Leser-Wahl des Bundesrats

06. Dezember 2011 07:28; Akt: 06.12.2011 08:03 Print

Schneider-Ammann wird abgewählt

von Lukas Mäder - Könnten die Leser von 20 Minuten Online die Landesregierung wählen, fiele das Verdikt klar aus: FDP-Bundesrat Schneider-Ammann müsste seinen Sitz räumen. Auch die SP müsste einstecken.

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Könnte das Volk den Bundesrat wählen, wie es die Volksinitiative der SVP verlangt, müsste die BDP-Vertreterin Eveline Widmer-Schlumpf vermutlich nicht um ihren Sitz bangen. In einer simulierten Volkswahl von 20 Minuten Online, an der 24 111 Leser teilgenommen haben, kommt sie auf 12 228 Stimmen und damit auf den fünften Platz. Schlechter würde FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann abschneiden. Mit nur gerade 7604 Stimmen liegt er auf dem achten Platz und wäre damit abgewählt. Alle anderen bisherigen wären wiedergewählt, wobei CVP-Bundesrätin Doris Leuthard am besten abschneidet (siehe Grafik).

Schlecht sieht es in der nicht repräsentativen Volkswahl von 20 Minuten Online für die SP aus. Ihren zweiten Sitz von Micheline Calmy-Rey könnte sie nicht halten. Ständerat Alain Berset als einer der zwei offiziellen Kandidaten kommt mit 6917 Stimmen nur auf den neunten Platz. Regierungsrat Pierre-Yves Maillard, ebenfalls auf dem Zweierticket der SP-Fraktion, liegt sogar nur auf dem 13. Platz, noch hinter der Tessiner Nationalrätin Marina Carobbio, welche es nicht zu einer Nominierung schaffte.

Anstelle von Schneider-Ammann und eines zweiten SP-Vertreters ziehen zwei neue Köpfe in die Landesregierung ein. Mit dem sechstbesten Resultat kann Karin Keller-Sutter aufwarten. Die St. Galler Regierungsrätin unterlag im letzten Herbst gegen den Berner Schneider-Ammann – obwohl sie offensichtlich sehr beliebt ist. Ebenfalls noch unter den sieben Bestplatzierten befindet sich der Thurgauer SVP-Nationalrat und Unternehmer Peter Spuhler. Sein Resultat zeigt, dass pragmatische SVP-Vertreter durchaus Chancen haben bei Majorzwahlen. Spuhler selbst scheint jedoch definitiv keine Bundesratskarriere anzustreben, tritt er doch trotz hervorragenden Chancen am 14. Dezember nicht an.

FDP, SVP und SP als stärkste Parteien

Dass die SP einen Sitz verliert, ist nicht mit ungenügender Unterstützung der Leser von 20 Minuten Online zu erklären. Die vier sozialdemokratischen Kandidaten vereinigen nämlich 22,3 Prozent aller Stimmen auf sich, die sich allerdings vermutlich wegen der geringen Bekanntheit der Westschweizer Kandidaten stark auf die drei Neuen verteilen. Der SP-Anteil liegt nur marginal tiefer als bei der SVP mit 22,6 Prozent und bei der FDP mit dem höchsten Anteil von 23,7 Prozent. Die Freisinnigen beweisen damit – wie oft bei Regierungsratswahlen –, dass sie trotz eines geringen Wähleranteils (2011: 15,1 Prozent) bei Majorzwahlen dank guten Köpfen durchaus gewinnen können.

Gerade umgekehrt sieht es bei den Grünen aus. Obwohl sie bei den Nationalratswahlen im Oktober einen Wähleranteil von 8,4 Prozent erreichten, haben ihre Kandidaten bei der Volkswahl von 20 Minuten Online nicht den Hauch einer Chance. Ihre beiden Kandidaten, der Genfer Ständerat Robert Cramer sowie die Zürcher Stadträtin und frühere Parteipräsidentin Ruth Genner, erhalten zusammen nur 2,5 Prozent der Stimmen und liegen auf den Plätzen 16 und 17. Auch die Grünliberalen kommen mit dem Kandidaten Martin Bäumle nur auf 3,7 Prozent der Stimmen, was weniger ist als der Wähleranteil von 5,4 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dings Da am 06.12.2011 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Direkte BR-Wahl

    Würde der BR vom Volk direkt gewählt, wäre der ganze Zirkus längst vorbei und unsere Regierung wäre endlich am ARBEITEN!!!

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  • Sowat am 06.12.2011 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Cooles Diagramm

    Ich staune, da wird doch tatsächlich mal der Volswille abgwbildet, nämlich dass di Svp mit abstand die beliebteste Partei ist. Grtuliere

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  • Paul Buchegger am 06.12.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Spielchen halt - mehr nicht

    Das hier vorgeführte "Volkswahlspielchen" ist ein Spielchen zum Zeitvertreib - mehr nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eva am 17.12.2011 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach:

    Nicht die Wahl, sondern die AB-Wahl sollte vom Volk bestimmt werden. So würde sich jeder BR vielleicht etwas mehr bemühen um das Wohl der Bürger.

  • Christian am 07.12.2011 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    BR JSA ist der falsche Mann im Bundesrat

    und muss ersetzt werden.

  • Fazitzieher am 07.12.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, aus taktischen Gründen

    wird er nicht abgewählt. Er hat die Unterstützung von SP und CVP. Man wird nicht Platz machen für einen zweiten SVP-Sitz. EWS schafft es wegen ihrer Leistung. JSA wegen der Parteientaktik. Die Wähler haben diese Konstellation geschaffen. Ob sie sich dessen bewusst waren ist eine andere Frage.

  • George Bischof am 07.12.2011 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Instrumentalisierung

    EWS wird von den beteiligten Parteien instrumentalisiert. Von Mitte/Links als Symbol des Sieges über SVP und von SVP als Symbol der Abwahl CB. Somit kann EWS eigentlich nur verlieren, denn wenn das Instrument mal nicht mehr greift, dann.

  • Simon Trachsel am 06.12.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Überschätzt sich "das Volk"?

    Ich würde mir schlichtweg nicht zutrauen, Bundesräte direkt zu wählen. Ich kann den Leistungsausweis aller möglicher Kandidaten gar nicht kennen. Welcher Ostschweizer kennt schon den Leistungsausweis eines beliebigen Westschweizer oder Tessiner Kantonspolitikers? Letztendlich würden einfach wieder versucht, mit millionenteuren Werbekampagnen Stimmen für die Wahl "einzukaufen"

    • A.L. am 07.12.2011 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      Dem stimme ich zu

      Ich finde solch eine Umfrage toll, aber in Echt möchte ich den Bundesrat nicht wählen, das soll das Parlament weiterhin übernehmen!!

    • Dave K am 07.12.2011 19:57 Report Diesen Beitrag melden

      Gegen Volkswahl!

      Ich sehe das auch so! Ein Bundesrat muss auch mit dem Kollegium und mit dem restlichen Parlament zusammenarbeiten. Die Parlamentarier können das meiner Meinung nach besser beurteilen, da sie eher einen Einblick in die sozialen und zwischenmenschlichen Kompetenzen der einzelnen Kandidaten haben. Das mit den Werbekampagnen ist natürlich richtig. Und es ist ja auch bekannt, dass der Vorschlag zur Volkswahl von der Partei mit den meisten Ausgaben für Werbekampagnen kommt...

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