18-Jähriger empört

18. Juli 2018 21:39; Akt: 18.07.2018 21:39 Print

Schnupperlehr-Abbruch kostet Schüler 500 Fr

Weil er ohne Abmeldung nach Hause ging, erhielt ein Schüler eine gesalzene Rechnung. Ob die Forderung vor Gericht Bestand hätte, ist fraglich.

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C. B. (18) trat vor drei Wochen eine Schnupperlehre als Elektroinstallateur bei einem KMU an. In der Mittagspause des ersten Schnuppertages merkte er, dass ihm die Arbeit auf der Baustelle nicht recht gefallen wollte. Er teilte einem Arbeitskollegen mit, er komme nach dem Mittag nicht mehr. Die Überraschung kam letzten Mittwoch: Im Briefkasten fand er eine Rechnung für «Aufwände Abbruch Schnupperlehre» über 538.50 Franken. Aufgeführt sind Kosten für «Abklärungen nach der Mittagspause» und die «Sperrung des Badges».

«Das Vorgehen der Firma ist eine Frechheit», sagt B. Zwar habe ihn die Firma mehrmals probiert zu erreichen, nachdem er nach der Mittagspause nicht mehr zur Arbeit erschienen sei. «Aber ich teilte ihnen dann mit, dass mir die Arbeit nicht gefalle und ich nicht mehr kommen würde.» Er habe gedacht, damit sei die Sache erledigt. Als er die Rechnung erhalten habe, sei er schockiert gewesen, sagt B. «Als Schüler kann ich nicht einfach 500 Franken hinblättern.»

«500 Franken sind völlig übertrieben»

B. betont, er habe die Zugangskarte zur Baustelle, die sich auf einem Bankareal befindet, nach dem Mittag zusammen mit den Arbeitskleidern beim Ausgang deponiert. Er ist sich keiner Schuld bewusst: «Dass das Sperren eines Badges 500 Franken kosten soll, ist völlig übertrieben.»

Der Inhaber der Firma hat indes kein Verständnis für das Verhalten des Schnupperlehrlings: «Wir tragen eine Verantwortung gegenüber unseren Schnupperlehrlingen: Wenn sich jemand am ersten Tag ohne Abmeldung verabschiedet und untertaucht, suchen ihn unsere Mitarbeiter, um sicherzustellen, dass ihm nichts passiert ist.» Der Geschäftsführer und der Bauleiter hätten dies erfolglos getan.

Der Badge ermöglichte Zugang zu gesichertem Bereich

Man habe Verständnis, wenn einem Schnupperlehrling die Arbeit nicht gefalle und er die Woche vorzeitig abbreche, so der Inhaber. «Wir erwarten aber, dass er uns dies kommuniziert und das Material zurückgibt.» Leider seien im vorliegenden Fall erhebliche Kosten entstanden. «Der Schnupperlehrling wurde auf einer gesicherten Baustelle mit Zutrittsberechtigung eingesetzt», erklärt er.

Der Bauherr habe darauf bestanden, die Badges nach dem Verlust zu sperren, um zu verhindern, dass unberechtigte Personen die Baustelle betreten.» Auch seien Kleider und Badge bisher noch nicht zurückgegeben worden. Nach Abklärung mit dem Rechtsdienst des Schweizer Elektro-Dachverbands habe man einen Teil der Kosten verrechnet.

B. sagt, dass für die Schnupperlehre kein Vertrag aufgesetzt oder ein Lohn definiert worden sei. Laut Roger Rudolph, Assistenzprofessor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich, muss das Unternehmen den Schaden konkret nachweisen. Hätte ein Arbeitsvertrag bestanden, wäre nach den Haftungsbestimmungen des Arbeitsrechts eine Pauschalentschädigung über einen Viertel des Monatslohns möglich gewesen.

«Unternehmen müsste einige Hürden überwinden»

«Das schweizerische Recht kennt keine pauschale ‹Erziehungsbusse›, auch wenn sich dies mancher Arbeitgeber wünschen würde», sagt Rudolph. «Wenn es so ist, dass sich der Schüler ohne ein Wort zu sagen einfach aus dem Staub gemacht hat, wenn tatsächlich eine feste Dauer von einer Woche vereinbart wurde und wenn die beiden Mitarbeiter wirklich in Sorge waren und B. suchten, dann ist es vorstellbar, dass ein Gericht einen Schadenersatz im Betrag von 500 Franken gutheissen könnte», sagt Rudolph.

