Proteinquelle

18. Oktober 2016 11:38; Akt: 18.10.2016 11:38 Print

Schnecken sind das Fleisch der Zukunft

von Laly Zanchi - Die Forschung bemüht sich fieberhaft um einen umweltfreundlichen Fleischersatz. Nach den Grillen sollen es nun die Schnecken richten.

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Schnecken gelten heute als Delikatesse, früher waren sie ein Arme-Leute-Essen. An der ETH-Wissenschaftstagung zur «Erschliessung neuer Ernährungsquellen» plädierte der Wiener Schneckenzüchter Andreas Gugumuck für den Verzehr von Schnecken, wie Foodaktell.ch berichtete. Schnecken seien früher nämlich ein Arme-Leute-Essen gewesen. Vor laufenden Kameras verspeiste Bundespräsident Johann Schneider-Ammann letzte Woche an einer Messe in Zürich eine Grille. Schon seit geraumer Zeit preisen Start-ups und Ernährungsexperten die Insekten als umweltfreundliche und günstige Alternative zum Fleisch an. Jürg Grunder von der ZHAW, der sich mit der Thematik befasst, hält den Vorschlag für prüfenswert. Er möchte die Nachhaltigkeit von Schneckenfleisch im nächsten Forschungsarbeiten-Zyklus untersuchen lassen. An der ZHAW werden schon Algen und Insekten als mögliche Proteinquellen erforscht. «Schnecken zu essen, ist den Leuten weniger suspekt als Grillen oder Würmer zu verspeisen», sagt Armin Bähler, Besitzer der Schneckenfarm Elgg. Leider sei Schneckenfleisch immer noch mit negativen Assoziationen behaftet - laut Bähler aber völlig zu Unrecht: «Die Leute denken, das Fleisch sei schleimig, dabei ist das überhaupt nicht der Fall.» Der Waadtländer Schneckenverarbeiter Bernard Fivaz von Escargots du Mont dOr hat schon mit alternativen Schneckenprodukten experimentiert. Würde sich Schneckenfleisch zum Mode-Produkt entwickeln, gäbe es laut Fivaz eine grosse Zahl von Zubereitungsmöglichkeiten. «Man kann die Schnecken zu Bouletten verarbeiten, sie frittieren oder in einen Risotto mischen.» Peter Braun, Geschäftsführer des Forschungsnetzwerks Swiss Food Research, kann sich der Begeisterung nur bedingt anschliessen. «Schnecken wachsen langsamer und sind aufwendiger in der Verarbeitung als beispielsweise Grillen.» Auch könne man sie, im Gegensatz zu pflanzlichen Proteinquellen, nicht in der benötigten Menge produzieren.

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Vor laufenden Kameras verspeiste Bundespräsident Johann Schneider-Ammann letzte Woche an einer Messe in Zürich eine Grille. Schon seit geraumer Zeit preisen Start-ups und Ernährungsexperten die Insekten als umweltfreundliche und günstige Alternative zum Fleisch an. Wer sich vor den knusprigen Sechsbeinern ekelt, kann möglicherweise bald auf eine Alternative ausweichen.

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An der ETH-Wissenschaftstagung zur «Erschliessung neuer Ernährungsquellen» plädierte der Wiener Schneckenzüchter Andreas Gugumuck für den Verzehr von Schnecken, wie Foodaktell.ch berichtete. Schnecken seien vor dem ersten Weltkrieg nämlich keine Delikatesse gewesen, sondern ein Arme-Leute-Essen, so Gugumuck. Zudem seien sie auch leichter verdaulich als beispielsweise Rindfleisch.

Weniger schleimig als Muscheln

Jürg Grunder von der ZHAW, der sich mit der Thematik befasst, findet den Vorschlag prüfenswert. «Die rasant steigende Weltbevölkerung wird dafür sorgen, dass die Viehwirtschaft, nicht mehr ausreichen wird, um alle Menschen mit Protein zu versorgen.» Auch die Emissionen seien ein Problem, denn Rinder produzierten grosse Mengen des Treibhausgases Methan.

An der ZHAW werden aus dem Grund schon Algen und Insekten als mögliche Proteinquellen erforscht. Die Schnecke könnte hier laut Grunder eine sinnvolle Ergänzung darstellen. «Man müsste dazu aber zunächst die Futter- und Agrarflächenverwertung und den Vermehrungsprozess untersuchen», so Grunder. Er hat darum vor, das Thema im nächsten Forschungsarbeiten-Zyklus seinen Studenten anzubieten.

Bereits heute werden in der Schweiz Schnecken zum Verzehr gezüchtet – allerdings in relativ kleiner Zahl und als Delikatesse. Armin Bähler, Besitzer der Schneckenfarm Elgg, kann sich gut vorstellen, dass das Produkt massentauglich werden könnte: «Schnecken zu essen, ist den Leuten weniger suspekt als Grillen oder Würmer zu verspeisen.» Leider sei Schneckenfleisch immer noch mit negativen Assoziationen behaftet – laut Bähler aber völlig zu Unrecht: «Die Leute denken, das Fleisch sei schleimig, dabei ist das überhaupt nicht der Fall. Im Gegensatz zu Muscheln oder Austern, welche die Meisten problemlos essen.»

