«Warmer-Pulli-Tag»

09. Februar 2019 19:39; Akt: 09.02.2019 19:39 Print

Schüler sollen fürs Klima schlottern

Eine deutsche Primarschule will mit dem «Warmer-Pulli-Tag» Energie sparen. Auch Schweizer Politiker rufen dazu auf, weniger zu heizen.

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Diesen Elternbrief einer Primarschule aus Düsseldorf stellte eine verärgerte Mutter auf Facebook. Darin wird ein «Warmer-Pulli-Tag» angekündigt, an dem die Heizung ausgeschaltet wird. Das Konzept stammt aus den Niederlanden. Am «Warme Truien Dag» senken Tausende Personen die Raumtemperaturen, um auf den eigenen Energieverbrauch aufmerksam zu machen. Jährlich machen über 200'000 Personen bei der Aktion mit. An einem Tag können so rund 6,3 Tonnen CO2 eingespart werden. Schweizer Politiker begrüssen den «Warmer-Pulli-Tag». «Auch wenn sie nur symbolisch ist – wenn die Aktion dazu dient, dass über den Klimawandel informiert wird, begrüsse ich das natürlich», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. Auch Pascal Vuichard, Vizepräsident der Grünliberalen Partei Schweiz, ist vom Konzept überzeugt. So könnten Optionen aufgezeigt werden, wie man als Einzelperson mit einer kleinen Tat einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten könne. Ob so ein Pulli-Tag wirklich zielführend wäre, bezweifelt der Präsident der Jungfreisinnigen, Andri Silberschmidt. Jedoch spreche nichts dagegen, eine solche Aktion während einer Projektwoche durchzuführen. Neutral und objektiv sei die Informationsübermittlung der Schulen jedoch genau nicht, ist der SVP-Jungpolitiker Benjamin Fischer überzeugt. «Die Lehrpersonen sollten aufhören, politischen Einfluss zu nehmen, so wie es in den Tagen rund um die Klimademos immer wieder geschah. «Drei Viertel des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen Schweizer Haushalts sind auf Heizkosten zurückzuführen», sagt Giuseppina Togni, Energieexpertin bei Safe, der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz. Der zweitgrösste Energieverbrauch im Haushalt: Warmwasser beim Duschen. Darauf folgt der Tumbler ... ... und der Kochherd. Auch ein grosser Energieverbraucher.

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Schal, Mütze und lange Unterhose: Schüler einer Primarschule in Düsseldorf müssen sich am kommenden Freitag warm anziehen. Dann findet der «Warmer-Pulli-Tag» statt, an dem die Heizungen im Gebäude ausgeschaltet bleiben.

Damit will die Schulleitung «den Kindern mehr Energiebewusstsein und die Wichtigkeit einer nachhaltigen sowie umweltbewussten Lebensweise vermitteln», schreiben sie im Elternbrief, den eine Mutter auf Facebook gestellt hat.

Kinder sollen so lernen, dass man sich auch bei 18 Grad wohlfühlen kann, sagt die Schulleiterin Linda Hennemann. Die Idee dafür stammt aus Holland, wo jedes Jahr Tausende Personen am nationalen «Warme Truiendag» teilnehmen (siehe Box).

Möglichst alle sollten weniger heizen

Schweizer Politiker begrüssen den «Warmer-Pulli-Tag». «Auch wenn er nur symbolischer Natur ist – wenn die Aktion dazu dient, dass über den Klimawandel informiert wird, begrüsse ich das natürlich», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. «Nicht nur Schweizer Schulen, sondern möglichst alle aus der Bevölkerung könnten sich ein Beispiel daran nehmen, ihre Raumtemperatur um 1 Grad senken und keine neuen Ölheizungen mehr einbauen.»

