganz anders wirken, als die einzelnen Elemente aus denen sie bestehen. Alu verursacht übrigens auch kein Brustkrebs, sondern die anorganische Verbindung Aluminiumchlorid bzw Alu-Hydroxid in Magentabletten (Demenz, bei viel zu häufiger Einnahme). Man braucht sich also zb nicht vor seiner Alufolie zu fürchten. Chemie ist komplex und wer sich damit nicht auskennt, der soll auch nix behaupten, da blamiert man sich höchstens