Schnecken im Risotto

Der Waadtländer Schneckenverarbeiter Bernard Fivaz von Escargots du Mont d’Or hat schon mit alternativen Schneckenprodukten experimentiert. «Ich habe ein Schnecken-Frikassee entwickelt, das ich zusammen mit den gebutterten Schnecken verkaufen wollte.» Das neue Produkt habe bei der Kundschaft jedoch keinen Anklang gefunden. Würde sich Schneckenfleisch jedoch zum Mode-Produkt entwickeln, gäbe es eine grosse Zahl von Zubereitungsmöglichkeiten, meint Fivaz. «Man kann die Schnecken zu Bouletten verarbeiten, sie frittieren oder in einen Risotto mischen.»

Das Interesse am Schneckenfleisch sei vorhanden, sagt auch Silvia Beeler von der Schneckenzucht Beeler in Steinen. «Wir sind zwar nur ein kleiner Betrieb und bekommen viel mehr Anfragen, als wir produzieren können.»

«Der Ekelfaktor ist nicht kleiner»

Peter Braun, Geschäftsführer des Forschungsnetzwerks Swiss Food Research, kann sich der Begeisterung nur bedingt anschliessen. «Schnecken wachsen langsamer und sind aufwendiger in der Verarbeitung als beispielsweise Grillen.» Auch könne man sie, im Gegensatz zu pflanzlichen Proteinquellen, nicht in der benötigten Menge produzieren. Zudem seien Schnecken zwar als Spezialität bekannt, aber zumindest im deutschsprachigen Kulturraum vom Ekelfaktor ähnlich belastet wie Grillen.

«Ich könnte mir zwar durchaus vorstellen, dass Schnecken irgendwann mehr an Akzeptanz gewinnen, aber sie werden vermutlich immer nur eine Ergänzung zu anderen Proteinlieferanten sein», so Braun.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gianni am 18.10.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kindheitserinnerungen

    Meine Eltern kommen aus Süditalien, ich bin hier geboren und kenne Schneckenragout seit ich denken kann. Ich fand es immer lustig die Schnecken sammeln zu gehen. Am Abend wurden die gekocht (riecht scheußlich) und wie Snacks mit Salami, Käse und Brot dann gegessen. Dazu ein Gläschen Wein (ich natürlich nicht) und der Abend wurde zum Morgen. Aber der Geschmack der Schnecken.....iggittigittigitt. Das aß man wenn man nichts zu Essen hatte d.h. das Essen der ganz armen...eigentlich. Da haben sich die ärmsten ja gesund ernährt!Und jetzt hat man was NEUES entdeckt. Ich lach mich schlapp :

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  • Anubis X treme am 18.10.2016 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VEGETARIER

    Habe einmal eine Schnecke zum probieren gekriegt. Sollte so die Zukunft von Fleisch aussehen, werde ich definitiv vegetarier *-*

  • Alfred A. am 18.10.2016 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schnecken?

    Danke, habe gerade keinen Hunger.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Begriff am 19.10.2016 04:46 Report Diesen Beitrag melden

    Fleischersatz?

    Schnecken sind auch Tiere, keine Pflanzen. Also ist das kein "Ersatz", sondern Fleisch.

  • ursw. am 18.10.2016 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gesund

    Schnecken mit einer guten Kräütersouce ist sehr gut. Was nicht so gut ist das sind Kapuzienerschnecken aber für den Magen sind sie sehr gesund Hab Früher viel Bauchweh gehabt jetzt nicht mehr dank Kapuzinerschnecken.

  • Paläo am 18.10.2016 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An Proteinfans

    Hab mehr als genug von denen. Gib sie gratis ab, nur selber sammeln im Garten.

  • ardi am 18.10.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mmmmmhhh

    bei uns heissen sie stupadelli ich liebe diese schnecke. in sizilien gibt es die schon lange. wen es ums essen geht können wir noch viel lernen, vor allem arabisch oder sizilianisch. viel gemüse früchte und schnecken:)

    • Jasmin am 18.10.2016 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      @ ardi: wäääääh

      ich komme aus dem arabischen Raum, hier isst niemand Schnecken!!!

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  • Kletterbohne am 18.10.2016 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneck und so, Zukunft?

    Na hört mal, Schnecken hin oder her, gesund oder gar eine Symphonie im Mund..wisst ihr was? Kein Gaumen wird jemals durch einen anderen Gaumen empfinden können sondern ständig nur durch diesen einen, den Eigenen. Das war schon immer so..also bleibt doch dies alles eine persönliche Frage, ob's schmeckt oder nicht. Oder? Ich selber find die Dinger äusserst eklig, auch Insekten..und müsste ehrlich streiken!