Auch Pascal Vuichard, Vizepräsident der Grünliberalen Partei Schweiz, ist vom Konzept überzeugt. So könnten Optionen aufgezeigt werden, wie man als Einzelperson mit einer kleinen Tat einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten könne. «Und Schulen spielen eine wichtige Rolle, bei jungen Menschen dafür ein Bewusstsein zu schaffen.» Gerade über eine regelmässige Durchführung eines «Pulli-Tages» sollte ernsthaft diskutiert werden, so Vuichard.

Zweifel an Wirksamkeit

Ob so ein Pulli-Tag wirklich zielführend wäre, bezweifelt der Präsident der Jungfreisinnigen, Andri Silberschmidt. Jedoch spreche nichts dagegen, eine solche Aktion während einer Projektwoche durchzuführen, denn niemand zweifle an der Wichtigkeit, angemessen auf den Klimawandel zu reagieren. «Die Schüler sollen aber möglichst neutral und objektiv über das Thema informiert werden.»

Neutral und objektiv sei die Informationsübermittlung der Schulen jedoch genau nicht, ist der SVP-Jungpolitiker Benjamin Fischer überzeugt. «Die Lehrpersonen sollten aufhören, politischen Einfluss zu nehmen, so wie es in den Tagen rund um die Klimademos immer wieder geschah.»

Vom «Warmer-Pulli-Tag» hält Fischer nur wenig: «Es ist eine symbolische Alibiübung und hat keinerlei Einfluss auf das Klima.»

Sechs Prozent weniger CO2

Dem widerspricht Giuseppina Togni, Energieexpertin bei Safe, der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz. «Drei Viertel des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen Schweizer Haushalts sind auf Heizkosten zurückzuführen.» Hier bestehe also ein grosses Sparpotenzial. Wenn man beispielsweise in die Ferien reist, lohne es sich, bei schlecht isolierten Gebäuden die Heizungen abzustellen.

Ein nationaler «Warme-Pulli-Tag» sei zwar gut, um über den eigenen Energieverbrauch nachzudenken. Wenn nicht nur Schulhäuser, sondern grundsätzlich alle ihre Heizungen um je ein Grad senken würden, hätte das einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, sagt Togni. «Schon mit einem Grad weniger Raumtemperatur verbraucht man sechs Prozent weniger Heizenergie – und produziert somit auch sechs Prozent weniger CO2.»

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mosima am 09.02.2019 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Vorangehen

    Ich schlage vor, dass die Temperatur im Bundeshaus und in den Partei-Zentralen dauerhaft auf 18 Grad gesenkt wird.

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  • Captain Hindsight am 09.02.2019 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und am darauffolgenden Tag ....

    ... verbrennen wir 3x soviel Energie, um das ausgekühlte Gebäude wieder warm zu bekommen.

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  • Thomas Senn am 09.02.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlottern

    Ausgerechnet unsere Politiker wollen das den Kinder beibringen. Aber Sie Fliegen munter durch die Welt. Ist doch ein Witz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fränzli am 09.02.2019 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann benötigt

    es die doppelte Heizleistung, um das Schulhaus wieder aufzuwärmen.

  • Tiru Die am 09.02.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    junge svp hat tomaten auf augen und ohren

    Unglaublich aber auch die junge svp lebt wie vor 100 jahren und verschliesst die augen vor unserem grössten problem-dem klimawandel

  • Spencer Reid am 09.02.2019 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha

    ist halt nicht zuende gedacht. theoretisch könnte man die heizung ja SA und SO abstellen. und dann am MO die heizung "aufdrehen" bis es wider die fünf tage angenehm ist. naja, warum "muss" das zuerst bei den schüler gemacht werden? wie geheizt wird dan bei den "entscheider" dieser sache? dies ist reine schikane.

  • küsche lang am 09.02.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mein beitrag

    Ich schütze das klima indem ich konstant die Klimaanlage laufen lasse bei offenem fenster um mitzuhelfen abzukühlen.

  • Arteplage am 09.02.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pulli? Unnötig

    Unser Sohn trägt nie einen Pulli im Kindergarten, weil es ihm sonst viel zu warm wäre...