Shopping-Schmarotzer

08. Juli 2019 16:51; Akt: 08.07.2019 17:21 Print

Kunden stibitzen im Laden Beeren und Schoggi

von B. Zanni - Verschiedene Kunden beobachteten, wie sich andere beim Einkaufen ohne zu bezahlen verköstigten. In gravierenden Fällen droht eine Anzeige.

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Kirschen und Erdbeeren pickte ein Kunde laut den Angaben eines anderen Kunden kürzlich im Migros aus den Schälchen. «Der Mann meinte darauf, dass das völlig in Ordnung sei, solange man sich nicht gleich den ganzen Mund mit den Beeren vollstopfe», sagt L. Ein Kunde in der Früchteabteilung einer anderen Migros-Filiale erdreistete sich derweil zu einem persönlichen Beeren-Assortissement. Zum Stibitzen verlocken auch andere Produkte. «Vor einiger Zeit erwischte ich einen älteren Herrn, der sich im Offenverkauf in einem Coop in Zürich Lindor-Kugeln in den Hosensack steckte und eine Kugel auch noch gleich ass», erzählt eine Kundin. Shopping-Schmarotzer tummeln sich aber nicht nur bei Migros und Coop. «Es ist in der Vergangenheit bereits vorgekommen, dass Lebensmittel aus dem Offenverkauf wie Obst oder Gemüse probiert wurden», sagt Philippe Vetterli, Mediensprecher der Aldi Suisse AG. «Aldi Suisse behält sich in gravierenden Fällen eine allfällige Anzeige vor», fährt Vetterli fort. Dies sei etwa der Fall, wenn Kunden ganze Brote verzehrten. Auch Coop-Mediensprecherin Rebecca Veiga hält fest: «Wenn ein Produkt im Laden konsumiert, aber nicht bezahlt wird, handelt es sich um Diebstahl.» Migros, Coop und Lidl sehen aktuell keinen Handlungsbedarf gegen die Stibitzer. Dass sich Kunden in den Abteilen einfach bedienten, sei nicht die Norm, heisst es dort. Manche Kunden hinterlassen auch ohne Stibitzen Spuren in den Auslagen. Zwar dürfe das lose angebotene Obst und Gemüse von den Kunden angefasst und geprüft werden, sagt Philippe Vetterli der Aldi Suisse AG. «Starkes Drücken bei Obst und Gemüse kann jedoch die Qualität mindern, weshalb wir dies nicht als angemessen empfinden.»

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Staunend beobachtete P.L.* kürzlich im Migros Erlenbach ZH einen anderen Kunden. «Er pickte einfach Kirschen und Erdbeeren aus den Schälchen und ass sie.» Im Scherz habe er diesem dann zugerufen, dass sei Mundraub. «Der Mann meinte darauf, dass das völlig in Ordnung sei, solange man sich nicht gleich den ganzen Mund mit den Beeren vollstopfe», sagt L. kopfschüttelnd. Er kritisiert: «Erwischen andere Kunden eine Portion, in der geplündert wurde, erhalten sie für den Preis zu wenig.» Zudem finde er die Pickerei unhygienisch.

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Ein Kunde in der Früchteabteilung einer anderen Migros-Filiale erdreistete sich derweil zu einem persönlichen Beeren-Assortissement. Kürzlich habe sie einen Mann beobachtet, der seelenruhig Erdbeeren aus verschiedenen Körbchen gesammelt und sich nach seinem Gusto zusammengestellt habe, schreibt eine Autorin im Zürcher Lokalblatt «Küsnachter Bote». Jede Beere habe er vorher genau inspiziert.

«Er steckte sich Lindor-Kugeln in den Hosensack»

«Irritiert blieb ich stehen und schaute ihm zu, während er die Erdbeeren umschichtete», schreibt die Beobachterin. Es habe eine Weile gedauert, bis der Mann «seine» Erdbeeren beisammen gehabt und sich zur Kasse aufgemacht hätte. «Ohne, dass ihn jemand zur Rede gestellt hätte – ich auch nicht.» Dennoch sei ihr dieses Hantieren mit den Erdbeeren gegen den Strich gegangen.

Wie bei der Beerenernte im eigenen Garten verhielt sich auch ein Coop-Kunde. «Dieser Mann zügelte einfach Erdbeeren aus einer Kartonschale ab, um seine Schale zusätzlich zu füllen», erzählt K.S.*. Besonders dreist gewesen sei, dass der Kunde seine Ego-Portion danach noch gewogen habe, um zu sehen, wie viele Beeren drin waren.

Zum Stibitzen verlocken auch andere Produkte. «Vor einiger Zeit erwischte ich einen älteren Herrn, der sich im Offenverkauf in einem Coop in Zürich Lindor-Kugeln in den Hosensack steckte und eine Kugel auch noch gleich ass», erzählt eine Kundin. Das sei dem Laden und anderen Kunden gegenüber nicht fair. «Ich konnte ihn aber nicht zurechtweisen, da ich so perplex war.»