Trotzdem findet der Arbeitsrechts-Experte: «Mindestens auf der Beweisebene hätte das Unternehmen vor Gericht einige Hürden zu überwinden.» Als Anwalt wäre sein Ratschlag an das Unternehmen klar: «Wenn der Schüler die Rechnung nicht freiwillig bezahlt, lohnt es sich nicht, deswegen den Rechtsweg einzuschlagen.»

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theo Zihlmann am 18.07.2018 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungsloser Schnupperstift.

    Ich erachte das Verhalten des Betriebes richtig. Schliesslich gibt es schon einiges an Aufwand und Verantwortung die so ein Betrieb auf sich nimmt. Der Schnupperlehrling kann doch nicht nach einem halben Tag schon beurteilen ob ihm diese Arbeit gefällt. Am Ende der Schnupperzeit hätte der Lehrling sachlich sagen können, das ist nicht meine Vorstellung von meiner Zukunft. Einfach den Batch deponieren und verreisen ist verantwortungslos. Ich unterstütze diesen Betrieb.

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  • Elodia am 18.07.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wir uns wünschen...

    Eine Lehrstelle ausgeschrieben, 90 Bewerbungen, 30 Schnupperlehrlingen die Möglichkeit gegeben sich den Betrieb, den Beruf anzusehen. 30 mal Welcome Dossier vorbereiten, 30 mal einen MA zuweisen der den Schnuppi in dieser Woche betreut, ihm zeigt was der Beruf und die Arbeit im Betrieb mit sich bringt - um dann einer jungen Person die Möglichkeit zu geben eine Berufsausbildung zu machen. Ja, wir, die wir den Bildungsauftrag ernst nehmen und in den Jungen unsere Zukunft sehen, nehmen das sehr ernst! Was wir erwarten? Interesse, Respekt und ein gewisses Mass an Manieren - zu Recht, oder??

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  • FJ am 18.07.2018 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Junge

    Untragbares Verhalten des Jungen, dann auch noch in den Medien beschweren ist ganz peinlich. So wird es nichts mit einer Lehrstelle, egal wo.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Stu am 19.07.2018 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    wirkliche Problematik nicht erkannt

    Irgendwie verfehlt ihr meiner Meinung nach die Problematik. Ich sehe nicht das Probkem darin, dass er nur 4 Stunden schnuppern war. Sondern dass er nach dem Mittagessen nicht mehr gekommen ist, die Arbeitskleidung und den Badge einfach irgendwo deponiert und dass er nicht mal das Telefon abnimmt wenn man sich nach seinem Verbleiben erkundigen will. Hätte er sich korrekt beim Chef abgemolden wäre ja alles kein Problem. Stellt euch das Theater vor, wäre etwas passiert und niemand hätte nach ihm gesucht.

  • logiker am 19.07.2018 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    go b.

    gewisses mass an Respektlosigkeit ist in den betrieben schon da und nicht nur im Bau, b. und seine aussage ist meiner Meinung nach glaubhafter.

  • Spieglein am 19.07.2018 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spieglein an der Wand

    Wir alle, die wir hier den jungen Herrn per Vorverurteilung verunglimpfen wären allenfalls selbst für dessen Probleme hauptverantwortlich! Schieben nicht wir Erwachsenen unseren Nachkommen von Kindesbeinen an ein Smartphone samt Abo unter und hoffen auf unsere Ruhe?

  • Ausbildner am 19.07.2018 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuverlässigkeit bei Null

    Ich habe in meinem Unternehmen im Laufe der Jahre 30 Informatiklehrlinge ausgebildet. Nun habe ich aufgehört weil das Benehmen der jungen Leute immer unerträglicher geworden ist. Permanent am Smartphone, auch während Gesprächen mit Vorgesetzten. Kommen und gehen nach Lust und Laune. Zuverlässigkeit unterirdisch. Können nichts, keiner bringt einen Satz ohne 7 Fehler zustande. Eine traurige Entwicklung - ich hab meinen Dienst getan.

  • KMU am 19.07.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No go

    Hinschmeissen bei der ersten Anstrengung? Kein Verantwortungsgefühl und Respekt denjenigen gegenüber, die Zeit und Organisation investieren. Das Geschäft hat Ressourcen und Arbeitszeit in Nichts investiert. Hoffentlich nehmen die noch Schnupperi...sollte noch eine höhere Busse geben..