Thurgauer Zelle

09. März 2011 13:01; Akt: 09.03.2011 16:20 Print

Schlinge um Schweizer Mafia zieht sich zu

von Antonio Fumagalli - Italien wollte einen Mafioso in der Schweiz verhaften lassen. Dieser läuft aber weiterhin frei herum - weil das Fahndungsersuchen offenbar Mängel aufweist.

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Den italienischen Behörden ist gestern ein grosser Schlag gegen die mächtigste Mafiaorganisation Italiens, die kalabresische 'Ndrangheta, gelungen: In einer konzertierten Aktion namens «Crimine 2» sind den Ermittlern in Italien, Kanada, Australien und Deutschland 45 mutmassliche Mafiosi ins Netz gegangen.

Nun ist bekannt geworden, dass es die italienischen Fahnder auch auf einen in der Schweiz lebenden Mafioso abgesehen haben. Wie Giuseppe Pignatone, zuständiger Staatsanwalt von Reggio Calabria auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigt, haben die italienischen Mafia-Jäger ein Haftgesuch an die Schweiz übermittelt.

Pignatone wollte sich nicht zu Namen äussern, es gehe aber um eine Mafia-Zelle in der Umgebung von Frauenfeld. Die Vermutung liegt deshalb nah, dass es sich dabei um jenen Ableger handelt, der im letzten Spätsommer den Kanton Thurgau in Atem hielt. 20 Minuten Online hatte damals exklusiv Einblick in Abhörprotokolle der italienischen Untersuchungsbehörden: Diese ergaben, dass sich der Frauenfelder 'Ndrangheta-Ableger in Konflikt mit einer süddeutschen Zelle befand.

Keine Verhaftung in der Schweiz

Brisant: Fünf Mitglieder des süddeutschen Ablegers wurden gestern im Morgengrauen verhaftet. In der Schweiz ist im Rahmen der Aktion «Crimine 2» hingegen noch niemand behelligt worden. Wie Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz, auf Anfrage mitteilt, ist das Fahndungsersuchen aus Italien zwar eingetroffen, es sei aber «zu knapp und ermögliche daher keine Überprüfung der beidseitigen Strafbarkeit». Sprich: ob das der gesuchten Person angelastete Delikt auch in der Schweiz den Straftatbestand erfüllt. Es gehe nicht mal klar daraus hervor, was der Person konkret vorgeworfen wird. «Das Ersuchen kann aber jederzeit ergänzt werden. Der Ball liegt nun bei den italienischen Behörden», so Galli.

Offen bleibt, weshalb das aus Italien übermittelte Fahndungsersuchen in Deutschland - im Gegensatz zur Schweiz - für die Festnahmen ausreichend war. Gemäss Angaben eines Mediensprechers des deutschen Bundeskriminalamts habe es sich um ein «völlig normales Ersuchen» gehandelt. Es hätten «absolut keine Hinderungsgründe» bestanden, dem Gesuch nicht nachzukommen.

Noch befindet sich der Schweizer Mafioso also in Freiheit. Staatsanwalt Pignatone ist laut eigener Aussage aber «zuversichtlich», dass dies nicht mehr lange der Fall sein wird.