Ganze Brote verzehren

Einkaufs-Schmarotzer tummeln sich aber nicht nur bei Migros und Coop. «Es ist in der Vergangenheit bereits vorgekommen, dass Lebensmittel aus dem Offenverkauf wie Obst oder Gemüse probiert wurden», sagt Philippe Vetterli, Mediensprecher der Aldi Suisse AG. Kunden, die sich vorsätzlich bereichern wollten, würden von den Filialmitarbeitenden höflich darauf aufmerksam gemacht, dass dies nicht erlaubt sei.

«Aldi Suisse behält sich in gravierenden Fällen eine allfällige Anzeige vor», fährt Vetterli fort. Dies sei etwa der Fall, wenn Kunden ganze Brote verzehrten. Auch Coop-Mediensprecherin Rebecca Veiga hält fest: «Wenn ein Produkt im Laden konsumiert, aber nicht bezahlt wird, handelt es sich um Diebstahl.»

«Wie fände ich ein geplündertes Körbchen?»

Migros, Coop und Lidl sehen aktuell keinen Handlungsbedarf gegen die Stibitzer. Dass sich Kunden in den Abteilen einfach bedienten, sei nicht die Norm, heisst es dort. Vielmehr vertraue man auf den gesunden Menschenverstand der Kunden. «Wer trotzdem einmal in Betracht zieht, sich im offenen Bereich unserer Produkte zu bedienen, oder gar eine Verpackung aufzureissen, sollte sich zunächst fragen: wie fände ich das, wenn ein Früchtekörbchen halb geplündert oder mehrfach angefasst wurde?», führt etwa Migros-Sprecher Patrick Stöpper aus.

Manche Kunden hinterlassen auch ohne Stibitzen Spuren in den Auslagen. Bei Aldi Suisse wurde laut Philippe Vetterli in der Vergangenheit auch kaputte Ware vorgefunden. Zwar dürfe das lose angebotene Obst und Gemüse von den Kunden angefasst und geprüft werden. «Starkes Drücken bei Obst und Gemüse kann jedoch die Qualität mindern, weshalb wir dies nicht als angemessen empfinden.»

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Evita77 am 08.07.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand ist Erziehungssache

    Das wird manchen Leuten wohl von zuhause aus so mitgegeben. Kinder von Banausen werden selber mal Banausen. Und leider hats immer mehr von denen.

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  • Thomas am 08.07.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl

    Stibitzen ist verharmlosend ausgedrückt. Es ist nichts anderes als Diebstahl

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  • Kinderstube am 08.07.2019 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Mami

    Von Anfang an hab ich meinen Kindern beigebracht, dass die Esswaren erst bezahlt werden bevor sie in den Mund landen. Genau gleich mit den Weggli, Gipfeli, Berliner usw. was angefasst wird, wird auch genommen z.B. Berliner ahdöpplä und dann doch ein Weggli wellä, nein das geht nicht. Zauberwort=Kinderstube .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Detlef Mühlemann am 09.07.2019 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    strenger hinschauen

    Sofort Hausverbot erteilen wäre in diesem Fall die beste Lösung... Inkl. einer Anzeige.

  • Olly am 09.07.2019 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kommt davon

    "Stibizen" ist etwas, dass ich bei einem kleinen Kind entschuldigen kann. Erwachsene stehlen wenn sie sich an fremdem Eigentum vergreifen und das muss man nicht verniedlichen! Aber eben, wir haben ja auch immer mehr grosse Kinder und auch immer mehr Leute ohne Anstand.

  • Arnold Winkelried am 09.07.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ins Verderben

    Da ja 75% der CH-Gefängnisinsassen Ausländer sind, sollten die "Wurzeln" auch der Laden-Diebstähle offengelegt werden. Doch um hier Transparenz zu schaffen, verhindert man dies mittels "Politicall Correctness". Die Schweiz MUSS ins Verderben gehen.

  • Rosina am 09.07.2019 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Feige Angestellte

    Habe bei Migros Neuwiesen eine Angestellte auf so ein Verhalten einer älteren Frau bei den Backwaren angesprochen. Sie nahm alles zuerst unverpackt in ihre dreckigen Finger, drückte dran ru, legte es zurück und anschliessend fing sie an, ein Weggli zu essen und verliess den Laden durch den Eingang! Die Angestellte zuckte nur mit den Schultern und meinte, ja da kann man halt nichts machen und ging davon, ohne die Dame irgendwie auf ihr Fehlverhalten auch nur anzusprechen!

  • Markus am 09.07.2019 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl

    Im Offenverkauf wiege ich jedes Körbchen nach und musste schon oft feststellen, dass zu wenig im Körbchen war. --> Jeweils von anderen Kunden GEKLAUT um ihr eigenes Körbchen besser aufzufüllen!